Mevan kann sich nach 24 Jahren bei ihrem Helfer bedanken

Als Mevan Babakar mit fünf Jahren als Flüchtling in die Niederlande kam, erhielt sie von einem Helfer ein Fahrrad als Geschenk. 24 Jahre später kann sie ihm dafür endlich danken.

Mevan Babakar lernt Egbert kennen, der ihr als fünfjähriges Flüchtlingskind ein Fahrrad schenkte. © UNHCR/Arjen van der Zee

Vor fast einem Vierteljahrhundert lebte die fünfjährige Mevan Babakar mit ihrer Mutter in einem Aufnahmezentrum für Flüchtlinge in der niederländischen Stadt Bergen aan Zee.

Mevan hatte damals bereits ein hartes Leben. Ihre Eltern flohen 1991 aus dem Nordirak und reisten durch die Türkei, Aserbaidschan und Russland, bevor sie die Niederlande erreichten, wo sie in einem Flüchtlingslager in der Stadt Zwolle lebten. In Zwolle lernten sie einen niederländischen Helfer namens Egbert kennen, der dort arbeitete.

Nachdem Mevan und ihre Mutter das Lager in Zwolle verlassen konnten und nach Bergen aan Zee zogen, machte Egbert eine Reise von über 150 Kilometern, um die beiden in ihrem neuen Zuhause zu besuchen. Im Gepäck mit dabei – zwei brandneue Fahrräder für Mevan und ihre Mutter. Egbert, dessen Besuch aus heiterem Himmel kam, veränderte mit dem Geschenk Mevans Leben.

„Ich erinnere mich, dass mein Herz einfach vor Freude explodierte… Ich konnte nicht glauben, dass das Fahrrad mir gehören sollte“, erinnert sie sich. „Wenn dir jemand etwas Besseres gibt, als du verdienst, fängst du an deinen eigenen Wert zu überdenken.“

Bald darauf zog die Familie nach London. Mevan wurde älter, absolvierte ein Master-Studium in Bio-Engineering an der Sheffield University und begann eine Karriere im Medienbereich.

Doch das Geschenk und die Geschichte ihrer Kindheit haben sie nie verlassen. Um mehr über ihre eigene Vergangenheit und die Kultur, die ihr früheres Leben prägten, zu erfahren, unternahm Mevan kürzlich eine Reise.

Am Montag kam sie in Zwolle an, um den anonymen Wohltäter aufzuspüren und stiess recht schnell auf ein Problem. Wer war der Mann?

„Ich ging zum Rathaus und zur örtlichen Bibliothek und fragte so viele Leute wie möglich. Niemand wusste viel darüber. Ein Bibliothekar dachte, das Lager könnte im Krankenhaus gewesen sein. Wir haben irgendwie aufgegeben”, sagt Mevan.

Und an dieser Stelle kamen die sozialen Medien ins Spiel.

„Ich hatte diesen Apfelkuchen und ich entschied, dass es ja nicht schaden kann, darüber zu twittern”, erinnert sie sich.

Mevan Babakar an ihrem fünften Geburtstag. © Mevan Babakar

Ihr Tweet begann: “Hi Internet, das ist eine lange Geschichte, aber ich war ein Flüchtling.” Dann erzählte Mevan ihre Geschichte.

Bingo.

Innerhalb weniger Minuten wurde ihr Beitrag geteilt – zuerst hunderte und dann tausende Male. Menschen überschütteten sie mit Vorschlägen, wie sie Egbert aufspüren könnte.

Innerhalb einer Stunde wurde Mevan in das Büro eines lokalen Journalisten eingeladen. Sie nahmen ein Interview für Social Media auf. Am Ende des Tages hatte sie den Mann aufgespürt und am Dienstag besuchten sie und der Journalist Egbert in seinem Haus in Deutschland.

„Es war wunderbar. Es war, als würde man einen Verwandten sehen, den man schon sehr lange nicht mehr gesehen hatte.“ Egbert wollte lieber anonym bleiben.

Andere Flüchtlinge machten es Mevan gleich und erzählten, wie wichtig ein einfacher Akt der Freundlichkeit von anderen Menschen für sie war.

Nicht nur, dass Soziale Medien als eine Kraft für Gutes genutzt werden können, Mevans Geschichte zeigt vor allem, wie eine freundliche Geste das Leben eines Menschen verändern kann.

„Es ging dabei nicht wirklich um das Fahrrad. Das Geschenk des Fahrrads und die Gefühle, die dadurch ausgelöst wurden, wurden schließlich zum Messwert für mein eigenes Selbstwertgefühl”, so Mevan.