Eine neue Familie für Ershad

Liza und ihr Sohn Felix (15) haben Ershad (18) aus Afghanistan in Klosterneuburg aufgenommen. Ershad ist unglaublich froh, dass er bei Liza unterkommen konnte. Jetzt will er seine Ausbildung fortsetzen.

Liza, ihr Sohn Felix und Ershad in Klosterneuburg. © UNHCR/Aubrey Wade

KLOSTERNEUBURG, Österreich – Liza und Ershad haben sich in einer Flüchtlingsunterkunft kennengelernt, wo Liza als Freiwillige einige Male pro Woche Deutsch unterrichtet hat. Manchmal ging sie mit den Flüchtlingen nach dem Unterricht noch auf ein Eis, sie plauderten und bald entstand eine Freundschaft.

Als sechs Flüchtlinge in eine andere, weit entfernte Unterkunft umziehen sollten, begann Liza verzweifelt nach einer Alternative zu suchen. Sie wollte den Burschen einen zweiten Neuanfang in Österreich ersparen. Für zwei Burschen fand Liza rasch eine Unterkunft, die anderen beherbergte sie vorübergehend in ihrem kleinen Wohnzimmer.

„Überall waren Luftmatratzen und Decken. Es war recht lustig“, so Liza. Aber Sohn Felix war alles andere als amüsiert.

„Meine Mama hat mir um zwei Uhr nachmittags gesagt, dass vier Flüchtlinge bei uns schlafen werden. Und ich habe gesagt: Auf keinen Fall“, erinnert sich Felix.

Acht Wochen später war für alle eine passende Unterkunft gefunden – nur für Ershad nicht. So ist er geblieben, trägt zur Miete bei und passt auf die beiden Katzen und die Wohnung auf, wenn Liza auf Dienstreise ist.

„Wir essen jeden Abend gemeinsam. Ich mache mittlerweile sogar persischen Reis“, sagt Liza. „Wir gehen alle gern ins Kino, aber wir können uns nie auf einen Film einigen.“

Auch Felix hat seine Meinung geändert. „Ich fühl’ mich so, also ob ich auf einmal einen großen Bruder hätte. Am Anfang war er halt einfach da. Aber jetzt ist es richtig super, dass er hier ist”, sagt Felix.

Die beiden teilen ihre Leidenschaft für Videospiele und halten zusammen wie Pech und Schwefel, wenn Liza einmal auf einen der beiden wütend ist.

Ershads Eltern und seine Schwester kamen durch einen Autounfall ums Leben, als er drei Jahre alt war. Sein Onkel hat ihn danach in den Iran geholt, wo er den größten Teil seiner Kindheit arbeiten musste. Er ist unglaublich froh, dass er Liza gefunden hat. Jetzt will er seine Ausbildung weitermachen, um später im IT-Bereich arbeiten zu können und sein eigenes Leben in Österreich aufzubauen. „Manchmal vermisse ich das Leben im Iran. Ich möchte mit meiner neuen Familie einmal dorthin reisen und ihnen alles zeigen“, sagt er.

„Ershad hat in einem halben Tag meinen alten Computer repariert. Er kennt sich mit Computern aus und ist geschickt dabei, Dinge zu reparieren“, sagt Liza. „Einmal hat er mich gefragt: ‚Glaubst du, dass meine Mama auf mich stolz wäre?‘ Ich habe ihn einfach nur umarmt. Vorher hat ihn noch nie jemand umarmt.“