Moria: UNHCR warnt vor weiterer Not durch nahenden Winter

Es braucht rasche und entschlossene Massnahmen, um eine weitere Verschlechterung der Lebensbedingungen im Camp zu verhindern und die Unterkünfte auf den Wintereinbruch vorzubereiten.

Flüchtlinge und Migranten in der Notunterkunft Kara Tepe auf der Insel Lesbos, Griechenland. © UNHCR/Marios Andriotis-Konstantios

Vier Wochen nach Zerstörung des Flüchtlingscamps Moria auf Lesbos erneuert die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR seine Forderung nach raschen und entschlossenen Massnahmen, um eine weitere Verschlechterung der Lebensbedingungen in dem Camp zu verhindern. In der Notunterkunft Kara Tepe seien 7800 Flüchtlinge und Asylbewerber von den sich verschlechternden Wetterbedingungen betroffen.

Kälteres Wetter und der nahe Wintereinbruch werden nur noch mehr Not für die Menschen dort bringen. Es gibt kritische Lücken in der Entwässerung, Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Hygiene und Gesundheitsversorgung, die unverzüglich angegangen werden müssen.

Heftige Regenfälle am 8. Oktober haben die Situation für die Bewohner der Notunterkunft noch verschärft. Einige mussten zusehen, wie ihre Zelte überschwemmt wurden. UNHCR beobachtet die Situation und versucht, den Menschen mit Planen zu helfen. Die Flüchtlinge selbst fanden Zwischenlösungen, wie das Ausheben von Wasserkanälen und Gräben um ihre Zelte herum, um Überschwemmungen zu verhindern, da es an einer angemessenen Entwässerung des gesamten Geländes fehlt.

Moria wurde am 9. September durch Brände verwüstet, die etwa 12 000 Männer, Frauen und Kinder obdachlos machten. Die griechischen Behörden mobilisierten rasch die Armee und humanitäre Partner, um Notunterkünfte zu errichten, und die nationalen Behörden und Hilfsorganisationen, die auf Lesbos tätig sind, haben beträchtliche Anstrengungen unternommen. Die Lebensbedingungen in der Notunterkunft sind jedoch nach wie vor dringend verbesserungsbedürftig.

UNHCR und andere humanitäre Partner haben die griechischen Behörden auf Sicherheitsrisiken und Gefahren in Kara Tepe aufmerksam gemacht, die sofortiges Handeln erfordern. Das Gebiet ist anfällig für Überschwemmungen und das Camp ist nicht gegen die Kälte und die Kraft der Elemente gewappnet.

Auf Ersuchen der griechischen Behörden liefert UNHCR Kies, um das Risiko von Überschwemmungen in Zelten und Gemeinschaftsbereichen zu verringern. Da das Wetter immer kälter und feuchter wird, stellen wir Isoliersätze, Fußböden mit Paletten und Sperrholzplatten für Familienzelte zur Verfügung.

Dabei handelt es sich jedoch nur um kurzfristige Massnahmen, die nicht als angemessen oder ausreichend angesehen werden können, um den Winter zu überstehen. Wir haben den Behörden gegenüber betont, dass grosse Anstrengungen erforderlich sind, unter anderem um umgehend für eine ordnungsgemässe Entwässerung des gesamten Geländes zu sorgen und bessere Unterkünfte für die am stärksten gefährdeten Menschen und ihre Familien zu schaffen. Gleichzeitig fordern wir weiterhin mehr Transporte auf das Festland in geeignete Unterkünfte.

Angesichts der einsetzenden Regenfälle und des rauen Wetters drängt UNHCR auf sofortige Massnahmen auf allen griechischen Inseln der Ägäis. Auf Samos, wo nach wie vor fast 4.500 Menschen unter unzulänglichen und überfüllten Bedingungen leben, schlafen die meisten in Sommerzelten oder behelfsmäßigen Unterkünften in den Wäldern, außerhalb des Aufnahmezentrums, das nur 650 Personen aufnehmen kann. Das Leiden dieser Menschen kann durch Maßnahmen gegen die Kälte und mehr Transfers in angemessene Unterkünfte verringert werden.

Die Bemühungen, Menschen auf das Festland zu bringen und so die Inseln zu entlasten, ermutigen UNHCR, weiter für solche Massnahmen einzutreten. In einer Zeit, in der der Bedarf an angemessenen Unterkünften für Asylsuchende in Griechenland gestiegen ist, ist UNHCR besonders besorgt über die angekündigten Pläne zur Schliessung von Einrichtungen auf der Insel Lesbos, in denen Hunderte der schwächsten Familien, Frauen und Kinder untergebracht werden sollen. Dazu gehören das städtische Unterbringungszentrum in Kara Tepe und PIKPA, ein selbstorganisiertes Zentrum. Eine der Gründerinnen dieses Zentrums, die griechische Freiwillige Efi Latsoudi, erhielt 2016 den Nansen-Flüchtlingspreis von UNHCR. Latsoudi hat unermüdlich gearbeitet, um Tausenden von Flüchtlingen zu helfen, die an den griechischen Küsten ankommen, und den Schwächsten einen sicheren Zufluchtsort zu bieten.

Bis umfassendere und menschenwürdige Lösungen gefunden sind, fordert UNHCR die griechischen Behörden auf, dafür zu sorgen, dass solche Initiativen ergriffen werden, um besonders gefährdeten Flüchtlingen Schutz zu bieten und auf ihre besonderen Bedürfnisse einzugehen.