Winternothilfe für syrische Flüchtlinge und Vertriebene in vollem Gange

UNHCR setzt zusätzliche Hilfsmaßnahmen zur Unterstützung von Flüchtlingen im kommenden Winter.

Die Syrerin Nadira steht mit ihrem dreijährigen Sohn und ihrer vierjährigen Tochter vor ihrem Zelt im Lager Bardarash. Ihre Flucht aus Syrien war ein Kampf und jetzt fürchtet Nadira den kommenden Winter. © UNHCR/Houssam Hariri

UNHCR schätzt, dass etwa 3,8 Millionen syrische und irakische Flüchtlinge sowie Binnenvertriebene und Flüchtlinge anderer Nationalitäten im kommenden Winter zusätzliche Hilfe in Syrien, Irak, Libanon, Jordanien und Ägypten benötigen. Für viele SyrerInnen ist dies der neunte Winter in Folge, den sie auf außerhalb ihres Heimatlandes verbringen müssen. Die laufenden Vorbereitungen für die Winternothilfe begannen im September und die Unterstützung wird den ganzen Winter über bis März nächsten Jahres fortgesetzt.

Die Vorbereitungen umfassen Lieferungen von wichtigen Winterhilfsgütern wie Thermodecken, Kunststoffplanen und warmer Kleidung. Unterkünfte für Flüchtlinge werden repariert und wetterfest gemacht. Weitere Aktivitäten umfassen die Verbesserung der Entwässerungssysteme und anderer Infrastruktur, sowohl in Lagern als auch in informellen Siedlungsgebieten. Bedürftigen Flüchtlingsfamilien wird finanzielle Unterstützung gewährt, um ihren zusätzlichen Bedarf in den kalten Wintermonaten zu decken.

Angesichts der sinkenden Temperaturen und Regenfälle in der gesamten Region haben die Teams von UNHCR und unserer Partner bereits mit der Winterhilfe in Syrien und im Irak begonnen. Bis Ende Oktober sind in diesen beiden Ländern mehr als 364.000 Flüchtlinge und Binnenvertriebene mit der Winterhilfe erreicht worden. Im Libanon, in Jordanien und Ägypten werden die EmpfängerInnen der Winternothilfe derzeit ermittelt.

UNHCR plant in Syrien 1,6 Millionen Binnenvertriebene (320.000 Familien) zu erreichen. Die Hilfe soll vorrangig besonders gefährdeten Binnenvertriebenen, Rückkehrenden, neu vertriebenen Familien und Menschen in schwer zugänglichen Gebieten und mit schlechter ausgestatteten Unterkünften zugutekommen.

Zu den bisherigen Verteilungsgebieten gehört Nordostsyrien, wo UNHCR im Rahmen der organisationsübergreifenden Bemühungen mehr als 177.500 neu Vertriebenen in Aufnahmegemeinden, Gemeinschaftsunterkünften und Camps grundlegende Hilfe und Winternothilfe geleistet hat. Diese Hilfe erreichte unter anderem mehr als 86.500 Menschen in den Lagern Al-Hol, Areesha, Roj und Mahmoudli.

Im Irak plant UNHCR mehr als 660.000 Binnenvertriebenen (110.000 Familien) Winterhilfe zu leisten, darunter befinden sich 157.700 syrische Flüchtlinge (38.300 Familien) und 16.800 Flüchtlinge anderer Nationalitäten (4.200 Familien). Allein im Oktober erhielten mehr als 89.000 Binnenvertriebene und Rückkehrende (fast 15.000 Familien) Wintergeld. In beinahe jeder dritten Familie war dabei eine Frau das Familienoberhaupt.

Im Libanon erreicht die Winterhilfe von UNHCR mehr als 860.000 syrische Flüchtlinge (rund 172.000 Familien) und 9.000 irakische Flüchtlinge (3.000 Familien), die unterhalb der Armutsgrenze leben. 73% der syrischen Flüchtlingsfamilien im Libanon leben unterhalb der Armutsgrenze, was einem Budget von 3,84 US-Dollar pro Kopf und Tag entspricht. Sie sind nicht in der Lage, ihren grundlegenden Überlebensbedarf wie Nahrung, Gesundheit und Unterkunft zu decken. Infolgedessen bestehen erhöhte Schutzrisiken und die Belastung durch negative Bewältigungsmechanismen wie Kinderarbeit, frühe Ehen oder Prostitution nimmt zu. Fast neun von zehn Haushalte sind verschuldet, was deutlich zeigt, dass den syrischen Flüchtlingsfamilien die Mittel fehlen, um ihre Grundbedürfnisse zu decken.

Im Winter verschärft sich ihre Situation durch die Armut im Zusammenhang mit den rauen Witterungsbedingungen. Darüber hinaus sind viele Familien zusätzlichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt, da sie sich nicht warm halten können. Es gibt Überschwemmungen und der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist bereits eingeschränkt. Angesichts der schweren Wirtschaftskrise, von der der Libanon derzeit betroffen ist, wird die Winterkampagne von UNHCR in diesem Jahr mehr gefährdete libanesische Familien erreichen als in den Vorjahren. Dies soll sicherstellen, dass sie während der Wintersaison trotz ihrer sich rasch verschlechternden Situation warm bleiben können.

Ab diesem Monat unterstützt UNHCR in Jordanien mehr als 310.000 syrische Flüchtlinge (69.000 Familien) in Lagern und Stadtgebieten mit der Winternothilfe. In zwei großen Lagern – Azraq und Zaatari – werden Familien mit einer einmaligen Bargeldhilfe aus finanziellen Hilfsprogrammen unterstützt und erhalten Geld, um Gas für Heizzwecke zu beziehen. In städtischen Gebieten wird UNHCR ein einmaliges Paket bereitstellen, das die Kosten für eine Heizung, einen Gasbehälter, Gasnachfüllungen für vier Monate und Decken für jedes Familienmitglied deckt.

In Ägypten plant UNHCR ab November mehr als 87.000 syrischen Flüchtlingen (29.000 Familien) und 3.934 irakischen Flüchtlingen (1.659 Familien) saisonale Bargeldhilfe zu leisten.

UNHCR ist dankbar für die Unterstützung von SpenderInnen von Regierungen und dem Privatsektor, die die Hilfe und den Schutz syrischer Flüchtlinge und Binnenvertriebener ermöglichen. Die Gesamtfinanzierung der UNHCR-Operationen für Binnenvertriebene in Syrien und syrische Flüchtlinge in den Nachbarländern im Jahr 2019 beläuft sich jedoch nur auf 43 Prozent der benötigten 2.180 Milliarden US-Dollar.

SyrerInnen sind nach wie vor die größte Flüchtlingsgruppe der Welt.