VW erleichtert den Einstieg: Eine Initiative von Volkswagen hilft Flüchtlingen, schneller auf eigenen Beinen zu stehen

Ein Programm bei Volkswagen bietet Flüchtlingen die Chance auf eine Festanstellung beim größten Autohersteller der Welt.

Mastura Ekhlas (Mitte), Mohamad Al Jaser (links) und Mustafa Hussain (rechts) im VW-Werk in Baunatal, Deutschland. © UNHCR/Gordon Welters

Als Volkswagen Mastura Ekhlas einen Platz in einem Programm anbot, der zu einer Festanstellung beim größten Autohersteller führen konnte, wusste sie, dass es die Chance ihres Lebens ist.

Mastura kam 2013 als Flüchtling nach Deutschland. Bald darauf wurde ihr drittes Kind geboren, während sie in einem Flüchtlingsheim lebte. Keine leichte Zeit.

„Es war anfangs so schwierig, ein Neuanfang bei null“, sagt Mastura. „Aber tief in meinem Inneren wusste ich, dass ich mich durchbeißen musste. Ich habe mich völlig darauf konzentriert, etwas zu finden, was meinen Unterhalt sichert.“

Masturas Familie fand eine Wohnung in Baunatal, nicht weit weg vom VW-Werk Kassel in Nordhessen. Sie lernte Deutsch und fand erst Arbeit in einem Laden und dann in einer Apotheke. Aber sie träumte immer von einer Anstellung, die ihr – und ihrer Familie – Sicherheit gab.

„Ich bin immer an dem VW-Werk vorbeigefahren, habe das Zeichen gesehen und bin ins Überlegen gekommen“, erzählt sie. Sie fragte bei der Arbeitsagentur nach und erfuhr, dass Volkswagen ein einjähriges Qualifikationsprogramm für Flüchtlinge in seinem großen Werk und Logistikzentrum in Baunatal hat. Als sie angenommen wurde, gab sie alles, um ihre Vorgesetzten zu überzeugen.

„Ich habe wie ein Mann gearbeitet, das könnt Ihr mir glauben“, sagt sie. „Die Männer haben immer gesagt, ‘Mastura, Du musst dieses Paket nicht tragen‘“, sagt sie.„Aber ich wollte allen zeigen, dass ich es kann! Ich wusste, dass ich lernen und über mich selbst hinauswachsen musste, wenn ich hier in Deutschland etwas erreichen wollte.“

 

Ihr Engagement ist ein Symbol für die Energie, mit der Flüchtlinge für eine bessere Zukunft arbeiten. Es zeigt auch den Wert solcher Programme für Flüchtlinge, wie das von Volkswagen. Sie sollen Lücken auf dem deutschen Arbeitsmarkt füllen, geben aber auch Chancen, die ein ganzes Leben beeinflussen können.

Die Initiative von Volkswagen begann im Jahr 2017. Es ist ein erprobtes Qualifikationsprogramm, dass durch eine spezielle Sprachschulung ergänzt wurde. Es soll Neuankömmlingen helfen, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Auf dem globalen Flüchtlingsforum in Genf am 17. und 18. Dezember werden Regierungen, WirtschaftsvertreterInnen und andere ExpertInnen weitreichende Beiträge und Initiativen ankündigen. Sie sollen dafür sorgen, dass Flüchtlinge weniger von Hilfe und Wohlwollen abhängig sind. Stattdessen sollen sie eine Chance haben, ihre Fähigkeiten und Begabungen einzusetzen, um ihrerseits den Gesellschaften, die ihnen Schutz gewähren, etwas zurückzugeben.

Auf dem Forum wird auch das Programm von Volkswagen vorgestellt werden, weil es ein Beispiel dafür ist, wie Integration es Flüchtlingen ermöglicht, ein produktives Leben in ihren Gastländern zu führen.

Masturas fester Wille hat sich ausgezahlt. Im November hat sie bei Volkswagen ein weiteres, diesmal zweijähriges Programm begonnen, um Spezialistin im Lagerhaus zu werden. Am Ende winkt eine Festanstellung.

„Wir wollen Flüchtlingen eine langfristige Perspektive geben“, sagt Stefan Kreher, Personalchef von Volkswagen in Kassel, wo in Zusammenarbeit mit den deutschen Arbeitsbehörden das Programm gestartet wurde. „Das Programm ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Integration funktionieren kann“, sagt er. „Und es gibt in dieser Region einen Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften in der Logistikbranche. Es ist also ein Gewinn für alle Seiten.“

Das Programm ist eine Erfolgsgeschichte. Die meisten TeilnehmerInnen machen anschließend eine Berufsausbildung oder bekommen einen Job bei VW oder anderen Logistikunternehmen der Region. Ein Schlüsselelement ist die zusätzliche Sprachausbildung und Unterstützung für die, die sie brauchen.

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Mohammad Al Jaser, Auszubildender, bei der Arbeit im VW-Werk in Baunatal, Deutschland. © UNHCR/Gordon Welters

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Mastura bei der Arbeit im VW-Logistikzentrum in Baunatal, Deutschland. Sie wird von ihrem Ausbilder Johannes Gerhard unterstützt. © UNHCR/Gordon Welters

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Mastura bei der Arbeit im VW-Logistikzentrum in Baunatal, Deutschland. © UNHCR/Gordon Welters

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Mohammad Al Jaser, Auszubildender im VW-Werk in Baunatal, Deutschland. © UNHCR/Gordon Welters

„Wir haben hier in Deutschland wieder ganz von vorne beginnen müssen, ohne Sprachkenntnisse. Deshalb war es so schwer, die Prüfungen zu bestehen“, sagt der syrische Auszubildende Mohammad Al Jaser. „Aber ich bin sehr motiviert und ich glaube, dass ich es schaffen kann.“

Als er 2015 nach Deutschland kam, wollte er seine Karriere als IT-Fachmann fortsetzen. Aber schnell merkte er, dass die Sprachbarriere für ihn bedeutete, dass er noch einmal in die Ausbildung musste. Er hat das Programm bei Volkswagen schon beendet und einen der begehrten Ausbildungsplätze bekommen. Jetzt ist Mohammad auf gutem Wege, die Prüfungen zu bestehen und eine feste Anstellung zu bekommen.

„Als ich ankam, wollte ich nicht einfach nur im Wohnheim rumsitzen und warten. Ich wollte etwas tun, irgendwas. Jetzt zahle ich Steuern in Deutschland und meine Nachbarn sind stolz auf mich“, sagt Mohammad, der mit dem Job auch seine Frau und seine 18 Monate alte Tochter versorgt.

Für Lehrlinge wie Mohammad und Mastura bedeuten diese beruflichen Aussichten nicht nur, dass sie ein Einkommen haben, sagt Ariane Kilian, die bei Volkswagen die firmeninterne Flüchtlingshilfe leitet. Die Initiative war 2015 gegründet worden. Laut VW wurde seitdem 5000 Flüchtlingen geholfen. „Wir haben uns langfristig verpflichtet und heute liegt der Schwerpunkt auf Bildung und Begegnung, denn wir wollen Flüchtlingen nicht nur helfen, eine Ausbildung oder einen Job in Deutschland zu finden“, sagt Kilian. Denn je schneller sie Arbeit haben, desto schneller können sie auch für ihre Familien sorgen und ein produktives Mitglied der Gesellschaft werden.

„Ich mache die ganze harte Arbeit für die Zukunft meiner Kinder“, sagt Mastura. „Es genügt mir schon, dass meine Kinder wissen, dass ich etwas erreichen kann. Es ist so wichtig für mich, dass ich eine feste Arbeit in Deutschland habe. Dieses Land ist wie ein zu Hause geworden.“