Zahlreiche Tote bei jüngstem Schiffsunglück im Mittelmeer

Ein Boot mit bis zu 100 Schutzsuchenden ist vor der libyschen Küste gesunken. 65 Menschen wurden gerettet, 40 sind sehr wahrscheinlich ertrunken.

In diesem Jahr sind bereits 850 Menschen im Mittelmeer ertrunken. © UNHCR/Markel Redondo

Bei der jüngsten Bootskatastrophe im Mittelmeer, vor der Küste Libyens, sind schätzungsweise mindestens 40 Menschen ertrunken. Aufgrund dieses schockierenden Vorfalls erneuert UNHCR, das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen, seinen dringenden Aufruf unverzüglich Maßnahmen zur Rettung von Menschenleben zu ergreifen.

In der Küstenstadt Al-Chums, rund 100 Kilometer östlich von Tripolis, wurden rund 60 Überlebende gerettet und an Land gebracht. Eine Rettungsaktion, die von der libyschen Küstenwache und einem lokalen Fischer durchgeführt wird, ist seit Dienstagmorgen im Gange und wird fortgesetzt.

„Wir dürfen diese Tragödien nicht einfach als unvermeidlich hinnehmen“, sagte Vincent Cochetel, Sonderbeauftragter des UNHCR für das zentrale Mittelmeer. „Sympathien müssen jetzt zu Handlungen werden, die den Verlust von Menschenleben auf See verhindern. Die Menschen dürfen nicht die Hoffnung verlieren, denn das führt dazu, dass sie ihr Leben riskieren.“

Die Teams von UNHCR leisten medizinische und humanitäre Hilfe für die Überlebenden. Dieser jüngste Vorfall folgt nur wenige Wochen auf einen Schiffbruch, bei dem schätzungsweise 150 Menschen ums Leben gekommen sind – dem schlimmsten Bootsunglück im Mittelmeer in diesem Jahr.

Nach der heutigen Tragödie haben insgesamt schätzungsweise 900 Menschen bei dem Versuch, das Mittelmeer 2019 zu überqueren, ihr Leben verloren.

UNHCR fordert erneute Anstrengungen, um den Verlust von Menschenleben auf See zu verhindern, einschließlich des Einsatzes von EU-Such- und Rettungsschiffen. Rechtliche und logistische Beschränkungen für Such- und Rettungseinsätze von Nichtregierungsorganisationen auf See und in der Luft sollten aufgehoben werden. Die Küstenstaaten sollten die Bemühungen der Freiwilligen zur Verringerung der Zahl der Todesfälle auf See erleichtern und nicht behindern.

Diese Maßnahmen sollten Hand in Hand gehen mit einer zunehmenden Evakuierung und mehr Resettlement-Aufnahmeplätzen in Drittstaaten, um die Flüchtlinge in Libyen außer Gefahr zu bringen.

Dieser Vorfall ereignet sich am selben Tag, als die stellvertretende Hochkommissarin für Flüchtlinge, Kelly Clements, Libyen besuchte, um sich einen Eindruck von der sich verschärfenden humanitären Situation in Libyen zu verschaffen.

Clements forderte eine verstärkte Unterstützung der von der anhaltenden Gewalt betroffenen Menschen, einschließlich von Flüchtlingen und Migranten. Sie bekräftigte die Forderung von UNHCR nach einem Ende der willkürlichen Inhaftierung von Personen, die auf See gerettet und nach Libyen zurückgebracht wurden. Sie bekräftigte zudem die Bereitschaft von UNHCR, mit den libyschen Behörden zusammenzuarbeiten, um Alternativen für mehr als 4.800 Flüchtlinge und Migranten zu schaffen, die sich derzeit in Haftlagern befinden.