Friederike Kempter

lernt Basil kennen, einen Schüler, Sohn und Clown.

Friederike Kempter war für die Reportagereihe „7 Tage“ (NDR Fernsehen) im Flüchtlingslager Zaatari. In diesem Zusammenhang hat sie Basil kennengelernt.

By Friederike Kempter

Das Leben seiner Jugend gibt es nicht mehr. Es ist ausgelöscht. Das gesamte Stadtviertel in Syriens Hauptstadt Damaskus, in dem Basil augewachsen ist, wurde im Bürgerkrieg komplett zerstört. Die meisten Menschen, die das frühere Leben des heute 16-Jährigen prägten, sind entweder tot oder als Flüchtlinge in alle Welt zerstreut. Das Schlimmste sei, sagt Basil, die bohrende Ungewissheit über das Schicksal der vielen Verschollenen. Zu denen gehört auch Basils Vater. Seit mehr als drei Jahren hat er ihn nicht mehr gesehen, er gilt als vermisst in den Wirren des Bürgerkriegs. Die Mutter hat bereits wieder geheiratet, lebt jetzt mit ihrem neuen Mann in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Für ihre Kinder ist dort kein Platz.

Doch Basil wurde aufgefangen im Verbund der Familie. Mit seinem kleinen Bruder lebt er seit gut zwei Jahren bei einem Onkel im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari, in dem kleinen Container der Familie schlafen Nacht für Nacht acht Menschen. Mehr als 80.000 SyrerInnen sind in Zaatari gestrandet, in dieser auf den ersten Blick trostlosen Zelt- und Containerstadt inmitten einer Geröllwüste unweit der syrischen Grenze. Doch die Menschen hier haben sich nicht aufgegeben. Viele blicken nach vorne, versuchen das Beste aus ihrer Situation zu machen.

IMG_2063

Basil

basel

P1190298

P1190101

Was dem Onkel Sorgen macht: Momentan geht Basil nicht mehr zur Schule. „Zuviel Gewalt dort“, sagt er. „Gerade auch unter den Schülern.“ Fast alle der Menschen hier im Camp hätten Unvorstellbares mitgemacht, sagt Basil. Und viele von ihnen seien ZeugInnen grauenhafter Taten geworden. Das hinterlasse Spuren, vor allem bei den Kindern. Über seine eigenen Kriegserlebnisse möchte er nicht sprechen. Kommt das Thema auf, schaut Basil zu Boden, er möchte keine Gefühle zeigen. Dann blickt er auf und verzieht sein Gesicht plötzlich zu einer komischen Grimasse. Er lacht. „Darüber ständig nachzudenken, bringt doch nichts. Die Seelen aller Menschen hier sind verwundet. Ich glaube, Lachen hilft da am ehesten.“

Sein ansteckendes Lachen hat Basil hier im Lager schon zu einer kleinen Berühmtheit gemacht, zumindest bei den Kindern. Und die stellen im Lager die Mehrheit. Basil ist engagiert in einer kleinen Theatergruppe, am Liebsten spielen sie klamaukige Sketche. „Ich will später Clown werden“, sagt Basil – und schon wieder verzieht er sein Gesicht zu einer Grimasse. Die vielen umstehenden Kinder verfallen in lautes Gelächter.

Ein schöner Moment unbefangener Heiterkeit – und ein klein wenig Balsam auf den verwundeten Seelen der Kinder von Zaatari.

Flüchtlinge sind Menschen wie Du und ich, die schwierige Zeiten erleben. Teile ihre Geschichten.

Pin It on Pinterest

X