Menschenleben durch zu wenige Rettungseinsätze im Mittelmeer in Gefahr

UNHCR ist Malta für seine Entscheidung dankbar, 58 gerettete Menschen von der “Aquarius” aufzunehmen. Die Kapazitäten der Seenotrettung im Mittelmeer müssen weiter verstärkt werden.

Die Aquarius darf im Hafen von Valetta anlegen, nachdem sich mehrere Staaten zur Aufnahme von Flüchtlingen und MigrantInnen bereit erklärten.

Der UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, ist Malta dankbar für seine Entscheidung, 58 gerettete Menschen des NGO-Schiffs “Aquarius” von Bord gehen zu lassen und ihre Tortur nach Tagen auf See zu beenden. Dank gilt auch Frankreich, Deutschland, Portugal und Spanien dankbar, die angeboten haben, diese Menschen aus Malta aufzunehmen.

Die Solidarität und der Lösungswille dieser fünf Länder waren der Schlüssel zur Lösung dieser Situation und sollten ein Beispiel für andere Staaten darstellen. Menschlichkeit, Mitgefühl und der unermüdliche Einsatz, Leben zu retten, müssen mit der Sicherstellung des Zugangs zu internationalem Schutz für Personen, die diesen benötigen, im Mittelpunkt der Frage stehen, wie Europa seine Grenzen zu Wasser oder zu Lande verwaltet.

UNHCR setzt sich weiterhin dafür ein, dass im Mittelmeerraum Vorkehrungen für die Ankunft von Personen getroffen werden, die auf See gerettet wurden. Wir fordern Staaten nachdrücklich auf, ihre Bemühungen zur Verbesserung dieser Vereinbarungen rasch zu beschleunigen. So können Leben gerettet werden!

Die Lösung für die Flüchtlinge und Migranten an Bord der Aquarius kommt zu einer Zeit, in der Suche und Rettung auf dem Mittelmeer immer mehr in Frage gestellt werden.

Letztes Jahr um diese Zeit führten fünf NGOs Such- und Rettungsaktionen im zentralen Mittelmeer durch. Im Jahr 2017 wurden laut der italienischen Küstenwache über 46.000 Leben durch NGOs gerettet.

Der angekündigte Entzug der Einsatzerlaubnis für die Aquarius ist äußerst besorgniserregend und würde eine dramatische Reduzierung von Such- und Rettungskapazitäten bedeuten – genau in dem Moment, in dem viel mehr nötig wäre.

„Verstärkte Such- und Rettungskapazitäten im zentralen Mittelmeer sowie das Ausschiffen an sicheren Orten muss das Ziel aller Akteure sein“, sagte UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi. „Wir sprechen hier von Menschenleben. Flüchtlinge und Migranten können nicht ständig Risiken ausgesetzt werden, während Staaten über ihre Verantwortung diskutieren.“

UNHCR fordert weiterhin verstärkte Such- und Rettungseinsätze im zentralen Mittelmeer und die Einbindung von NGOs, damit diese koordiniert dazu beitragen können. Es handelt sich um eine kollektive Verantwortung, die Rettung von Leben steht dabei an erster Stelle.