Lehrerin. Ehefrau. Mutter.

„Ich bin dankbar, dass wir in der Schweiz in Sicherheit leben können.“

Areej, 40 Jahre alt: „In Damaskus habe ich in einer Grundschule die 5. Klasse unterrichtet. Meine eigenen Kinder waren schon Teenager, 14 und 16 Jahre. Ihre guten schulische Leistungen, Karate-Training und Musikunterricht in Gitarre und Klarinette gehörten zum Alltag wie gemeinsames Abendessen mit der Familie, wo man die kleinen und großen Ereignisse des Tages besprach. Über Politik redeten wir nicht mit den Kindern, sie sollten tolerant und unbeeinflusst aufwachsen. Wir waren nicht reich, aber materielle Entbehrungen kannten wir auch nicht. Wir liebten unser Leben in Syrien.

Wir hatten gerade den Abschluss der áufwendigen Renovierungsarbeiten unserer großen Wohnung in der Altstadt von Damaskus gefeiert. Die Kinder waren begeistert, denn jedes Kind hatte ein eigenes Zimmer und konnte es ganz nach persönlichem Geschmack einrichten und dekorieren. Die Wohnung sollte den Grundstein legen für die Zukunft der Kinder. Jeden Morgen genoss ich den Blick auf die Hügel und Cafés voller Menschen, die sich bei Shisha und Tee entspannten. Dies alles in Windeseile zurückzulassen, fiel sehr schwer.

Ich bin dankbar, dass unsere Familie vollständig ist und wir in der Schweiz in Sicherheit leben können. Wir haben alle Französisch gelernt und auch wenn es den Kindern manchmal zu schaffen macht, dass sie nicht immer mit ihren Mitschülern mithalten können, gehen sie gerne in die Schule und besuchen mit einem Stipendium die Musikschule. Sie können das Fundament, das wir für die Kinder in Syrien gelegt haben, in der Schweiz weiter ausbauen.“

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Areej lebt mit ihrer Familie im Kanton Genf. Als ihr Mann während einer Geschäftsreise in der Schweiz von seinen Nachbarn erfuhr, dass der Geheimdienst nach ihm zu Hause und in der Moschee gesucht hatte, rief er sofort seine Frau an und forderte sie auf, die Wohnung schnellstens zu verlassen und mit den Kindern in den Libanon zu fliehen. Sie wird diesen Tag im September 2012 nie vergessen. In Beirut ersuchten sie auf der Schweizer Botschaft Asyl. Sie gehörten zu den letzten Menschen, die Botschaftsasyl in Anspruch nehmen konnten.

Einige Familienangehörige blieben in Syrien zurück. Ihre Wohnung wird seit Jahren von Regierungstreuen besetzt. Bei der Suche nach Arbeit hatte sie bisher noch keinen Erfolg. Um die Chancen bei der Arbeitssuche zu erhöhen, könnte sie ihr Kopftuch ablegen. Dies würde für sie aber bedeuten, einen Teil ihrer Identität aufzugeben.

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Der blutige Bürgerkrieg in Syrien hat fast die Hälfte der Bevölkerung in die Flucht getrieben. Wer es über die Grenze schafft, gehört zu den mehr als vier Millionen Flüchtlingen, die in den Nachbarnländern Syriens registriert wurden.

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