Schüler. Bruder. Poet.

„Ich habe meine Heimat wegen des Krieges verlassen.“

Hany, 21 Jahre alt: „Vor zwei Jahren kam ich aufgrund des Krieges in meinem Heimatland mit meiner Familie in den Libanon. Alles, was ich aus Syrien mitnahm, war mein Schulabschlusszeugnis und Erinnerungen an glückliche und lustige Zeiten, Freunde, an unser warmes Haus, meine Kindheit und meine Schulzeit.

Ich vermisse die Ausflüge mit meinen Freunden, das Lächeln meiner Mutter am Morgen, meinen Freund, der immer 15 Minuten auf mich gewartet hat, damit wir gemeinsam zur Schule gehen konnten. Ich vermisse es, ein neues Gedicht zu schreiben oder zu sparen, um ein neues Buch kaufen zu können. Ich brachte Erinnerungen von mir selbst mit, von Hany, einem ehrgeizigen Jungen, der so nahe dran war, seine Träume zu verwirklichen, bevor sie durch den Krieg abrupt geplatzt sind.

Wenn du nur sehen könntest, was sich in meinem Kopf abspielt. Du würdest einen Schriftsteller finden, der am fünften Entwurf seiner Vergangenheit schreibt, einem Buch mit dem Titel „Hoffnung“. Vielleicht würdest du eine Version von mir sehen, die zum Ticken einer Uhr tanzt, einem Geräusch, das einer Folter gleichkommt, wenn man die Musik von Fayrouz oder Frank Sinatra gewöhnt ist. Du wirst ein Schachbrett vorfinden, dessen Figuren aus Langeweile gestorben sind. Dort wirst du mich finden.“

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Ashraf

Selfie

Hany ist 21 Jahre alt und ein Flüchtling im Bekaa Tal im Libanon. Vor dem Krieg lebte Hany für den Moment. Er war ein Rapper, der mit einer Schulband auftrat und davon träumte, an die Universität zu gehen. In einem ruhigen Bezirk von Homs, in einem Haus, welches sein Vater gebaut hatte, schaute er oft lange auf den Baum vor seinem Fenster und schrieb Gedichte.

Sein Bruder Ashraf wurde an jenem Tag geboren, an dem der Konflikt in Syrien begann, am 11. März 2011. Nur 20 Tage später erreichte die Gewalt ihre Nachbarschaft. Die Bomben fielen und ihre Fenster klirrten. „Für eineinhalb Jahre schlossen wir uns ein“, erzählt Hanys Mutter. „Wir drängten uns in einem Raum zusammen und schliefen dort, aßen dort.“ Sie blieben, bis der Horror auch ihre Familie erreichte. Eine Tante, ein Onkel und ein Cousin wurden in ihren Häusern ermordet, ihre Kehlen durchgeschnitten. Das war der Auslöser für ihre Flucht.

Nachdem die Familie geflohen war, wurde ihr Haus geplündert und niedergebrannt. Hany brachte nur sein Schulabschlusszeugnis und seine Transkripte mit. „Sie sind mein Leben, meine Zukunft. Ich hab alles in Syrien zurückgelassen, aber sie nicht.“ Hany schreibt wieder Gedichte, um gegen die Monotonie zu kämpfen. „Ich schreibe, um meine Gefühle auszudrücken“, sagt er.

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Der blutige Bürgerkrieg in Syrien hat fast die Hälfte der Bevölkerung in die Flucht getrieben. Mehr als vier Millionen Flüchtlinge wurden in der Region registriert.

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