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UNHCR: Industriestaaten verzeichneten 2003 weniger Asylanträge

24.02.2004

Genf – Die Gesamtzahl der Asylwerber, die in 36 statistisch erfasste Industriestaaten kamen, ist im vergangenen Jahr um 20 Prozent auf 463.000 gesunken, gab das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR am Dienstag bekannt. Das ist die niedrigste Zahl seit 1997 und die drittniedrigste seit 1988.

In der Europäischen Union sank die Zahl der Asylwerber gegenüber 2002 um 22 Prozent auf 288.000 – ebenfalls der niedrigste Wert seit 1997 und deutlich unter der Hälfte der Rekordzahl 669.000 vom Jahr 1992 während der Balkankriege. (Aus Italien liegen für 2003 keine Zahlen vor, daher scheint es nicht im historischen EU-Vergleich auf.)

"Ich begrüße diese Nachricht," sagte UN-Hochflüchtlingskommissär Ruud Lubbers, "die meisten der großen Gruppen von Asylsuchenden – besonders Afghanen, Irakis and Menschen aus Serbien und Montenegro – sind zahlenmäßig zurückgegangen, was die entscheidenden Veränderungen in ihren Heimatländern und -regionen reflektiert. Aber wir können uns noch nicht zurücklehnen. Die positiven Entwicklungen bleiben in vielen Ländern schwach, und daher muss es weiterhin Investitionen in Hilfe und Ressourcen für diese Herkunftsregionen geben, um sicher zu stellen, dass es zu keiner Trendumkehr kommt."

Die wichtigsten Zielländer waren im Jahr 2003 Großbritannien mit 61.050 Anträgen, dicht gefolgt von den Vereinigten Staaten mit 60.700. Nach Frankreich kamen rund 51.400 Asylwerber, gefolgt von Deutschland mit 50.450. Die meisten der größten Zielländer sahen einen beträchtlichen Rückgang bei der Zahl neuer Asylsuchender: In Großbritannien ging sie um 41 Prozent zurück (fast das Doppelte des EU-Schnitts), in Deutschland um 29 Prozent auf die niedrigste Gesamtzahl in 19 Jahren, in den Niederlanden um 28 Prozent, in den USA um 26 Prozent, in Österreich um 18 Prozent.

Für Deutschland war es das erste Mal in 20 Jahren, dass es weder das Ziel Nummer eins (15 Mal) noch das zweitwichtigste Ziel (fünf Mal) unter den Industrieländern war.

"Besonders in Europa", sagte Lubbers, "sind die hitzige Debatte über Asyl und eine immer härtere Haltung zu einem beträchtlichen Teil von den großen Personenzahlen, die in den 90er Jahren gekommen sind, angetrieben gewesen. Jetzt, da die Zahlen auf das in den 80er Jahren registrierte Niveau zurückgefallen sind, hoffe ich, dass sich die Debatte wieder auf die wichtige Notwendigkeit, Flüchtlinge zu schützen, konzentriert, auf die Notwendigkeit, dauerhafte Lösungen für sie zu finden, und bessere Wege, diese Verantwortung unter den Staaten zu teilen."

Anstiege bei Asylanträgen waren vor allem auf Länder beschränkt, die insgesamt nur eine kleine Anzahl von Asylsuchenden empfangen, einschließlich einiger Staaten, die im Mai EU-Mitglieder werden. In Zypern stieg die Zahl um 364 Prozent, von 950 Asylwerbern 2002 auf 4410 im Jahr 2003; in Malta liegt der Anstieg bei 63 Prozent auf 570 Asylsuchende; Slowenien verzeichnete einen Zuwachs um 57 Prozent auf 1100; in der Tschechischen Republik und Polen stiegen die Zahlen um je 34 Prozent auf 11.390 bzw. 6920 Asylsuchende. Insgesamt beträgt der Anstieg in den zehn künftigen EU-Mitgliedstaaten 16 Prozent, von 32.100 auf 37.300 Asylwerber.

"Dieser Trend zeigt, wie wichtig es ist, den neuen EU Mitgliedern weiterhin zu helfen, ihre Kapazitäten auszubauen", sagte Lubbers. "Er unterstreicht auch die Notwendigkeit, gemeinsame Lösungen zu finden in Form von geteilter Verantwortung auf europäischer Ebene."

Unter den derzeitigen EU-Mitgliedern verzeichnete Luxemburg einen Anstieg um 49 Prozent auf 1550 und Griechenland ein Plus von 45 Prozent auf 8180 Asylsuchende. In Frankreich war die Anzahl fast identisch wie im Jahr davor. Alle anderen EU-Staaten verzeichneten Rückgänge, ebenso Kanada, Australien und Neuseeland.

Die bei weitem stärkste Nationalität unter den Asylsuchenden im Jahr 2003 waren Russen – die meisten davon Tschetschenen. Insgesamt handelte es sich dabei um 33.400 Personen (die Daten stammen nur von 29 und nicht allen 36 Industrieländern). Insgesamt stieg die Zahl russischer Staatsbürger, die um Asyl ansuchten, um 68 Prozent. In Europa ging die Gesamtzahl der russischen Asylwerber um 73 Prozent hinauf (innerhalb der EU ging das Plus nicht über 34 Prozent hinaus). Russische Staatsbürger suchten vor allem in Österreich (6700), Polen (5600), der Tschechischen Republik (4900), Deutschland (3400) und der Slowakei (2700) um Asyl an.

Unter den Top-8 der Nationalitäten, die im Jahr 2003 um Asyl angesucht haben, stieg nur die Anzahl der Asylwerber aus Russland. Von den Top-39-Nationalitäten waren nur vier höher als im Jahr davor.

Die Anzahl der Asylwerber aus dem Irak, mit 49.400 im Jahr 2002 die Spitzengruppe, fiel im Jahr 2003 um 50 Prozent auf 24.700. Während noch im Jänner 2003 4.200 Iraker um Asyl angesucht hatten, fiel die Zahl mit Dezember auf unter 900. Die Zahl der ankommenden Afghanen ging im Jahr 2002 um 46 Prozent auf 13.800 zurück, von 25.500 im Jahr 2002 und von einem Höchstwert im Jahr 2001 (52.300), als sie die größte Nationalität unter den Asylwerbern bildeten. UNHCR hat seit 2001 mehr als 2,5 Millionen Afghanen bei ihrer Heimkehr unterstützt. Auch die Asylanträge der Spitzengruppe des Zeitraums 1998 bis 2000, aus Serbien und Montenegro (Kosovaren eingeschlossen), fiel im letzten Jahr um weitere 23 Prozent auf 24.800.

Einige afrikanische Länder, in denen sich in den vergangenen Jahren die Bedingungen wesentlich verbessert haben, sahen bedeutende Rückgänge, darunter Angola, dessen Asylwerber im Vergleich zu 2002 um 46 Prozent zurückgegangen sind, weiters Sierra Leone, dessen Asylsuchende um 58 Prozent weniger wurden, und die Demokratische Republik Kongo, wo sich die Umstände in einigen Bereichen verbessert haben; die Zahl seiner Asylwerber ging um 22 Prozent zurück. Die Anträge von Menschen aus Simbabwe fielen auch um 52 Prozent. – Diese Änderung ergibt sich allerdings wohl eher aus der Auferlegung von Visa-Erfordernisse in manchen Zielländern als aus verbesserten Bedingungen.

Somalis, die in der Statistik um 7 Prozent gestiegen sind, waren die einzige größere afrikanische Gruppe von Asylwerbern, die im Jahr 2003 gewachsen ist. Man kann nicht sagen, dass sich die Umstände in Somalia verbessert hätten, und das Land bleibt weiterhin ohne zentrale Regierung.

Die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR betont, dass alle Zahlen provisorisch sind und noch nachgebessert werden können.

Story date: 24 February 2004
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