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Afghanistan: 5,4 Millionen Rückkehrer*innen seit Ende 2023

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Afghanistan: 5,4 Millionen Rückkehrer*innen seit Ende 2023

UNHCR beobachtet weiterhin eine hohe Zahl von Afghaninnen und Afghanen, die unter äußerst schwierigen Bedingungen aus Nachbarländern zurückkehren oder zur Rückkehr gezwungen werden. Unterstützung wird dringend benötigt.
16. Februar 2026
Eine afghanische Familie beim Grenzübertritt aus dem Iran nach Afghanistan

Eine afghanische Familie überquert im Juli 2025 den Grenzübergang Islam Qala in der Provinz Herat bei ihrer Rückkehr aus dem Iran. © UNHCR/Oxygen Empire Media Production

Seit Jahresbeginn sind nahezu 150.000 Menschen aus dem Iran und aus Pakistan nach Afghanistan zurückgekehrt. Damit setzt sich eine beispiellose Rückkehrbewegung fort: Allein im Jahr 2025 kehrten 2,9 Millionen Menschen nach Afghanistan zurück. Seit Oktober 2023 beläuft sich die Gesamtzahl auf rund 5,4 Millionen.

Rückkehr verschärft bestehende Krise

Tempo und Ausmaß dieser Entwicklungen haben die Krise in Afghanistan weiter verschärft. Das Land sieht sich mit einer sich verschlechternden humanitären Lage und einer dramatischen Menschenrechtssituation konfrontiert – insbesondere für Frauen und Mädchen. Hinzu kommen eine fragile Wirtschaft sowie wiederkehrende Naturkatastrophen.

Laut einem aktuellen Bericht der Weltbank führte das durch die Rückkehrbewegungen beschleunigte Bevölkerungswachstum im Jahr 2025 zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf um vier Prozent.

Angesichts des strengen Winters, mit eisigen Temperaturen und starken Schneefällen in weiten Teilen des Landes, ist die hohe Zahl der Rückkehrenden zusätzlich Grund zu großer Besorgnis.

Fehlende Arbeit, fehlende Dokumente, extreme Armut

Eine kürzlich durchgeführte Befragung von Rückkehrenden verdeutlicht das Ausmaß der Herausforderungen:

  • Nur etwas mehr als die Hälfte gab an, zumindest eine Form von Arbeit gefunden zu haben – häufig jedoch nur informell.
  • Bei Frauen liegt dieser Anteil bei weniger als einem Viertel.
  • Mehr als die Hälfte der rückkehrenden Familien hat keine Dokumente, wie Ausweise zur Bestätigung ihrer Identität oder Herkunft.
  • Über 90 Prozent der Rückkehrenden leben von weniger als 5 US-Dollar pro Tag.

Diese Zahlen zeigen, wie schwierig es für viele ist, sich eine neue Existenz aufzubauen.

Rückkehr ohne Perspektive?

UNHCR ist zutiefst besorgt über die Nachhaltigkeit dieser Rückkehrbewegungen. Zwar erklärten lediglich fünf Prozent der Befragten, Afghanistan erneut verlassen zu wollen. Gleichzeitig berichten jedoch mehr als zehn Prozent, dass eine Person aus dem näheren Umfeld nach der Rückkehr bereits wieder ausgereist ist.

Grund ist nicht fehlender Wille zu bleiben, sondern der Mangel an Perspektiven, um sich eine stabile und würdevolle Lebensgrundlage aufbauen zu können.

Qualifikationen als Chance für Stabilität

Gleichzeitig gibt es auch Hoffnungsschimmer. Das sozioökonomische Profil der Rückkehrenden verändert sich: Personen, die 2025 zurückgekehrt sind, verfügen im Durchschnitt über ein höheres Bildungsniveau und dadurch bessere Chancen am Arbeitsmarkt.

Wenn sie Arbeit finden, können sie ihre Fähigkeiten und Erfahrungen einsetzen und zur Stabilisierung des Landes beitragen.

Fokus 2026: Dauerhafte Perspektiven ermöglichen

Im Jahr 2026 legt UNHCR den Schwerpunkt auf die Unterstützung der Reintegration. Dank seiner langjährigen Präsenz und Erfahrung in Afghanistan kann UNHCR gezielt jene Hilfe leisten, die am dringendsten benötigt wird – darunter Schutzmaßnahmen, Wohnraum sowie finanzielle Unterstützung, insbesondere für Frauen.

Gemeinsam mit anderen UN-Organisationen und Partnern beobachtet UNHCR zudem regionale Entwicklungen genau: Zugang zu Asyl wird zunehmend eingeschränkt, reguläre Migrationswege werden enger. Viele Afghaninnen und Afghanen, die aus ihrem Land geflohen sind, fühlen sich dadurch gezwungen, gefährliche Weiterreisen auf sich zu nehmen.

UNHCR ist vorbereitet, um auf weitere Rückkehrbewegungen nach Afghanistan zu reagieren. Gleichzeitig appellieren wir an Staaten, den Zugang zu Asyl sicherzustellen, afghanische Flüchtlinge weiterhin zu schützen und zu unterstützen und niemanden in ein Land zurückzuschicken, in dem Leben, Rechte und Freiheiten bedroht sind.

Dringender Finanzierungsbedarf

Angesichts der dramatischen humanitären Lage und der rasch wachsenden Bevölkerung wird im Jahr 2026 dringend zusätzliche Unterstützung benötigt, um Hilfsmaßnahmen auszuweiten und in nachhaltige Integration zu investieren. Nur so können Menschen ihr Leben in Würde, mit Hoffnung und Stabilität neu aufbauen.

Für 2026 benötigt UNHCR 216 Millionen US-Dollar zur Unterstützung von Vertriebenen und Rückkehrenden in ganz Afghanistan. Derzeit ist die Hilfe lediglich zu acht Prozent finanziert.

Jetzt ist ein entscheidender Moment zum Handeln und die Gelegenheit zu nutzen, langfristige Lösungen zu schaffen.