UNHCR-Nothilfe auf Lesbos wird weiter verstärkt

Neben der akuten Nothilfe für Asylsuchende braucht es auch langfristige Lösungen für die Betroffenen, die auf den Inseln in überfüllten Camps ausharren

Besonders vulnerable Asylsuchende wie Familien mit kleinen Kindern und alleinstehende Frauen wurden zuerst in den temporären Notunterkünften untergebracht. ©UNHCR

Nachdem das Aufnahme- und Identifikationszentrum (RIC) in Moria in der vergangenen Woche fast vollständig niedergebrannt ist, haben auf der griechischen Insel Lesbos rund 11.000 Asylsuchende nach wie vor keine Unterkunft. Angesichts der dramatischen Situation arbeitet UNHCR unter Hochdruck, um die Betroffenen zu versorgen und Notunterkünfte aufzubauen.

Die griechischen Behörden, die das Management und Koordinierung der humanitären Hilfe leiten, haben nahe der Stadt Mytilene im Raum Kara Tepe einen Ort ausgewählt, an dem besonders vulnerable Kinder, Frauen und Männer vorübergehend untergebracht werden können.

Auf Bitten der Regierung und um auf den dringenden Bedarf an humanitärer Hilfe zu reagieren, unterstützt UNHCR die Errichtung dieses temporären Zeltlagers mit Expertise zur Planung und zum Aufbau von Notunterkünften sowie technischer Beratung.

Die Planungs-und Aufbauarbeiten laufen derzeit. Bis jetzt hat UNHCR 600 Familienzelte aufgestellt, die seit gestern Abend bereits rund 700 Betroffene vorübergehend beherbergen. Zudem hat UNHCR chemische Toiletten und Stationen zum Händewaschen aufgestellt und ist vorbereitet, bei Bedarf weitere Wasserversorgungs-, Hygiene- und Sanitäreinrichtungen zur Verfügung zu stellen.

Um der Ausbreitung von Covid-19 vorzubeugen, werden die Asylsuchenden von den nationalen Gesundheitsbehörden auf das Virus getestet, bevor sie die neue Einrichtung betreten.

UNHCR unterstützt zudem die nationalen Gesundheitsbehörden bei der Einrichtung eines provisorischen, ebenfalls aus Zelten bestehenden, medizinischen Bereiches gemäß den Richtlinien der WHO , die als Isolationsbereich verwendet werden können. 20 Personen, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, befinden sich derzeit in dem bereits funktionsfertigen Bereich in Quarantäne.

Seit letzter Woche stellt die griechische Armee Essen und Wasser für die Asylsuchenden zur Verfügung, auch in dem neu errichteten Übergangslager. Um diese Bemühungen zu unterstützen hat UNHCR mehr als 6.000 Pakete mit Trockennahrung nach Lesbos geliefert. Auf Bitten der nationalen Behörden und mit Hilfe der Europäischen Kommission hat UNHCR auch einen einmaligen Notzuschuss in Höhe von 50 Prozent der regulären monatlichen Unterstützung in bar ausbezahlt, damit die Betroffenen ihren dringendsten Bedarf decken können.

In Kooperation mit Partnern verteilt UNHCR zudem grundlegende Bedarfsgüter, darunter Decken, Schlafsäcke, Matratzen, Wasserkanister und Hygieneartikel, um die essentiellen Bedürfnisse von bis zu 12.000 Menschen zu decken.

Teams von UNHCR und nationale Partner aus dem humanitären Sektor setzen zudem ihre Bemühungen fort, besonders vulnerable Asylsuchende wie Familien mit kleinen Kindern und alleinstehende Frauen ausfindig zu machen, zu unterstützen und sie über das neue Übergangsquartier zu informieren. Rund 50 Frauen und Opfer geschlechterspezifischer Gewalt wurden bereits in eine sichere Unterkunft auf der Insel transferiert.

Sobald sichergestellt ist, dass besonders vulnerable Personen Sicherheit in den Notunterkünften gefunden haben, sollten für jene Personen, die berechtigt sind, die Inseln zu verlassen, rasch Transfers in geeignete Unterkünfte auf dem Festland organisiert werden.

Die Mithilfe beim Aufbau und Betrieb der vorübergehenden Notunterkunft ist eine Nothilfemaßnahme, um sofort Unterkunft und Schutz für Asylsuchende zur Verfügung stellen zu können, die sonst die siebte Nacht im Freien, auf Feldern, in Hainen oder auf Parkplätzen verbringen müssten.

UNHCR setzt sich für langfristige, solidarische Lösungen auf europäischer Ebene ein. Überfüllte Aufnahmezentren auf Lesbos und anderen Ägäis-Inseln müssen entlastet und die humanitären Bedingungen dort verbessert werden.

Die Europäische Kommission hat angekündigt, dass sie ihren neuen Vorschlag zu einem Asyl- und Migrationspakt der EU-Mitgliedstaaten bereits am 23. September vorlegen wird – auch als Reaktion auf die jüngsten Ereignisse auf Lesbos und der gebotenen Dringlichkeit hinsichtlich einer gemeinsamen europäischen Herangehensweise.

UNHCR betrachtet den bevorstehenden Asyl-und Migrationspakt als einen potentiellen Neustart für die EU und ihre Mitgliedstaaten, um Flüchtlinge besser zu schützen und ein besser funktionierendes europäisches Asylsystem zu gewährleisten. Dieses sollte auf fairen und effizienten Asylverfahren, Solidarität und geteilter Verantwortung unter den Mitgliedstaaten basieren. Es bleibt zu hoffen, dass diese Chance genutzt wird.