Auswirkungen von COVID-19: Mehr Unterstützung für höhere Bildung für Flüchtlinge nötig

Nur drei Prozent der Flüchtlinge haben Zugang zu höherer Bildung. Mobile Endgeräte sowie Internetverbindungen sind in der Fernlehre für viele oft nicht zugänglich.

Salam AlHariri, 26, ist aus Syrien geflüchtet und Apothekerin in Jordanien. Dank eines DAFI-Stipendiums machte sie einen Abschluss an der Universität von Jordanien und absolviert seither noch eine Ausbildung in einer lokalen Apotheke in Amman. © UNHCR

Nur drei Prozent der Flüchtlinge haben Zugang zu höherer Bildung. UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, fordert daher, dass Regierungen und Geldgeber bei der Überbrückung kritischer Lücken helfen, indem Flüchtlingsstudenten in die nationalen Bildungssysteme einbezogen werden und tertiäre Bildungsprogramme fortgeführt sowie mehr Plätze für Flüchtlinge bereitgestellt werden.

Die COVID-19-Pandemie war hart für Studenten und insbesondere für Flüchtlinge, von denen viele – 85 Prozent – in Entwicklungsländern oder sehr armen Ländern leben. Da einige auch von Schulschließungen betroffen sind, ist das Lernen aus der Ferne nicht immer möglich. Selbst wenn dies der Fall ist, sind Mobiltelefone, Tablets, Laptops, Fernseh- und Radiogeräte sowie Internetverbindungen für die Menschen oft nicht zugänglich.

Die sozioökonomischen Folgen der Pandemie schränken nicht nur die Möglichkeiten zum Lernen ein, sondern können vertriebene und mittellose Schüler dazu zwingen, die Schule abzubrechen, um Geld zu verdienen. Auch betteln und frühe Heirat sind negative Dynamiken, derer sich junge Flüchtlinge bedienen, um ihre Familien zu unterstützen.

UNHCR ist auch besorgt, dass wenn die Unterstützung nicht schnell aufgestockt wird, eine der Folgen des globalen Gesundheitsnotstands die Umkehrung einiger der hart erkämpften Errungenschaften in der Flüchtlingsbildung sein wird. Das schließt die mühsam erkämpften Einschreibungsraten im tertiären Bildungsbereich (Hochschulbildung) für Flüchtlinge ein.

Im Jahr 2017 war nur ein Prozent der Flüchtlinge in der Hochschulbildung eingeschrieben. Seit Ende 2018 ist diese Zahl auf drei Prozent gestiegen, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die Staaten, Bildungseinrichtungen und Partnerorganisationen die Bedeutung der Hochschulbildung für Flüchtlinge stärker anerkennen.

2019 war auch ein Rekordjahr für das Hochschulstipendienprogramm von UNHCR, das als DAFI-Programm (Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein) bekannt ist und weitgehend von der deutschen Regierung, gemeinsam mit der dänischen Regierung als neuem Partner finanziert wird.

Das Programm zielt auf die Unterstützung nationaler Bildungssysteme ab und räumt der Einschreibung von Flüchtlingen an öffentlichen Hochschuleinrichtungen Vorrang ein. Die Stipendien werden den Flüchtlingen im Rahmen eines wettbewerbsorientierten Auswahlverfahrens gewährt und decken Studiengebühren und andere damit verbundene Kosten ab.

Angesichts des wachsenden Bedarf von Flüchtlingen auf der ganzen Welt und der starken Reaktion von Regierungen und Partnern auf die Notwendigkeit, die Ausbildung von Flüchtlingen zu verbessern, belief sich die Zahl der Flüchtlingsstudenten, die Ende 2019 über dieses Programm eingeschrieben waren, auf 8.347 in 54 Ländern.

Dies ist ein Rekordwert seit der Einführung des Programms vor fast drei Jahrzehnten und ein Anstieg um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr oder 1.481 zusätzliche Stipendien. Diese Ausweitung wurde durch eine erhöhte Finanzierung ermöglicht.

Im Jahr 2019 kamen die DAFI-Stipendiaten aus 45 Ländern, wobei syrische Flüchtlingsstudierende die größte Gruppe (29 Prozent) bildeten, gefolgt von Flüchtlingsstudierenden aus Afghanistan (14 Prozent), Südsudan (14 Prozent), Somalia (10 Prozent) und der Demokratischen Republik Kongo (6 Prozent).

Die fünf Länder mit den meisten Studierenden im DAFI-Progeamm waren Äthiopien, die Türkei, Jordanien, Kenia und Pakistan, was ebenfalls die globalen Flüchtlingsbewegungen widerspiegelt.

Bei den Flüchtlingen, die in das Programm aufgenommen wurden, waren die Hauptstudienfächer Medizin und gesundheitsbezogene Bereiche, gefolgt von Handel und Betriebswirtschaft, Sozial- und Verhaltenswissenschaften, Ingenieurwesen und Mathematik sowie Informatik.

Diese und weitere Daten über die Einschreibung von Flüchtlingen im Tertiärbereich werden in dem gestern veröffentlichten UNHCR-Bericht „Refugee Students in Higher Education“ hervorgehoben.

Mehr globale Unterstützung für die Bildung, auch auf der tertiären Ebene, war ein Hauptziel des Globalen Flüchtlingsforums, das im Dezember letzten Jahres stattfand.

Um die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie abzufedern, ruft UNHCR Regierungen, den Privatsektor, die Zivilgesellschaft und andere Schlüsselakteure dazu auf, die Integration von Flüchtlingen und den Zugang zu nationalen Bildungssystemen in Flüchtlingsaufnahmeländern zu stärken und zu verbessern und die Bildungsfinanzierung zu sichern. Ohne ein solches Vorgehen wird die Zukunft unzähliger junger Flüchtlinge gefährdet sein.