Student. Sohn. Fußballspieler.

„Sprache ist der Schlüssel zu einer Gesellschaft.“

Abdi, 21 Jahre alt: „Vor zwei Jahren musste ich meine Familie und meine Heimat verlassen. Damals war ich 18 Jahre alt. Ich komme aus einem kleinen Dorf in Somalia und bin über 10.000 Kilometer bis nach Österreich geflüchtet. Manchmal sogar zu Fuß. Ich war alleine unterwegs und niemand hat mir geholfen.

Mein Traum ist es, eines Tages Politiker zu werden. Ich habe bereits zwei Prüfungen an der Universität Wien gemacht und lerne gerade für die nächste. Ab 2016 möchte ich an der Fachhochschule Wien Wirtschaftsingenieurwesen studieren. In Somalia habe ich bereits meinen Schulabschluss gemacht. Ich kann mich sogar erinnern, dass ich in der Schule in Somalia etwas über Österreich und die Habsburger gelernt habe. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals in diesem Land leben würde.

Im Vergleich zu meiner Heimat ist hier vieles anders, fast wie in einer anderen Welt. Die Traditionen, das Klima, die Kultur, das Essen. Hier in Österreich habe ich auch zum ersten Mal in meinem Leben Schnee gesehen. Ich versuche mich zu integrieren und die Sprache zu lernen, damit ich die Leute besser verstehe. Sprache ist der Schlüssel zu einer Gesellschaft. Zukünftig möchte ich anderen somalischen Flüchtlingen helfen deutsch zu lernen. Ich schreibe auch gerade ein Buch, es heißt ‚Entweder du stirbst oder du findest ein besseres Leben‘.“

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Abdi erreichte Europa mit einem Schlauchboot. Mit ihm waren rund achtzig weitere Personen auf dem Boot, nach zwei Tagen hatten sie kein Wasser und kein Brot mehr. Nach fünf Tagen wurden sie von der italienischen Küstenwache gerettet. Abdi schaffte es schließlich nach Österreich. Als er am Bahnhof ankam, fragte er die Menschen, wo er sei, und sie antworteten: „In Österreich, in Wien am Westbahnhof.“

Abdis Familie lebt als Nomaden in Nordsomalia, sie sind vor dem Krieg im Süden geflohen. Er hat fünf Geschwister und ist der Älteste. Die Jüngste, seine kleine Schwester, ist erst zwölf Jahre alt. Abdi hat jetzt endlich wieder Kontakt zu seiner Familie, es hat über ein Jahr gedauert, bis er sie ausfindig machen und anrufen konnte. Seine Familie wusste bis zu diesem Tag nicht, ob er die Flucht überlebt hatte.

Abdi lebt in einer Wohngemeinschaft mit zwei chinesischen Musikstudenten und spielt seit Kurzem in einem Fußballverein. Er ist gerade auf der Suche nach einem Job und hat sich als Tellerwäscher bei einem Restaurant beworben, aber die Stelle leider nicht bekommen. Im Sommer würde er gerne mit dem Bus nach Kreta fahren. Er strahlt, wenn er von der griechischen Mittelmeerinsel spricht.

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Somalia ist durch den jahrelangen Bürgerkrieg, Hungersnöte und Terroranschläge schwer gezeichnet. Über eine Million Menschen mussten in den letzten Jahren vor den Kämpfen fliehen, Tausende suchen im Norden Somalias oder in den Nachbarländern Eritrea, Äthiopien und Dschibuti Zuflucht. Die wenigsten schaffen es bis Europa.

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