UNHCR und IOM verurteilen den Angriff auf Tajoura und fordern sofortige Untersuchung

In Tajoura waren mindestens 600 Flüchtlinge und MigrantInnen untergebracht – darunter Frauen und Kinder. Der Luftangriff forderte Tote und ließ Dutzende von Verletzten zurück.

Flüchtlinge und Migranten im Internierungslager in Tajoura. ©UNHCR/Tarik Argaz

Die furchtbare Zahl der Verletzten und Toten durch den Angriff am Dienstagabend auf das Internierungslager Tajoura, östlich von Tripolis, ist trauriger Beleg für die Warnungen und die Sorge, die UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, und die Internationale Organisation für Migration (IOM) seit Monaten zum Ausdruck gebracht haben. Diese jüngste Gewalt beweist, wie gefährlich es ist, Flüchtlinge und MigrantInnen nach Libyen zurückzubringen, nachdem sie auf dem Mittelmeer abgefangen wurden.

Unsere beiden Organisationen verurteilen dies und jeden Angriff auf das zivile Leben aufs Schärfste. Wir fordern ein sofortiges Ende der Inhaftierung von MigrantInnen und Flüchtlingen und eine Garantie für ihren Schutz in Libyen.

Ein solcher Angriff verdient mehr als nur eine Verurteilung. UNHCR und IOM glauben, dass eine umfassende und unabhängige Untersuchung erforderlich ist, um festzustellen, wie das geschehen konnte und wer dafür verantwortlich ist. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Die Koordinaten dieser Haft- und Internierungslager in Tripolis sind den kämpfenden Parteien wohlbekannt. Diese wissen auch, dass in Tajoura Zivilpersonen inhaftiert sind.

In Tajoura waren mindestens 600 Flüchtlinge und MigrantInnen untergebracht – darunter Frauen und Kinder. Der Luftangriff forderte Tote und ließ Dutzende von Verletzten zurück. Wir gehen davon aus, dass die endgültige Zahl der Todesopfer noch viel höher sein wird.

Einschließlich der Menschen in Tajoura werden rund 3.300 MigrantInnen und Flüchtlinge willkürlich in und um Tripolis unter Bedingungen festgehalten, die nur als unmenschlich bezeichnet werden können. Darüber hinaus sind MigrantInnen und Flüchtlinge mit zunehmenden Risiken konfrontiert, da sich die Kämpfe in ihrer Nähe verschärfen. Diese Zentren müssen geschlossen werden.

Wir tun alles, um zu helfen. IOM und UNHCR haben medizinische Teams entsandt, während ein breites, organisationsübergreifendes UN-Team auf die Genehmigung für einen Besuch in der Region wartet. Wir erinnern alle Konfliktparteien daran, dass Zivilisten keine Ziele sein dürfen und sowohl nach dem internationalen Flüchtlingsrecht als auch nach den Menschenrechten geschützt werden müssen.

Der anhaltende Konflikt in der libyschen Hauptstadt hat fast 100.000 LibyerInnen zur Flucht aus ihren Häusern gezwungen. UNHCR und seine Partnerorganisationen, zu denen auch die IOM gehört, haben mehr als 1.500 Flüchtlinge aus kampfnahen Haftzentren in sicherere Gebiete gebracht. Unabhängig davon haben die freiwilligen humanitären Rückkehrmaßnahmen von IOM dazu beigetragen, dass mehr als 5.000 gefährdete Personen in 30 Herkunftsländer in Afrika und Asien zurückgekehrt sind.

IOM und der UNHCR fordern das übrige UN-System auf, diesen Angriff zu verurteilen und die Inhaftierungen in Libyen zu beenden. Darüber hinaus fordern wir die internationale Gemeinschaft nachdrücklich auf, humanitäre Korridore für MigrantInnen und Flüchtlinge bereitzustellen, damit sie aus Libyen evakuiert werden können. Zum Wohle aller in Libyen hoffen wir, dass die Staaten mit Einfluss ihre Bemühungen und Zusammenarbeit verstärken, um diesen schrecklichen Konflikt so schnell wie möglich zu beenden.