Griechenland: Update zur Lage in Lesbos nach den Bränden in Moria

UNHCR befürwortet vorübergehende Lösungen zur Unterbringung, warnt jedoch davor, dass diese langfristig nicht angemessen sind.

Afghanische Flüchtlinge an einem provisorischen Ort, der von griechischen Behörden und UNHCR eingerichtet wurde, um einige der Tausenden zu beherbergen, die vor dem Brand des Aufnahmezentrums in Moria (Lesbos, Griechenland) geflohen sind. © UNHCR/UNHCR

In Griechenland werden die Anstrengungen fortgesetzt, Unterkünfte für jene Asylsuchende zu errichten, die durch das Feuer im Aufnahme- und Identifikationszentrum Moria obdachlos geworden sind. Brände haben das Aufnahmezentrum in der vergangenen Woche fast vollständig zerstört.

Knapp 5.000 Menschen werden derzeit in neuen Notunterkünften in Kara Tepe untergebracht, die für etwa 8.000 Menschen ausgelegt sind. Die Arbeiten dauern derzeit noch an. Für den Aufbau sind die griechischen Behörden – die die humanitäre Hilfe koordinieren –  mit Unterstützung von UNHCR und anderen Organisationen verantwortlich.

Ein Polizeieinsatz, der am 17. September begonnen hat, ist noch im Gange, um Asylsuchende an den neuen Standort zu bringen. Soweit uns bekannt ist, verläuft dieser Einsatz bisher weitgehend reibungslos und ohne Gewalt.

Vor dem Betreten der Einrichtung werden alle neuen Bewohner*innen einem COVID-19-Schnelltest unterzogen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Nach heutigem Stand (18. September) gibt es etwa 150 bestätigte positive Fälle. Alle betroffenen Personen wurden medizinisch versorgt und befinden sich in einem Quarantänebereich innerhalb der neuen Einrichtung.

Unsere Mitarbeiter*innen vor Ort helfen bei der Planung und Organisation des Geländes, um die Zuweisung von Unterkünften, die Bereitstellung von Informationen sowie die Verteilung von Hilfsgütern an alle, die das Gelände betreten, zu erleichtern. Betroffene Flüchtlinge sind nach mehreren Tagen auf der Straße erleichtert, grundlegende Hilfe in Anspruch nehmen zu können, gleichzeitig jedoch erschöpft und besorgt über die Zukunft.

Dieser neue Standort fungiert derzeit als Notunterkunft, der den unmittelbaren und dringenden Bedarf an Unterbringung, Nahrungsmitteln, Wasser, sanitären Einrichtungen und medizinischer Versorgung der von den Bränden in Moria betroffenen Menschen decken soll. UNHCR befürwortet die Nutzung als vorübergehende Lösung, warnt jedoch davor, dass die Unterbringungsmöglichkeiten und Hilfeleistungen, die in der Notsituation Abhilfe schaffen, langfristig nicht angemessen sind. Die griechischen Behörden müssen die künftige Nutzung der Einrichtung noch klären.

Wir sind bereit, Diskussionen über mögliche langfristige Lösungen zu unterstützen, einschließlich der Fortsetzung sicherer und geordneter Transfers auf das Festland sowie von der EU unterstützte Relocation.

UNHCR begrüßt die angekündigte Entscheidung des Ministers für Migration und Asyl, Notis Mitarachis, alle auf den Inseln befindlichen unbegleiteten Kinder (etwa 400) in eine angemessene Unterkunft mit Betreuung auf das Festland zu bringen, die von UNHCR und IOM unterstützt wird.

Wir hoffen auch, dass der bevorstehende Pakt der Europäischen Kommission zu Migration und Asyl eine Gelegenheit für die EU und ihre Mitgliedstaaten sein wird, diese Fragen anzugehen und mehr Unterstützung, Solidarität und Verantwortungsteilung mit Ländern wie Griechenland zu gewährleisten, die vor außergewöhnlichen Herausforderungen stehen.

Nach einer Reihe von Festnahmen von Verdächtigen im Zusammenhang mit den Bränden in Moria fordern wir die Menschen dazu auf, von Spekulationen abzusehen und rechtliche Verfahren zur Klärung abzuwarten. Es ist unangemessen, Gemeinschaften und Gruppen auf der Grundlage angeblicher Handlungen einzelner Personen zu stigmatisieren. Wir hoffen, dass eine rechtliche Untersuchung dazu beitragen wird, die Umstände dieses Vorfalls zu klären.