Dramatischer Anstieg: Millionen Flüchtlingskinder können laut UNHCR nicht zur Schule gehen

Vier Millionen Flüchtlingskinder können nicht zur Schule gehen. Nach einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind das weltweit eine halbe Million Kinder mehr innerhalb von nur einem Jahr.

Rihanna Siraj, 15, Flüchtling aus Äthiopien, geht im Kakuma Flüchtlingscamp in Kenia zur Schule. © UNHCR/Anthony Karumba

Der Bericht „Turn the Tide: Refugee Education in Crisis“ zeigt, dass die Zahl der Schüler nicht mit der steigenden Zahl der Flüchtlinge mithält – trotz der Bemühungen von Regierungen, UNHCR und Partnern. Ende 2017 gab es auf der Erde 25,4 Millionen Flüchtlinge, 19,9 Millionen davon unter UNHCR-Mandat. Mehr als die Hälfte von ihnen, 52 Prozent, sind Kinder. Und davon wiederum sind 7,4 Millionen im Schulalter.

„Bildung hilft Kindern nicht nur, dass die Wunden des Krieges verheilen. Sie ist auch der Schlüssel zum Wiederaufbau des Heimatlandes“, sagte Filippo Grandi, Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge. „Ohne Bildung werden junge Flüchtlinge und ihre Gemeinschaften ihrer Zukunftsperspektiven beraubt.“

Nur 61 Prozent der Flüchtlingskinder besuchen eine Grundschule – weltweit sind es 92 Prozent aller Kinder. Dieses Missverhältnis wächst sogar noch, je älter die Kinder werden: Nur 23 Prozent der Flüchtlingskinder gehen auf eine weiterführende Schule, verglichen mit 84 Prozent weltweit. Und während 37 Prozent der Jugendlichen höhere Bildungsabschlüsse machen können, ist es bei Flüchtlingen nur ein Prozent. Dieser Wert ist seit drei Jahren unverändert.

„Für Flüchtlingskinder ist die Schule der Ort, an dem sie zum ersten Mal seit Monaten oder gar Jahren so etwas wie Normalität vorfinden“, sagte Grandi. „Wir brauchen dringend Investitionen in die Bildung und damit in die Zukunft dieser Kinder. Wenn wir nicht handeln, werden Hunderttausende weitere Kinder in dieser deprimierenden Statistik auftauchen.“

„Ich habe gesehen, was es für geflüchtete Eltern bedeutet, wenn sie ihre Kinder nicht zur Schule schicken konnten und wussten, dass mit jedem verlorenen Jahr die Zukunftsaussichten ihrer Kinder sinken und ihre Verletzbarkeit grösser wird“, sagte Angelina Jolie, Sondergesandte von UNHCR. „Wir sollten dennoch nicht verzweifeln, sondern die Chance sehen: Es gibt Millionen junger Flüchtlinge mit dem Willen, der Energie und dem Ehrgeiz, zu studieren und zu arbeiten, die zur Gesellschaft ihrer Gastländer etwas beitragen und schliesslich ihre Heimat wieder aufbauen wollen.“

Der Bericht nennt durchaus auch Erfolge. So konnte es nach der New Yorker Erklärung für Flüchtlinge und Migranten gelingen, 500 000 früheren Schülern wieder Unterricht zu ermöglichen. Der Report mahnt aber zugleich zu weiterer Hilfe, um mehr Kindern eine Zukunft auf eigenen Beinen zu ermöglichen. Er ruft alle Aufnahmeländer auf, ihre Schulen für die Flüchtlingskinder zu öffnen und ihnen die Chance auf eine spätere Hochschulbildung zu geben. Der Bericht macht auch klar, dass 92 Prozent dieser Schulkinder von Entwicklungsländern aufgenommen wurden und ruft dazu aus, diese Staaten zu unterstützen.

Zum Bericht
„Turn the Tide: Refugee Education in Crisis“ ist der dritte Jahresbericht zur Bildung von Flüchtlingskindern. Der erste, „Missing Out“, wurde vor zwei Jahren zum Flüchtlings- und Migrationsgipfel der UN-Vollversammlung im September 2016 veröffentlicht. Der zweite, „Left Behind“, erschien 2017. Der Bericht machte auf die Chancenungleichheit aufmerksam und rief dazu auf, Bildung zu einem wichtigen Ziel bei der Hilfe für Flüchtlinge zu machen. Der jetzt vorgestellte Bericht enthält ein Vorwort von UN-Hochkommissar Filippo Grandi und Schlussbemerkungen von UNHCR-Sondergesandter Angelina Jolie.

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden.