Burundi droht ohne internationale Unterstützung ‘vergessene Krise’ zu werden

UNHCR startet heute einen Spendenaufruf über 391 Millionen USD, um die etwa 430.000 Flüchtlinge aus Burundi im kommenden Jahr 2018 zu versorgen.

Flüchtlinge aus Burundi an einer Wasserstelle im Lusenda Flüchtlingscamp in der Demokratischen Republik Kongo. © UNHCR/Colin Delfosse

GENF, Schweiz – UNHCR, das Flüchtlingskommissariat der UN, hat heute gemeinsam mit seinen 26 Partnerorganisationen der humanitären Hilfe einen Spendenaufruf über 391 Millionen USD gestartet, um die etwa 430.000 Flüchtlinge aus Burundi im kommenden Jahr 2018 zu versorgen.

Wir appellieren an die Geber, ihre Hilfe aufzustocken für die verzweifelten Flüchtlinge, die in Nachbarländern ums Überleben kämpfen, wo von akzeptablen humanitären Standards nicht zu sprechen ist. Die internationale Gemeinschaft muss sich außerdem weiter für eine echte und nachhaltige Lösung der Krise in Burundi einsetzen.

Dass die Finanzierung der humanitären Hilfe für diese Krise bei nicht ausreicht, ist Anlass zu großer Sorge. Auch 2018 könnte Burundi zu einer der weltweit am schlechtesten finanzierten Flüchtlingssituationen machen.

Unser Aufruf, der heute den Gebern in Genf präsentiert wird, hat zum Ziel, die Bedarfe der Flüchtlinge in Burundi zu sichern und zu verhindern, dass die Situation vor Ort nicht zu einer vergessenen Flüchtlingskrise wird.

Seit 2015 haben mehr als 400.000 Flüchtlinge und Asylsuchende das Land verlassen, auf der Flucht vor Menschenrechtsverstößen, anhaltender politischer Unsicherheit und der damit einhergehenden humanitären Krise.

Die Flüchtlingszahlen werden 2018 voraussichtlich um 50.000 Personen zunehmen, da regionale Ansätze zur Lösung der politischen Krise im Land keinen wirklichen Fortschritt bewirkt haben.

Die Menschenrechtssituation in Burundi bleibt weiterhin besorgniserregend. Wenn sich die politische Situation nicht ändert und sich die sozio-ökonomischen Bedingungen nicht verbessern, wird sich der Auszug der Flüchtlinge aus Burundi – hauptsächlich mit dem Ziel in die Nachbarländer – voraussichtlich auch 2018 fortsetzen, wenn auch auf niedrigerem Niveau.

In Tansania haben die meisten Flüchtlinge aus Burundi Zuflucht gefunden, insgesamt 254.000 Menschen. In Ruanda befinden sich 89.000, in der Demokratischen Republik Kongo 44.000 und etwa 40.000 in Uganda. Weitere halten sich außerdem in Kenia, Sambia, Mozambique, Malawi und Südafrika auf.

2017 sind mehr als 61.000 Flüchtlinge in den Nachbarländern angekommen. Obwohl die Zahlen im Vergleich zu 2016 zurückgegangen sind (damals sind etwa 123.000 geflohen), sind es immer noch tausende, die Grenzen überquerten um sich in der Region in Sicherheit zu bringen.

 

Wegen des zunehmenden humanitären Bedarfs und sinkender Ressourcen konnte die Unterstützung in der Region trotz unserer Mühen nicht in angemessener Weise geleistet werden.

Da die Mehrheit der Flüchtlinge (85%) in Camps lebt, hat die Unterfinanzierung Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens – sie bedeutet Einschnitte in die Nahrungsmittelversorgung, baufällige Unterkünfte, überfüllte Schulklassen und zu geringe Kapazitäten, um auf sexuelle- und geschlechtsspezifische Gewalt zu reagieren.

Unterfinanzierung hat aber auch zur Folge, dass wir signifikant weniger in die soziale Versorgung und Lebenschancen investieren können und dass weniger Geld bleibt für Umweltschutz und Sanierung von Umweltschäden. Außerdem hinderte uns das daran, 2017 eine Überprüfung des Zensus durchführen, Regierungsbeamte in Asylstatusfeststellungen zu schulen und ihnen Unterlagen zur Verfügung zu stellen, so wie es ursprünglich geplant war.

In den letzten Jahren haben sich außerdem einige Flüchtlinge aus Burundi für eine freiwillige Rückkehr entschieden und wollen nun ihr Leben in den Kommunen vor Ort wieder neu beginnen – letztere leiden jedoch oft an Nahrungsengpässen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Zum jetzigen Zeitpunkt wird von UNHCR und seinen Partnerorganisationen die Rückkehr von Flüchtlingen nach Burundi nicht befürwortet oder ermutigt. Wir arbeiten mit den betreffenden Regierungsstellen jedoch daran, denjenigen Flüchtlingen, die in freier und bewusster Entscheidung zu einer Rückkehr nach Burundi tendieren, diese in Würde und Sicherheit zu gewährleisten.

Wir betonen außerdem unseren Aufruf an Burundis Nachbarstaaten, ihre internationale Verantwortung und Verpflichtung bezüglich der Aufnahme und des Schutzes der Bedürftigen aufrechtzuerhalten. UNHCR erinnert die Staaten daran, dass Flüchtlinge nicht gegen ihren Willen zur Rückkehr nach Burundi gezwungen werden sollen.