Mehr als eine halbe Million Rohingya-Flüchtlinge erhalten Ausweisdokumente – die meisten zum ersten Mal

Über 500.000 Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar wurden von den bangladeschischen Behörden und UNHCR bereits registriert.

Bangladesch. UNCHR Mitarbeiter Thais Severno hilft bei der Registrierung von Rohingya-Flüchtlingen © UNHCR/Caroline Gluck

Bis zum 07. August wurden mehr als 500.000 Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar in einem gemeinsamen Registrierungsverfahren von den bangladeschischen Behörden und UNHCR, der UN-Flüchtlingsorganisation, registriert.

Für viele dieser Flüchtlinge ist es das erste Mal, dass sie einen Ausweis besitzen. Die biometrischen, fälschungssicheren Karten werden von den bangladeschischen Behörden und UNHCR gemeinsam an alle verifizierten Flüchtlinge über 12 Jahren ausgestellt.

Diese umfassende Registrierung, die gleichzeitig in allen Flüchtlingssiedlungen in Cox’s Bazar durchgeführt wird, soll die Richtigkeit der Daten über Flüchtlinge in Bangladesch sicherstellen und den nationalen Behörden und humanitären Partnerorganisationen ein besseres Verständnis der Bevölkerung und ihrer Bedürfnisse vermitteln. Genaue Daten werden den Organisationen bei der Programmplanung helfen und Unterstützung kann gezielt dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten benötigt wird, vor allem bei Menschen mit besonderen Bedürfnissen, wie Frauen und Kinder, die sich um ihre Familien und Menschen mit Behinderungen kümmern.

In der vergangenen Woche führte UNHCR  in einer der Flüchtlingssiedlungen in Cox’s Bazar das Global Distribution Tool (GDT) ein und verwendete dafür die bei dieser Registrierung gesammelten biometrischen Daten. Durch die Überprüfung von Fingerabdrücken oder Iris-Scans beschleunigt dieses Tool die Verteilung, ist betrugsicher und kann von Partnerorganisationen verwendet werden, um sicherzustellen, dass es zu keinen Überschneidungen kommt und niemand übersehen wird. Es wird in den kommenden Wochen in weiteren Siedlungen eingeführt.

Die neuen Registrierungskarten weisen darauf hin, dass Myanmar das Herkunftsland ist, ein wesentliches Element zur Etablierung und dem Schutz des Rechts der Rohingya-Flüchtlinge, in ihre Heimat in Myanmar zurückzukehren, falls und wenn sie sich dazu entschliessen, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Schätzungsweise 900.000 Rohingya-Flüchtlinge leben in überfüllten Siedlungen in Cox’s Bazar. Seit August 2017 sollen über 740.000 Menschen aus Myanmar geflohen sein.

Das derzeit laufende Registrierungsverfahren startete im Juni 2018. Durchschnittlich werden täglich rund 5.000 Flüchtlinge an sieben verschiedenen Orten in den Siedlungen registriert. Mehr als 550 lokale MitarbeiterInnen wurden eingestellt, um den Registrierungsprozess im letzten Quartal 2019 abzuschliessen.

Das „Biometric Identity Management System“ (BIMS) von UNHCR erfasst biometrische Daten, darunter Fingerabdrücke und Iris-Scans, mit denen die Identität jedes Flüchtlings sowie andere wichtige Informationen wie Familienbeziehungen gesichert werden.

Sowohl UNHCR als auch die bangladeschischen Behörden treffen sich regelmässig mit der Flüchtlingsgemeinschaft, einschliesslich gewählter GemeindevertreterInnen, Imame, Älteste und LehrerInnen, um die Vorteile der Registrierung zu erklären und auf Fragen und Bedenken zu antworten. Aus Freiwilligen geflüchteten Menschen zusammengesetzte Outreach-Teams gehen ebenfalls in die Gemeinde, um den Registrierungsprozess zu erläutern und die Menschen zur Registrierung zu ermutigen.

UNHCR appelliert an die internationale Gemeinschaft, weiterhin Rohingya-Flüchtlinge und Bangladesch zu unterstützen. Ende Juli erhielten UNHCR und Partnerorganisationen, die an der gemeinsamen Flüchtlingshilfe in Bangladesch arbeiten, 318 Millionen US-Dollar. Das ist nicht mehr als ein Drittel der 2019 insgesamt benötigten 920 Millionen US-Dollar.