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Jemen: Weitere Vertreibungen möglich

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Jemen: Weitere Vertreibungen möglich

Der Konflikt im Jemen spitzt sich und könnte zu weiteren Fluchtbewegungen führen.
24. September 2026
Yemen. Escalating conflict drives new displacement

Das UN-Flüchtlingshilfswerk warnt, dass immer mehr Menschen sowohl innerhalb des Landes als auch nach Dschibuti, Somalia und in andere Länder fliehen könnten.


Die Kämpfe im Jemen weiten sich entlang mehrerer Frontlinien aus. Seit Anfang September haben bereits mehr als 130.000 Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Dadurch verschärft sich die Vertreibungskrise im Land zunehmend.


Die Zivilbevölkerung trägt weiterhin die Hauptlast des Konflikts. Berichten zufolge gab es mindestens 110 Opfer, darunter 28 Todesfälle. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer und Vertriebenen weiter steigen wird. Die Hilfsmaßnahmen werden durch die unsichere Situation erschwert, viele Gebiete sind dazu schwer zugänglich.


Das Gouvernement Taiz im Jemen bleibt das Zentrum der Krise. Mehr als 60 Prozent aller Vertriebenen kommen aus dieser Region. Viele Familien bleiben innerhalb des Gouvernements, da Kämpfe, blockierte Straßen oder fehlende Transportmöglichkeiten und Treibstoffknappheit sie daran hindern, sicherere Orte zu erreichen.

Auch aus den Gouvernements Al Jawf, Marib und Al Hudaydah werden Vertreibungen gemeldet. Dies verdeutlicht, dass sich der Konflikt auf mehrere Fronten ausgeweitet hat.

Die meisten neu vertriebenen Familien haben Zuflucht in den Gouvernements Aden, Lahj, Abyan und Al Dhale'e sowie in Marib gefunden. Mehr als 90.000 Menschen sind dort angekommen. Die Bedingungen für Vertriebene verschlechtern sich zunehmend, da sie in bereits überfüllten Siedlungen ankommen und dringend Unterkünfte, Lebensmittel, sauberes Wasser, Gesundheitsversorgung und Schutz benötigen. Dadurch werden Dienstleistungen und Infrastruktur zusätzlich belastet.


Bereits vor der jüngsten Eskalation waren im Jemen mehr als 5,2 Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben. Die aktuellen Kämpfe verschärfen die bereits dramatische humanitäre Krise weiter. Schätzungen zufolge sind mehr als 22 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Dazu zählen Binnenvertriebene sowie rund 65.000 Flüchtlinge und Asylsuchende, überwiegend aus Somalia und Äthiopien.


Als Reaktion darauf hat UNHCR für den Jemen, Dschibuti und Somalia zunächst eine Notsituation der Stufe 1 ausgerufen. Dadurch können Ressourcen und Personal schnell mobilisiert werden, um die Hilfe durch Bargeldhilfe, Bereitstellung von Unterkünften und Schutzmaßnahmen auszuweiten.

200 vertriebene Familien haben bereits Bargeldhilfe erhalten. Für weitere 1.000 Familien ist Unterstützung geplant. Da mehr als 70 Prozent der vertriebenen Familien in Notunterkünften oder provisorischen Unterkünften leben, wurden außerdem Mittel bereitgestellt, um 500 Familien in Aden und Lahj bei der Finanzierung von Unterkünften zu unterstützen.

Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für die Verteilung von 1.000 Reparatursets für beschädigte Häuser. Darüber hinaus wurden Schutzbedarfsanalysen gestartet, um die dringendsten Bedürfnisse und Risiken von 2.000 Haushalten zu ermitteln.


UNHCR liefert 3.000 Pakete mit Hilfsgütern aus seinem globalen Nothilfelager in Dubai, um Familien im Jemen zu unterstützen. Die Pakete enthalten unter anderem Schlafmatten, Decken, Solarlampen, Küchensets, Wasserkanister, Moskitonetze und Kunststoffplanen.


Gemeinsam mit Partnerorganisationen laufen zudem Vorbereitungen für die freiwillige Rückkehr von rund 150 somalischen Flüchtlingen von Aden nach Mogadischu.


Trotz der verstärkten Hilfsmaßnahmen stehen humanitäre Einsätze vor erheblichen Herausforderungen. Aktive Frontlinien, Unsicherheit, Bewegungseinschränkungen, Störungen der Telekommunikation sowie beschädigte Straßen und beschädigte Infrastruktur, darunter auch der Hafen von Al Mokha, erschweren den Zugang zu betroffenen Bevölkerungsgruppen und verzögern die lebensrettender Hilfe. Ein sicherer und ungehinderter Zugang zu den betroffenen Menschen wird dringend benötigt, um Familien zu unterstützen, die oft nur mit dem Nötigsten fliehen konnten.


Die Hilfsmaßnahmen werden zudem durch eine erhebliche Finanzierungslücke eingeschränkt. Der UNHCR-Einsatz im Jemen ist 2026 bislang nur zu 18 Prozent finanziert. Von den benötigten 194 Millionen US-Dollar stehen lediglich 34 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Das war bereits vor der jüngsten Eskalation, die zusätzlichen Bedarf geschaffen hat, der Fall. Schätzungsweise werden weitere 25 Millionen US-Dollar dringend benötigt, damit UNHCR rund 231.000 Menschen mit unmittelbarem humanitärem Bedarf unterstützen kann.


Auf der anderen Seite des Golfs von Aden kommen weiterhin täglich jemenitische Flüchtlinge in Dschibuti an. Bislang sind dort mehr als 3.000 Menschen eingetroffen. UNHCR arbeitet gemeinsam mit den Behörden und Partnerorganisationen daran, die Neuankommenden zu unterstützen. Hunderte weitere Menschen sind in Somaliland und Puntland angekommen.


Die tägliche Zahl der Ankünfte in Dschibuti hat den bisherigen Höchststand von 2015 überschritten. UNHCR und seine Partner bereiten sich auf mehr als 10.000 Ankünfte in Dschibuti vor. Da sich die Bedingungen auf See voraussichtlich bis Mitte Oktober verbessern werden, könnten weitere Überfahrten möglich werden. Der UNHCR-Einsatz in Dschibuti ist derzeit nur zu 15 Prozent finanziert. UNHCR und seine humanitären Partner rufen daher dringend zu zusätzlicher Unterstützung in Höhe von 13,5 Millionen US-Dollar auf, damit die ankommenden Menschen Zugang zu Registrierung, Aufnahme, Schutz und anderen wichtigen Dienstleistungen erhalten.


UNHCR ist zutiefst besorgt über die Auswirkungen des erneut aufgeflammten Konflikts auf die Zivilbevölkerung, einschließlich weitreichender Vertreibungen und großen menschlichen Leids.