Schülerin. Tochter. Bücherwurm.

„Vor dem Krieg war mein Traum, zu studieren und Ärztin zu werden.“

Nergez, 18 Jahre alt: „Ich bin vor einigen Wochen über den Libanon nach Österreich gekommen. Mein Vater war schon seit einem Jahr hier und nun konnten auch meine Mutter, meine drei Geschwister und ich nachkommen. In Syrien konnten wir nicht mehr bleiben, es ist zu gefährlich geworden. Aus unserer Stadt sind Menschen verschwunden und die Kämpfe sind immer näher gerückt. Eines Tages gab es neben unserer Schule eine Explosion und dann sind wir nicht mehr in die Schule gegangen.

Vor dem Krieg war mein Traum, zu studieren und Ärztin zu werden. Dafür muss man sehr gute Noten haben. In Syrien war ich immer eine sehr gute Schülerin, besonders in Mathematik und den wissenschaftlichen Fächern war ich immer besonders gut.
Hier in Österreich weiß ich noch nicht, wie es weitergeht. Ich muss zuerst einmal Deutsch lernen. Aber ich bin froh, überhaupt hier zu sein und in Sicherheit. Wir haben einige Wochen gezittert und gebangt, ob ich überhaupt mit meiner Familie nach Österreich kommen darf. Die Gesetzte besagen, dass nur minderjährige Kinder zu ihren Eltern nach Österreich kommen können. Mit Hilfe von UNHCR hat es dann doch geklappt, dafür sind wir sehr dankbar. Wir sind auch alle sehr froh, dass Österreich eine Demokratie ist. Hier kann jeder seine Meinung sagen, in Syrien ist das nicht möglich.

Wir sind momentan noch im Asylverfahren, und daher können wir noch keinen Deutschkurs besuchen. Aber ich habe schon das Deutsch-Lehrbuch von meinem Vater, aus dem ich lerne und es gibt auch Audio-Aufnahmen für die richtige Aussprache dazu.“

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Nergez und ihre Familie stammen aus dem kurdischen Gebiet in Syrien. Eine Flucht war für alle lange nicht vorstellbar, vor allem wollte die Familie zusammen bleiben. Nachdem der Krieg aber immer näher kam, hat der Vater allein die Flucht gewagt. Nergez, ihre Mutter und ihre drei Geschwister haben sich in einem anderen Ort versteckt und sind kaum mehr außer Haus gegangen. Als der Vater in Österreich in Sicherheit war und Asyl bekam, hat die restliche Familie den gefährlichen Weg in den Libanon angetreten.
Eine Familienzusammenführung wäre aber nach österreichischen Recht nur für die Mutter und die minderjährigen Kinder möglich gewesen. Nergez hätte allein im Libanon zurückbleiben müssen. „Wir haben im Libanon niemanden, ich war verzweifelt und wir haben viel geweint. Für meine Eltern war es außerdem völlig klar, entweder wir gehen gemeinsam oder wir bleiben alle zurück“, sagt Nergez. Über das zusätzliche Aufnahmeprogramm für syrische Flüchtlinge konnte Nergez schließlich aber mit Hilfe von UNHCR doch gemeinsam mit ihrer Familie nach Österreich kommen.

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