UNHCR veröffentlicht neue Datenplattform zu globalen Fluchtrouten
UNHCR veröffentlicht neue Datenplattform zu globalen Fluchtrouten
Nach einer lebensgefährlichen Überfahrt über die Andamanensee – eine der von der neuen Plattform erfassten Routen – wurden Rohingya-Flüchtlinge im Jahr 2024 vor der Küste Indonesiens gerettet. © UNHCR/Amanda Jufrian
Die Plattform wird monatlich aktualisiert und bündelt Informationen aus unterschiedlichen Quellen – zum Beispiel von UNHCR, nationalen Behörden, UN- und NGO-Partnern sowie von Daten aus Medien- und Social-Media-Monitoring.
Ziel ist es, aktuelle Entwicklungen sichtbar zu machen, Schutzbedarfe aufzuzeigen sowie wirksamere Maßnahmen und Unterstützung entlang der Routen zu ermöglichen. Dadurch sollen Menschen besser geschützt und Alternativen zu gefährlichen Wegen geschaffen werden.
Komplexe Bewegungen besser verstehen
Im Mittelpunkt steht der Schutz besonders gefährdeter Menschen. Die Plattform hilft, aktuelle und zunehmend komplexe Bewegungen zu analysieren: Flüchtlinge, die vor Konflikten oder Verfolgung fliehen, sind häufig gemeinsam mit Menschen unterwegs, die aus anderen Gründen ihre Heimat verlassen.
„Dieses Instrument ermöglicht uns einen einzigartigen, vergleichenden Blick auf Bewegungen zwischen Ländern und Regionen“, sagte Elizabeth Tan, Direktorin der Abteilung für internationalen Schutz und Lösungen bei UNHCR. „So können wir Muster und Veränderungen entlang der Routen erkennen und besser koordinierte Maßnahmen entwickeln, die Sicherheit und nachhaltige Lösungen in den Mittelpunkt stellen.“ Daten zu weiteren Routen sollen schrittweise ergänzt werden.
Fast 200.000 Abfahrten im Jahr 2025 erfasst
Die Daten für 2025 zeigen insgesamt knapp 200.000 registrierte Abfahrten und mehr als 151.000 Ankünfte entlang der überwachten Routen – darunter in Afrika, dem Nahen Osten, Europa und Asien.
Routen über das Mittelmeer sind derzeit am umfassendsten dokumentiert, da dort etablierte Monitoringsysteme bestehen. Diese Routen bilden jedoch nur einen Teil des Gesamtbildes. Auch entlang des westafrikanisch-atlantischen Korridors sowie über den Golf von Bengalen und über die Andamanensee, beides im Indischen Ozean, finden weiterhin Bewegungen statt – wobei die Datengrundlage dort aufgrund eingeschränkten Zugangs und begrenzter Berichterstattung teilweise lückenhaft ist.
Der „Routes Monitor“ soll Informationen aus unterschiedlichen Regionen schrittweise zugänglicher und vergleichbarer machen und bestehende Datenlücken schließen.
Mehr als 2.600 Tote und Vermisste – Dunkelziffer vermutlich höher
Für 2025 wurden auf den überwachten Routen mehr als 2.600 Todesfälle und Vermisste auf See registriert. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch höher liegen, da sich viele Unglücke in abgelegenen Seegebieten ereignen, in denen Meldungen und Überprüfungen nur eingeschränkt möglich sind.
Weniger Ankünfte bedeuten nicht zwingend weniger Fluchtbewegungen
UNHCR macht deutlich, dass ein Rückgang der Ankünfte häufig nicht auf weniger Fluchtbewegungen, sondern auf verschärfte Maßnahmen und restriktivere Grenzkontrollen zurückzuführen ist.
„Weniger Ankünfte bedeuten nicht, dass weniger Menschen vor Gefahr flüchten“, betonte Tan. „Einschränkungen können Weiterreisen erschweren, drängen Menschen jedoch oft auf abgelegenere und riskantere Routen. Die Ursachen von Vertreibung bestehen weiter, und der Bedarf an Schutz ist dringender denn je. Jetzt braucht es entschlossene und koordinierte Maßnahmen.“
Unterstützung für Politik, Praxis und Forschung
Der „Routes Monitor“ wurde entwickelt, um Akteurinnen und Akteure in Politik und Praxis zu unterstützen – darunter Staaten, UN- und NGO-Partner, von Geflüchteten geführte Organisationen sowie die Wissenschaft. Die Plattform soll Analysen erleichtern, Advocacy-Arbeit stärken und Maßnahmen verbessern, um Schutz und Sicherheit für Menschen auf der Flucht zu erhöhen.