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Bausteine aus Schutt für den Wiederaufbau Syriens

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Bausteine aus Schutt für den Wiederaufbau Syriens

Ein Bauzeichner, der aus Syrien nach Deutschland kam, und sein Mainzer Chef wollen Syriens Trümmer in Zukunft verwandeln.
20. Jänner 2026
Alfons und Omar

"In meiner Kindheit in Aleppo habe ich davon geträumt, später einmal Architekt zu werden. Jetzt komme ich Jahre später zurück nach Syrien, um beim Wiederaufbau zu helfen."

Das sagt Omar Halima. Er war 13 Jahre alt, als er mit seiner Familie aus Aleppo fliehen musste.

Zunächst fand die Familie Zuflucht in der Türkei. 2017 kamen sie zusammen nach Deutschland, nach Mainz. Dort begann Halima später eine Ausbildung zum Bauzeichner im Büro des Bauingenieurs Alfons Schwiderski. Heute ist er dort fest angestellt. Gemeinsam wollen sie nun beim Wiederaufbau in Syrien helfen.

Und so steht Omar Halima mehr als zehn Jahre nach seiner Flucht, im Frühling 2025, zum ersten Mal wieder in seiner Heimatstadt Aleppo. Gemeinsam mit seinem Mainzer Chef.

Seine alte Schule? Zerstört. Und auch die Nachbarschaft, in der er seine Kindheit verbrachte, ist nicht wiederzuerkennen.

„Es ist sehr traurig, nach Hause zurückzukommen und dann die Zerstörung zu sehen“, beschreibt Omar Halima den Besuch. Doch er fügt hinzu: „Wir schauen nicht zurück, wir müssen jetzt nach vorne blicken.“

Omar in Syrien

Omar Halima während der gemeinsamen Reise nach Syrien. Viele Häuser sind zerstört. Wie hier im Hintergrund.

Denn trotz Trauer ist die Reise von Hoffnung geprägt. Omar Halima und Alfons Schwiderski haben eine Vision: Sie wollen den Wiederaufbau in Syrien voranbringen - mit einem innovativen Ansatz.

Den Bauschutt nutzen

Die beiden arbeiten an einem Baustein, der aus Trümmern zerstörter Gebäude gefertigt wird. Die Idee dazu kam Alfons Schwiderski bereits 2024 während einer Bahnfahrt. „Damals habe ich darüber nachgedacht, wie man den Gazastreifen wieder aufbauen könnte“, erinnert er sich.

Als er seinem jungen Angestellten davon erzählt, nimmt das Projekt Fahrt auf. „Und dann kam der Sturz des Regimes im Dezember und die Idee, den Stein auch in Syrien zu nutzen, wurde konkreter“, so Schwiderski.

Stein

Im Mai 2025 reisen die beiden erstmals gemeinsam nach Syrien, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Sie besuchen Damaskus und Aleppo. Im September folgt eine zweite Reise. Dort treffen sie unter anderem einen Bauplaner und intensivieren den Austausch mit der Universität von Aleppo, die zu nachhaltigen Baumaterialien forscht.

„Es geht langsam voran“, sagt Schwiderski. Komplett zerstörte Stadtteile zu sehen, hatte ihn beim ersten Besuch erschüttert: „Man hat sich gefühlt wie in einem bösen Science-Fiction-Film.“ Dennoch erlebte er die Menschen vor Ort nicht als resigniert: „Die Leute haben uns gefragt: ‚Was wollt ihr hier machen? Seid ihr wahnsinnig?‘ – Aber sie fanden es irgendwie auch gut!“

Für Alfons Schwiderski und Omar Halima ist klar: Ihr Projekt soll nicht nur den Wiederaufbau ermöglichen, sondern auch Arbeitsplätze schaffen. „Das ist hier das A und O“, betont Schwiderski.