Für die Integration von neuangekommenen Flüchtlingen ist in erster Linie der Aufnahmestaat zuständig. Dabei sind die Staaten – so auch die Schweiz und Liechtenstein – an internationale Vorgaben gebunden. Wichtig ist hier vor allem die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK), die detailliert regelt, welche Rechte ein Flüchtling im Aufenthaltsstaat hat. Ausserdem verpflichtet sie die Vertragsstaaten, die „Eingliederung und Einbürgerung der Flüchtlinge“ soweit wie möglich zu erleichtern (Art. 34 GFK).

Um die Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen zu intensivieren, haben Bund und Kantone im Jahr 2019 die „Integrationsagenda Schweiz“ eingeführt. Die Kantone bauen infolgedessen Integrationsleistungen aus und verstärken bisherige Massnahmen.

 

Was macht UNHCR?

UNHCR setzt sich dafür ein, dass Flüchtlinge und Staatenlose mit Bleiberecht am wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Leben in der Schweiz teilnehmen. Wir sind überzeugt, dass der gleichberechtigte Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen die Grundlage für die Integration in der Schweiz ist.

Wir tun dies unter anderem, indem wir

  • partizipative Ansätze in- und ausserhalb von UNHCR fördern, damit Flüchtlinge mitbestimmen und ihre Zukunft selbstbestimmt in die Hand nehmen können;
  • positive Entwicklungen anregen und verstärken, unter anderem durch
    • die Verbreitung von guten Beispielen
    • die Initierung von Pilotprojekten;
  • uns für (gesetzliche) Rahmenbedingungen einsetzen, die die Integration von Flüchtlingen fördern. Insbesondere empfiehlt UNHCR
    • eine am Flüchtlingsbegriff der Genfer Flüchtlingskonvention orientierte Gewährung von Asyl und die Einführung eines subsidiären Schutzstatus, um Schutzbedürftigen durch einen stabilen Status echte Integrationsperspektiven anzubieten;
    • die Möglichkeit für alle Schutzbedürftigen, mit ihrer Familie in der Schweiz zu leben;
    • eine Integration, die möglichst früh einsetzt. Ein frühzeitiger Spracherwerb sowie der Zugang zu einer Erwerbstätigkeit sind Schlüssel zur Integration;
    • die Abschaffung gesetzlicher und praktischer Hürden für die Integration (Möglichkeit des Kantonswechsels, Einschränkung des administrativen Aufwandes zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, würdevolle Unterbringung, die Zugang zu Bildung und Arbeit faktisch ermöglicht usw.);
    • die Berücksichtigung besonderer Bedürfnisse von Frauen, Kindern, Menschen mit Behinderungen sowie von allen weiteren Personen mit besonderen Bedürfnissen im Integrationsprozess.

Darüber hinaus fördert UNHCR im Rahmen konkreter Projekte partizipative Ansätze und wirkt dadurch auf eine frühzeitige systematische Einbeziehung von Flüchtlingen in den Integrationsprozess hin. 2014 hat das UNHCR Büro für die Schweiz und Liechtenstein in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern eine Studie zur Integration von Flüchtlingen im Arbeitsmarkt veröffentlicht. Die Studie hebt unter anderem die Bedeutung eines frühzeitigen Zugangs zu Sprachkursen, der Anerkennung von Kompetenzen und Qualifikationen und der sozialen Integration hervor. Eine frühzeitige Förderung der Integration schafft Vertrauen, sowohl bei der Aufnahmegesellschaft als auch bei den Schutzbedürftigen, sodass diese schneller Fuss fassen, eine Arbeit finden oder Bildungsangebote wahrnehmen können.

Die Freiwilligenarbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen oder Einzelner kann staatliche Integrationsmassnahmen unterstützen. Jede und jeder kann etwas für die Integration von Flüchtlingen und anderen Schutzbedürftigen tun. Anregungen dazu finden Sie unter Initiativen in der Schweiz und Liechtenstein.

Lesen Sie zu dieser Thematik auch unsere Geschichten „Nähen und Anschluss finden“, „Eritreische Küche am Altdorfer Stammtisch“ und „Der Schlittenbauer aus Sri Lanka“.


 

Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen in der Schweiz

In der Schweiz teilen sich Bund und Kantone die Zuständigkeit im Bereich Integration. Der Bund zahlt den Kantonen für jeden anerkannten Flüchtling und jede vorläufig aufgenommene Person eine einmalige Integrationspauschale. Da die Kantone für die Umsetzung verantwortlich sind, bestimmen deren Integrations- und Sozialhilfegesetze sowie Programmvereinbarungen zwischen Bund und Kantonen über die Ausgestaltung des Integrationsbereichs.

Infolgedessen sind die Zuständigkeiten, das Integrationsangebot und die Betreuung von Kanton zu Kanton unterschiedlich, namentlich individuelle und professionelle Begleitung, Sprachunterricht, Bildungsangebote, Arbeitsmarktintegration und soziale Integration. Durch die Verabschiedung der Integrationsagenda im April 2018 wurde die Verdreifachung der Integrationspauschale des Bundes festgelegt. Dies ermöglicht eine frühzeitige und intensivierte Integrationsförderung von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen. Die Kantone stehen nun in der Pflicht, die Integrationsleistungen auszubauen und bisherige Massnahmen zu verstärken.

UNHCR begrüsst die neue Integrationsagenda, da sie durch eine frühzeitige und intensivierte Integrationsförderung Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen bessere Zukunftsperspektiven ermöglicht.

 


UNHCR Dokumente zur Integration – Schweiz

UNHCR-Stellungnahme

Stellungnahme zur Änderung der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) und zur Totalrevision der Verordnung über die Integration von Ausländerinnen und Ausländern (VIntA)

Studie Arbeitsmarktintegration

Der vorliegende Bericht, der auf einem Projekt mit der Hochschule Luzern basiert, bietet einen Einblick in die Thematik aus der Perspektive der Betroffenen

Fazit und Empfehlungen der Studie Arbeitsmarktintegration

In diesem Dokument finden Sie das Fazit und Empfehlungen, die aus der Studie Arbeitsmarktintegration hervorgegangen sind

Weitere Informationen zur Integration

Integrationsagenda Schweiz

Auf der offiziellen Webseite des SEM finden Sie eine Übersicht mit weiteren Links zur Integrationsagenda Schweiz

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe zur Arbeitsintegration

Lesen Sie auf der offiziellen Webseite der SFH mehr über die Arbeitsintegration von Asylsuchenden, vorläufig aufgenommenen Personen und anerkannten Flüchtlingen in der Schweiz

EKM-Seite zur Integration

Die Eidgenössische Kommission für Migration (EKM) stellt Informationen zum Thema Integration in der Schweiz zur Verfügung

Kantonale Integrationsprogramme

Seit 1. Januar 2014 verfügt jeder Kanton über ein kantonales Integrationsprogramm (KIP), in dem alle Massnahmen der spezifischen Integrationsförderung gebündelt werden

Faktenblatt: Die Integrationsagenda kurz erklärt

In diesem Dokument finden Sie die wichtigsten Ziele und Inhalte der Integrationsagenda kurz erklärt

Beispiel: Integrationsprogramm von Graubünden

Lernen Sie mehr über kantonale Integrationsprogramme anhand des Beispiels vom Kanton Graubünden