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Krise im Nahen Osten belastet Hilfsmaßnahmen weltweit

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Krise im Nahen Osten belastet Hilfsmaßnahmen weltweit

Die Sperrung der Straße von Hormus hat erhebliche Auswirkungen auf humanitäre Hilfe von UNHCR und anderen Hilfsorganisationen weit über die Region hinaus.
4. May 2026
Das UNHCR-Team im Libanon erhält einen Lufttransport mit mehr als 11.000 lebenswichtigen Hilfsgütern.

Die UNHCR-Vertreterin im Libanon, Karolina Lindholm Billing, und UNHCR-Mitarbeitende empfangen eine Luftlieferung mit mehr als 11.000 lebenswichtigen Hilfsgütern.

Die Krise im Nahen Osten wirkt sich zunehmend über die Region hinaus aus und beeinträchtigt globale humanitäre Lieferketten sowie die Bereitstellung von Hilfsgütern. Steigende Transportkosten und Störungen im Frachtverkehr zwingen UNHCR, seine Lieferstrategien anzupassen.

Zunehmende Unsicherheit und Instabilität entlang wichtiger Routen im Golf, einschließlich der Straße von Hormus, haben den Seeverkehr beeinträchtigt. Weltweit steigende Kosten für Treibstoff, Lebensmittel und Transport führen zu höheren Preisen und verzögern die Lieferung lebenswichtiger Hilfsgüter.

Steigende Kosten treffen die Schwächsten am härtesten

Die höheren Transport- und Treibstoffkosten treffen insbesondere Menschen in Notlagen, darunter Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen, die lebensrettende Unterstützung verspätet oder in geringerem Umfang erhalten. Gleichzeitig schränken sie die Fähigkeit von Hilfsorganisationen ein, angesichts erheblicher Finanzierungsengpässe rechtzeitig Hilfe zu leisten.

Um die Auswirkungen abzumildern, hat UNHCR seine Strategien angepasst, etwa durch die Umleitung von Seefracht, beispielsweise über Aqaba in Jordanien, sowie durch die verstärkte Nutzung alternativer Landrouten, darunter Lkw-Transporte über die Arabische Halbinsel und Türkiye ausgehend von Dubai.

Die Schließung wichtiger Seewege hat dazu geführt, dass vermehrt längere und kostenintensivere Routen genutzt werden müssen. Dies verlängert die Transportzeiten und erhöht die operative Komplexität deutlich. Seit Beginn der Kampfhandlungen sind die Frachtraten aus zentralen Beschaffungsländern um nahezu 18 Prozent gestiegen, während die Kapazitäten globaler Transportanbieter seit Anfang 2026 von 97 auf 77 Prozent zurückgegangen sind.

Bei einigen Lieferungen haben sich die Kosten mehr als verdoppelt. So sind etwa die Transportkosten für Hilfsgüter aus den globalen UNHCR-Lagerbeständen in Dubai zu den Einsatzgebieten im Sudan und im Tschad von rund 927.000 US-Dollar auf 1,87 Millionen US-Dollar gestiegen.

Zusätzlicher Druck durch Infrastruktur und Märkte

Überlastungen in wichtigen Häfen wie Dschidda und Mersin, Aussetzungen von Transportverbindungen durch Frachtunternehmen sowie steigende Treibstoffpreise und höhere Versicherungsprämien für Kriegsrisiken – derzeit auf schätzungsweise 0,5 bis 1,5 Prozent des Warenwerts für Transporte durch den Golf – erhöhen den Druck zusätzlich.

Die verstärkte Nutzung von Landrouten führt zudem zu Lkw-Engpässen und steigenden Transportkosten im Inland.

Besondere Auswirkungen in Afrika

Besonders besorgniserregend ist die Lage in Afrika, wo zahlreiche, sich überlagernde Vertreibungskrisen andauern, die oftmals tragischerweise nur wenig Aufmerksamkeit erhalten.

In Kenia, wo sich eines der globalen UNHCR-Lager befindet, führte ein jüngster Anstieg der Treibstoffpreise um etwa 15 Prozent zu Verzögerungen und einer geringeren Verfügbarkeit von Lkw für Lieferungen nach Äthiopien, in die Demokratische Republik Kongo und den Südsudan.

Im Sudan, wo der Konflikt in sein viertes Jahr geht, haben sich die Kosten für die Bereitstellung von Hilfe in den letzten Monaten verdoppelt, während Umleitungen über das Kap der Guten Hoffnung die Lieferzeiten um bis zu 25 Tage verlängern.

Aufrechterhaltung der Hilfeleistungen

Trotz dieser Herausforderungen konnte UNHCR die Kontinuität lebensrettender Hilfe bislang dank robuster Vorsorgesysteme und eines globalen Liefernetzwerks aufrechterhalten.

UNHCR hat sieben globale Lagerstandorte in Dubai, Termez, Kopenhagen, Accra, Douala, Nairobi und Panama-Stadt, die jederzeit Unterstützung für bis zu eine Million Vertriebene ermöglichen. Ergänzt wird dies durch mehr als 160 nationale Lager sowie Bereitschaftsmechanismen für lokale Beschaffungen und finanzielle Hilfen.

Weltweit verfügt UNHCR über Bestände von mehr als 31.000 Tonnen sowie 135.000 Kubikmetern an Hilfsgütern im Wert von rund 130 Millionen US-Dollar – eine lebenswichtige Unterstützung für Menschen, die durch Konflikte und Verfolgung vertrieben wurden.

Unterstützung vor Ort und Ausblick

Seit Beginn der Krise hat UNHCR gemeinsam mit Partnern Hilfsgüter zur Unterbringung von mehr als 200.000 Vertriebene im Libanon geliefert, überwiegend aus bereits vorpositionierten Beständen.

Zusätzliche Unterstützung erfolgte über drei Luftbrücken, bereitgestellt von der Europäischen Union, Frankreich, Irland und Italien, sowie über 40 Lkw-Transporte mit mehr als 317 Tonnen lebenswichtiger Hilfsgüter aus Dubai, die Hilfe für bis zu 100.000 Menschen ermöglichen.

Sollte die Instabilität im Nahen Osten anhalten, ist davon auszugehen, dass steigende Kosten, Verzögerungen und begrenzte Transportkapazitäten humanitäre Einsätze weiter einschränken werden.

Auch wenn UNHCR sich kontinuierlich durch Routenanpassungen, Umlagerung von Beständen und die Unterstützung von Gebern anpasst, besteht bei anhaltenden Störungen das Risiko, dass Umfang und Geschwindigkeit der Hilfe für Menschen in Not deutlich reduziert werden – mit gravierenden Folgen für Millionen Flüchtlinge und Vertriebene weltweit.