Zentralafrikanische Republik: Dorfbewohner*innen solidarisch mit Geflüchteten

UNHCR unterstützt Flüchtlinge, die vor einem Angriff in der Demokratischen Republik Kongo geflohen sind.

Eine Flüchtlingsmutter aus der Demokratischen Republik Kongo sitzt mit ihrem Baby vor einem Tierheim in Toko Kota in der Zentralafrikanischen Republik. ©UNHCR/Stella Fatime

Als Anfang dieses Jahres Tausende Menschen in Kanus über einen Fluss in die Zentralafrikanische Republik flohen, kamen sie in einem winzigen Dorf an, dessen Bewohnerinnen und Bewohner wenig zu teilen hatten.

Doch die Bewohnerinnen und Bewohner öffneten ihre Häuser für die verzweifelten Neuankömmlinge aus der Demokratischen Republik Kongo.

„Ich konnte es nicht ertragen, Kinder und ihre Mütter im Freien schlafen zu sehen, schon gar nicht während der Regenzeit“ sagte Rachel (39), eine alleinerziehende Mutter aus dem Dorf Toko Kota, die zehn Frauen und Kinder bei sich aufnahm.

„Wir sind alle hungrig. Etwas zu essen zu finden, ist ein echtes Problem hier, und wir müssen Wasser aus dem Fluss trinken. Wir haben nicht viel, aber wir sind immer gastfreundlich», sagte sie.

Ende Mai flohen mehr als 3000 kongolesische Asylsuchende vor einem Angriff auf die Stadt Buda in der kongolesischen Provinz Nord Ubangui nach Toko Kota, einem Dorf am Ubangui-Fluss im Süden der Zentralafrikanischen Republik. Die Hälfte dieser Flüchtlinge sind Kinder, weitere 30 Prozent sind Frauen.

Sie sind Opfer von Konflikten in einer Region, die international wenig Beachtung findet. Die Zentralafrikanische Republik beheimatet mehr als 10.000 Flüchtlinge, von denen die Hälfte aus dem Kongo geflohen ist. Rund 641.000 Binnenvertriebene leben im Land, weitere 619.000 haben Zuflucht in Nachbarländern gesucht.

Um zur Deckung der Grundbedürfnisse in Toko Kota beizutragen, verteilte UNHCR, die UN-Flüchtlingsorganisation, 1000 Notfallkits mit Plastikplanen für den Bau von Unterkünften, Moskitonetzen, Matten, Decken, Kochgeschirr, Kanistern und Eimern. UNHCR stellte auch Handwaschstationen auf und verteilte Seife, die wegen COVID-19 besonders wichtige sind.

Es dauerte zwei Tage, bis der UNHCR-Konvoi die 500 Kilometer von der Hauptstadt Bangui zum Dorf zurückgelegt hatte. Der Weg führte über schlammige Straßen und durch Gebiete, die von bewaffneten Gruppen kontrolliert werden.

„UNHCR arbeitet eng mit den Behörden zusammen, um sicherzustellen, dass die Flüchtlinge registriert und mit dem Nötigsten versorgt werden. In Zeiten von COVID-19 ist es wichtig, Flüchtlinge und ihre Gastgemeinschaften zu unterstützen“, sagte Hamdi Bukhari, UNHCR-Vertreter des Landes.

UNHCR hat gerade einmal die Hälfte der 47.5 Millionen US-Dollar erhalten, die es in diesem Jahr für seinen Einsatz in der Zentralafrikanischen Republik benötigt. Die Operation ist also stark unterfinanziert.

Die Menschen aus Buda kamen mit fast nichts an, weil sie vor dem Angriff am 23. Mai mit ihren Einbäumen über einen Fluss flohen.

„Es ging alles sehr schnell“, sagt Nadège (37), die mit ihren beiden Kindern geflohen ist. „Wir hörten Schüsse und Schreie. Ich ging aus dem Haus und sah, wie bewaffnete Männer unser Dorf überfielen.“

Die Flussüberquerung erwies sich in der Dunkelheit als tückisch. Mehrere Kinder sollen ertrunken sein, und einige Familien wurden getrennt. Nadège verlor ihren Mann aus den Augen.

Um zu überleben, fischen die Flüchtlinge, arbeiten mit ihren Gastgebern auf den Feldern oder kehren einmal am Tag zum Bauernhof in Buda zurück. Aber sie leiden, nicht zuletzt unter der ungenügenden Gesundheitsversorgung. Ein Dreijähriger starb kurz nach seiner Ankunft in Toko Kata wegen mangelnder Behandlung. Zudem gibt es keine Schule.

UNHCR verteilt Hilfsmittel wie Werkzeuge, Hacken, Spitzhacken oder Schaufeln, die für die Arbeit auf dem Feld, die der Selbstversorgung dient, unerlässlich sind. Die Organisation unterstützt auch den Anbau von Nahrungsmitteln. Aber die Situation ist nach wie vor schwierig, und die Flüchtlinge sagen, es sei nicht sicher, nach Hause zurückzukehren.

„Es ist wichtig, diesen Flüchtlingen zu helfen“, sagte Thierry Maximim Dogba, stellvertretender Bürgermeister der nahe gelegenen Stadt Kouango. „Ihre Bedürfnisse sind groß, und unsere Mittel sind bescheiden. Wir rufen zur Solidarität auf und fordern Menschen dazu auf, ihnen zu helfen“.