Verkäufer. Kalligraph. Stadtwanderer.

„Ich bin sehr offen und kommuniziere gerne mit anderen Menschen.“

Hossein, 24 Jahre alt: „Ich möchte vor allem als Mensch wahrgenommen werden und mich über mich selbst definieren, nicht über meine Herkunft oder darüber, dass ich ein Flüchtling bin. Stell dir vor, wir würden alle auf einem anderen Planeten landen, wir würden ja auch nicht sagen, ich bin aus Afghanistan oder aus Wien oder aus Somalia, sondern: Wir sind Menschen und kommen von der Erde.

Ich liebe es, mit Menschen zu kommunizieren und das passt auch gut zu meiner Arbeit. Ich arbeite bei einer Telekommunikationsfirma im Verkauf und bereite mich gerade auf meine Lehrabschlussprüfung vor. Das ist eine große Herausforderung für mich, drei Jahre meines Lebens habe ich auf diesen Zeitpunkt hingearbeitet.

Momentan habe ich nicht so viel Zeit für mein Hobby, die Kalligrafie. Dafür braucht man auch sehr viel Konzentration und Genauigkeit, da darf man keine anderen Dinge im Kopf haben. Die Grundlagen der Kalligrafie habe ich von meinem Vater in Afghanistan gelernt, danach habe ich selbst viel geübt. Momentan mache ich am liebsten künstlerische Arbeiten, gerade entwerfe ich ein Logo zum Thema Musik für eine Freundin, aber das ist noch eine Überraschung.

Ich versuche auch regelmäßig Sport zu machen, meistens Fitness. Und ich gehe gerne. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich nicht gerne auf den Bus oder die Bahn warte, aber ich gehe auch wirklich sehr gern. In vielen Bezirken Wiens kenne ich mich dadurch ziemlich gut aus, statt den Bus zu nehmen gehe ich auch gern einmal eine Stunde bis nach Hause. Auch mit Freunden bin ich gern in der Stadt zu Fuß unterwegs.“

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Eine Kalligraphie von Hossein

Hossein ist 2008 vor der Gewalt in Afghanistan als 17-jähriger nach Österreich geflüchtet, nach einem Jahr hat er subsidiären Schutz bekommen. Das bedeutet, dass er in Österreich legal leben und arbeiten kann, allerdings hat er mit diesem Status nicht die gleichen Rechte wie ein anerkannten Flüchtling. Am Anfang war er sehr nervös, weil dieser Status nur für ein Jahr bzw. später für jeweils zwei Jahre verlängert wird. Trotzdem hat er beschlossen, das Beste aus seiner Situation zu machen und begonnen, sich einen Job zu suchen. Er hat unzählige Bewerbungen geschrieben und abgeschickt. Schließlich hat er einen Job in einem bekannten Wiener Restaurant als Hilfskoch gefunden. „Ich habe dort einfach an die Tür geklopft und gewusst, ich hab nur drei Minuten Zeit, um zu überzeugen. Glücklicherweise hat es geklappt“, sagt er. Nach einiger Zeit hat er auch eine Lehrstelle gefunden und nun die ersten beiden Lehrjahre bereits mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen.

In seiner Freizeit engagiert sich Hossein auch ehrenamtlich beim Verein „Neuer Start“ für junge afghanische Flüchtlinge, um sie bei den ersten Schritten in der neuen Heimat zu unterstützen. Auch für UNHCR engagiert sich Hossein immer wieder, er hat sogar schon an einer Pressekonferenz teilgenommen.

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Afghanistan hat jahrelang die traurige Liste der Länder angeführt, aus denen Menschen vor Gewalt und Krieg flüchten müssen. Wie Hossein sind in den vergangenen Jahren viele minderjährige afghanische Jungen nach Österreich gekommen und haben hier Sicherheit gefunden.

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