Zentrale Mittelmeer-Route: Appell für 40.000 zusätzliche Resettlement-Plätze

15 afrikanische Länder sollen im Resettlement von Flüchtlingen künftig eine wichtigere Rolle spielen.

Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik, Merveille, neun, und Octavie, sieben, erhielten 2016 die Möglichkeit mit ihrer Familie in Kanada neu anzufangen © UNHCR/Ibrahima Diane

UNHCR ruft die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, 40.000 zusätzliche Resettlement-Plätze für Flüchtlinge entlang der zentralen Mittelmeer-Route zu schaffen.

Identifiziert wurden 15 Länder, aus denen prioritär Resettlement-Programme durchgeführt werden sollen. Diese sind Algerien, Ägypten, Äthiopien, Burkina Faso, Kamerun, Kenia, Libyen, Mali, Mauretanien, Marokko, Niger, Sudan, Tschad und Tunesien.

„Diese 40.000 zusätzlichen Resettlement-Plätze sind elementar, um die schutzbedürftigsten Flüchtlinge entlang der zentralen Mittelmeer-Route unterstützen zu können. Natürlich kann aber Resettlement immer nur ein Element eines globalen Ansatzes für verbesserten Zugang zu Schutz und langfristigen Lösungen sein, um die Risiken auf der Route nach Libyen und nach Europa zu minimieren“, so Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi.

Um globale Lösungen anzustoßen, hat UNHCR am 11. September zum ersten Mal ein Meeting der sogenannten „Core Group for Enhanced Resettlement and Complementary Pathways“ einberufen, bei dem Frankreich den Vorsitz innehatte. Die Gruppe besteht aus Resettlement-Ländern, IOM, der EU und UNHCR.

„Ein umfassender Ansatz wird entscheidend dafür sein, Weiterreisen einzudämmen, das Leben von Flüchtlingen zu retten und keine Pull-Faktoren zu schaffen. Wichtig ist, dass ein Resettlement-Konzept alle Sub-Regionen entlang der Route umfasst, das sind West-, Ost- und Nordafrika sowie das Horn von Afrika. Auch die Beachtung der UNHCR Resettlement-Kriterien, die den Fokus auf Vulnerabilität und Schutzbedürftigkeit legen, ist ebenso relevant“, so Grandi.

„Bis jetzt waren die Resettlement-Angebote unzureichend, nur 6.700 Flüchtlinge auf der Route nach Libyen wurden in diesem Jahr über Resettlement aufgenommen. Im Einklang mit den Zusagen aus der New York-Erklärung müssen dringend mehr Plätze sowie zusätzliche legale Alternativen geschaffen werden, um dem weltweiten Resettlement-Bedarf gerecht zu werden“, so Grandi weiter.

2016 wurden in den oben genannten 15 priorisierten Ländern entlang der Mittelmeer-Route nur sechs Prozent der benötigten Plätze zur Verfügung gestellt. Insgesamt wird der Bedarf aktuell auf rund 277.000 Resettlement-Plätze geschätzt.

Die Bewegung von Flüchtlingen in Richtung Europa kostet nach wie vor viel zu vielen Menschen das Leben. Allein seit Jahresbeginn haben rund 2.420 Menschen bei der Mittelmeer-Querung ihr Leben verloren oder gelten als vermisst. Weitere Berichte legen nahe, dass die Opferzahlen entlang der gesamten Route noch bei weitem höher liegen.