“Ein normaler Arbeitstag beginnt gegen halb acht und endet gegen Mitternacht.”

Elisabeth arbeitet in Cox’s Bazar, Bangladesch. Seit August 2017 haben rund 700.000 Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar in Bangladesch Schutz gesucht.

© UNHCR/Andre Therik

Name Elisabeth Pelster, Münster (Westf.), heute Berlin

Einsatzort: Cox’s Bazar, Bangladesch

Position: Senior Operations Manager

Bei UNHCR seit: 1992

Warum hast du dich für einen Job bei UNHCR entschieden?

Weil ich mich nützlich machen, aber dabei nicht langweilen wollte.

Was macht UNHCR in Cox’s Bazar?

UNHCR kümmert sich um Rohingya. Rohingya sind Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention, eine muslimische Volksgruppe in Myanmar. Im Herbst 2017 flohen innerhalb weniger Wochen fast 700.000 von ihnen nach Bangladesch. In Kutupalong hat sich innerhalb von etwa vier Monaten ein Lager von der Einwohnerzahl Frankfurts auf sehr viel weniger Platz ausgebreitet. Das Kutupalong-Camp ist das derzeit größte und am dichtesten besiedelte Flüchtlingscamp der Welt.

Obwohl die Region von Cox’s Bazar selbst sehr arm ist und nicht viel Platz bietet, hat man die Flüchtlinge dort aufgenommen. Gemeinsam mit der Regierung und Partnerorganisationen unterstützt und schützt UNHCR die Rohingya. Derzeit ist UNHCR vor allem mit Schutzmaßnahmen für die Regenzeit beschäftigt, da Erdrutsche und Epidemien die Rohingya bedrohen. UNHCR arbeitet mit Partnerorganisationen daran, die Gefahren in den überbelegten Siedlungen zu mindern. Flüchtlinge werden in sicherere Gebiete umgesiedelt, Unterkünfte, Straßen und Brücken werden verstärkt. Zudem ist es wichtig, dass Selbsthilfepotenzial der Flüchtlinge zu stärken. Auch daran arbeiten wir, gemeinsam mit den Flüchtlingen.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von dir aus?

Ein normaler Arbeitstag beginnt gegen halb acht und endet gegen Mitternacht. Ich leite sechs Units, davon vier sogenannte Support Units (Programm, Einkauf, Verwaltung einschließlich Human Ressources und Informationsmanagement),die miteinander dafür sorgen, dass alle, d.h. sowohl die Flüchtlinge als auch die Kolleginnen, kriegen was sie brauchen – von UNHCRs Plastikplanen (190.000 allein für die Regenzeit) für Flüchtlinge über bis zu demnächst 120 Autos für UNHCR und seine Partnerorganisationen. Wir unterstützen auch die lokalen Behörden vor Ort, die mit der hohen Anzahl der neuankommenden Flüchtlinge zurechtkommen müssen. Dazu gehört auch die Unterstützung der örtlichen Versorgungssysteme.

Bangladesh. Aeirial View of the new Kutapalong Camp 4 Extension

Eine Luftaufnahme des Kutupalong-Camps. © UNHCR/Adam Dean

Bangladesh. Road building

Ingenieure und Flüchtlinge verstärken Straßen und sichern die steilen Hänge, die während der Regenzeit zu Schlammlawinen werden können. © UNHCR/Patrick Brown

Bangladesh. Building infrastructure

Zufahrtsstraßen in die Siedlungen könnten durch Erdrutsche blockiert und für Fahrzeuge unzugänglich gemacht werden, was die Nothilfe erschweren würde. Um die Straßen offen zu halten, hat die bangladeschische Regierung entsprechende Pprojekte in die Wege geleitet. © UNHCR/Patrick Brown

Bangladesh. Children playing on a Ferris Wheel

Diese Kinder genießen die Eid Mubarak Feierlichkeiten und fahren im selbstgemachten Riesenrad im Kutupalong-Camp. © UNHCR/Patrick Brown

 

Was sind die größten Herausforderungen in deiner täglichen Arbeit?

Es gibt zahlreiche, auch politische Herausforderungen. Was kann man gemeinsam tun, was ist nötig, damit die Flüchtlinge in den viel zu kleinen Lagern trotz Erdrutschen die Regenzeit überstehen? Wie kann man den bangladeschischen Behörden und der lokalen Bevölkerung am besten beistehen, damit vernünftige Lösungen gemeinsam gefunden und umgesetzt werden können? Das sind Fragen, die ich bei jeder meiner Entscheidungen im Kopf haben muss.

Was war dein bisher schönster Moment bei UNHCR?

Ich erlebe viele schöne Momente bei UNHCR. Am glücklichsten bin ich immer, wenn ich mit den Flüchtlingen nach einiger Zeit auf Augenhöhe sprechen kann oder wenn Hilfe gelingt, d.h. das richtige im gebotenen Umfang zum passenden Zeitpunkt geschieht. Das erfordert sehr gute Zusammenarbeit von vielen, oft sehr unterschiedlichen Akteuren, aber wenn es klappt, bin ich begeistert.

UNHCR ist in 128 Ländern auf der ganzen Welt aktiv, in großen Städten oder abgelegenen und oft gefährlichen Orten. Gemeinsam arbeiten die Mitarbeiter von UNHCR, um vertriebenen Menschen auf der ganzen Welt zu helfen. Rund 88 Prozent arbeiten im Feld und helfen den Schutzbedürftigen unmittelbar vor Ort. Darunter auch einige Deutsche. Dieses Portrait ist Teil einer Interviewreihe, die deutsche MitarbeiterInnen und ihre Arbeit beim UNHCR vorstellt.