Neuer UNHCR-Bericht zu Fluchtbewegungen nach Europa

Die Zahl der Flüchtlinge und MigrantInnen, die 2017 nach Europa kamen, ist gesunken, gleichzeitig haben sich aber die Gefahren auf Flucht- und Reiserouten teilweise erhöht. Der neue UNHCR-Report „Desperate Journeys“ zeigt auch eine Veränderung bei den Routen auf. 

Une réfugiée érythréenne réconforte une amie dans un bus de transfert à l’aéroport en Italie. © UNHCR/Alessandro Penso

Der „Desperate Journeys“ (Verzweifelte Reisen) – Report zeigt seit 2017 einen starken Rückgang bei den Ankünften in Italien, die zumeist aus Libyen die Überfahrt starten. Diese Entwicklung hat sich auch von Januar bis März 2018 mit 74 Prozent weniger Ankünften im Vergleich zum Vorjahr fortgesetzt.

Die Überfahrt nach Italien wird gleichzeitig aber immer gefährlicher. Eine von 14 Überfahrten endete im ersten Quartal 2018 tödlich, im Vergleichszeitraum 2017 war es noch eine von 29 Überfahrten.

Zusätzlich war der Gesundheitszustand jener Menschen, die aus Libyen ankamen, deutlich schlechter als im Jahr davor. Mehr und mehr Menschen erreichten Italien extrem schwach, dünn und in einem generell schlechten Zustand.

Während die Mittelmeer-Ankünfte gesamt weit unter dem Niveau von 2016 blieben, kamen vor allem gegen Ende 2017 laut dem UNHCR-Report mehr Menschen in Spanien und Griechenland an.

2017 kamen in Spanien mit 28.00 Neuankünften 101 Prozent mehr Personen an als noch 2016. Im ersten Quartal 2018 gab es einen Anstieg von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Marokkaner und Algerier bilden jetzt die beiden am stärksten vertretenen Nationalitäten, wobei bei den Ankünften auf dem Landweg weiterhin Menschen aus Syrien die größte Gruppe bleiben.

In Griechenland sind 2017 die Ankünfte über das Meer im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, jedoch gab es von Mai bis Dezember einen Anstieg von 33 Prozent auf 24.600 Personen verglichen mit 18.300 in 2016. Die meisten Menschen kamen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan und viele von ihnen waren Familien mit Kindern. Asylsuchende, die über die Mittelmeerroute Griechenland erreichten, sind mit langen Aufenthalten und schlechten Bedingungen in überfüllten Lagern auf griechischen Inseln konfrontiert.

Der Bericht zeigt auch, dass viele Flüchtlinge und Migranten aufgrund der  verschärften restriktiven Situation in Ungarn bei ihrem Weg durch Europa alternative Routen wählen. Zum Beispiel erreichen manche über Serbien Rumänien, während andere von Griechenland über Albanien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina nach Kroatien kommen.

„Der Weg nach und durch Europa bleibt für Flüchtlinge und Migranten voller Gefahren“, sagt Pascale Moreau, Direktorin des UNHCR Europa Büros. Wahrscheinlich mehr als 3.100 Menschen sind bei der Überfahrt nach Europa gestorben, 2016 waren es 5.100. Weitere 501 Menschen sind seit Anfang 2018 gestorben oder werden vermisst.

Zusätzlich zu den Todesfällen auf See sind 2017 mindestens 75 weitere Menschen auf dem Landweg bei den europäischen Außengrenzen oder innerhalb Europas ums Leben gekommen. Zutiefst Besorgnis erregen auch Bericht von Push Backs an den Grenzen.

„Der Zugang zu dem jeweiligen Hoheitsgebiet und zu schnellen, fairen und effizienten Asylverfahren für Schutzsuchende ist lebensnotwendig. Das Schützen von Grenzen und der Flüchtlingsschutz im Einklang mit den internationalen Verpflichtungen der Staaten sind weder unvereinbar, noch schließen sie sich gegenseitig aus“, sagt Moreau.

Der UNHCR-Report hebt außerdem noch den Missbrauch und die Ausbeutung von Flüchtlingen und Migranten durch Menschenhändler, Schmuggler oder bewaffnete Gruppen auf verschiedenen Routen in Europa hervor.

Frauen, insbesondere allein reisende, und unbegleitete Kinder sind auf der Reise nach Europa und mancherorts innerhalb Europas besonders anfällig für das Risiko von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt.

2017 erreichten mehr als 17.000 unbegleitete Kinder Europa. Die meisten von ihnen kamen über das Meer nach Italien, wo 13 Prozent aller Ankünfte allein reisende Kinder waren, ein ähnlicher Trend wie schon im Vorjahr.

Der UNHCR-Bericht enthält allerdings auch begrüßenswerte positive Aspekte wie die Zunahme von Resettlement nach Europa, das seit 2016 um 54 Prozent gestiegen ist. Der Großteil der insgesamt 26.400 Flüchtlinge, die über Resettlement Sicherheit in Europa gefunden haben, kam aus Syrien (84%) und wurde aus der Türkei, dem Libanon und Jordanien umgesiedelt. Von den europäischen Ländern nahmen das Vereinte Königreich, Schweden und Deutschland die meisten Menschen auf.

Eine weitere positive Entwicklung ist die Ende letzten Jahres von UNHCR gestartete Evakuierung vulnerabler Flüchtlinge aus Libyen nach Niger und Italien.

„Die Evakuierung aus Libyen und die steigenden Resettlement-Plätze sind gute Neuigkeiten. Gleichzeitig gibt es beim Zugang zu Schutz in Europa über sichere und legale Möglichkeiten enorme Einschränkungen wie zum Beispiel bei der Familienzusammenführung. Wir rufen zu mehr Solidarität auf“, sagt Pascale Moreau.

Der Bericht enthält weiters Empfehlungen, um die Solidarität zwischen den europäischen Staaten und den Erstaufnahme- und Transitländern zu stärken. Insbesondere angesprochen werden verbesserte Aufnahmebedingungen, besonders für unbegleitete und getrennte Kinder sowie für Überlebende sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, sowie der Schutz von Kindern.

Zum Bericht auf Englisch: goo.gl/CDbJMY