Zerstörung und menschliches Leid in Kasai

Die Zerstörung und das menschliche Leid, die der Konflikt in der Kasai-Region in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) auslöst, haben ein enormes Ausmass erreicht.

Binnenvertriebene Kinder in Tshikapa, der Hauptstadt der Kasai-Region. © UNHCR/A. Kirchhof

GENF, Schweiz – Anfang September sind UNHCR-MitarbeiterInnen aus Kamonia, einem Gebiet der DR Kongo an der Grenze zu Angola, zurückgekehrt. Das Team konnte zum ersten Mal auch in das Zentrum der Kämpfe reisen. UNHCR-MitarbeiterInnen sahen ganze Dörfer niedergebrannt und ZivilistInnen befinden sich in einer aussichtslosen Situation, da die Grundversorgung grösstenteils unterbrochen ist.

Die UNHCR-Mission war möglich, da sich der humanitäre Zugang zur Kasai-Region langsam etwas verbessert. UNHCR ruft die zuständigen Behörden dazu auf, humanitären Organisationen vollen Zugang zu Schutz- und Hilfsbedürftigen zu ermöglichen. Die Sicherheit im Gebiet sollte erhöht werden, sodass Flüchtlinge und Binnenvertriebene in ihre Heimat zurückkehren können.

In der Region nahe der Grenzstadt Kamako sind neun von zehn Dörfern durch bewaffnete Gruppen oder wegen Kämpfen zwischen ihnen und Regierungskräften niedergebrannt worden. Lokale bewaffnete Gruppen haben Gesundheitszentren, Schulen und andere öffentliche Gebäude systematisch zerstört oder geplündert. LehrerInnen und medizinisches Personal sind entweder geflüchtet oder wurden getötet.

Hunderte Kinder sind von ihren Eltern getrennt worden oder mussten beobachten, wie diese ermordet wurden. Diese zum Teil traumatisierten Kinder wurden von humanitären Organisationen provisorisch in Pflegefamilien untergebracht aber eine psychologische Hilfe kann ihnen nicht geboten werden. Auch ältere, invalide oder kranke Personen sind stark gefährdet.

Die Krise in Kasai dauert bereits über ein Jahr an und was als lokaler Konflikt begonnen hat, hat sich inzwischen zu einem Konflikt entwickelt, der neun der 26 Provinzen der DR Kongo betrifft, sei es durch Kämpfe oder durch Vertreibung. Ein Grossteil des Kerngebiets des Konflikts ist wieder unter der Kontrolle der Regierung, aber der Friede bleibt instabil. In manchen Gebieten wird noch immer von Gewalttätigkeiten berichtet.

Insgesamt wird geschätzt, dass rund 1,4 Millionen Menschen durch die Gewalttätigkeiten aus der ehemals friedlichen Kasai-Region vertrieben worden sind.

Trotz dieser kritischen Situation versuchen einige Kongolesen, die zuvor nach Angola geflüchtet waren, in ihre Heimat zurückzukehren. Seit April 2017 sind etwa 33.000 Flüchtlinge in die Lunda Norte-Provinz des Landes geflohen, um dem Konflikt zu entgehen. Allerdings hat ein lokaler UNHCR-Partner inzwischen Kongolesen identifiziert, die aus Angola zurückgekehrt sind. Viele dieser RückkehrerInnen haben ihre Häuser und ihre Heimat zerstört vorgefunden und sind nun gezwungen in ähnlich schwierigen Verhältnissen wie Binnenvertriebene zu leben.

UNHCR baut aktuell drei Büros in der Kasai-Region auf. Allerdings fehlen für so dringend benötigte Massnahmen die Ressourcen. Von den erforderlichen 102,5 Millionen US-Dollar, die es bräuchte, um in Angola und der DR Kongo Hilfe zu leisten, sind gerade einmal 17 Prozent verfügbar.