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UNHCR-Chef Salih fordert neue Ausrichtung beim globalen Flüchtlingsschutz

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UNHCR-Chef Salih fordert neue Ausrichtung beim globalen Flüchtlingsschutz

Leben retten und Bedarf an Hilfe langfristig reduzieren
10. Februar 2026
Kenya. UNHCR Barham Salih in Kakuma municipality for his inaugural visit as High Commissioner for Refugees

Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, Barham Salih, hat die Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, die globale Reaktion auf Vertreibung grundlegend zu verändern. Er forderte eine Reduktion langfristiger Abhängigkeiten von humanitärer Hilfe sowie ein erneuertes Bekenntnis zu internationalem Schutz, dauerhaften Lösungen, geteilter Verantwortung und verstärkten Friedensbemühungen.

Salih äußerte sich dazu in seinem ersten Briefing für die Mitgliedstaaten seit seinem Amtsantritt zu Jahresbeginn. Er skizzierte dabei eine ambitionierte Orientierung für UNHCR, die ein umfassendes Reformprogramm umfassen wird.

„Humanitäre Hilfe rettet Leben und bleibt unverzichtbar, überall dort, wo Not entsteht“, sagte er. Doch wenn Notfallmaßnahmen zur Dauerlösung werden und ganze Generationen in Abhängigkeit gefangen bleiben, fehlt es an Nachhaltigkeit. Erfolg müssen wir daran messen, ob Menschen ihr Leben wieder aufbauen können.“

Salih betonte, wie zentral der internationale Schutz von Flüchtlingen bleibt. „Die Verpflichtung zur Einhaltung der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 ist heute genauso wichtig wie damals“, sagte er und verwies darauf, dass dieses Abkommen 2026 sein 75-jähriges Bestehen feiert.

Weltweit sind inzwischen fast 117 Millionen Menschen vertrieben, darunter 42,5 Millionen Flüchtlinge. Die meisten von ihnen leben jahre- oder jahrzehntelang in Situationen ohne echte Lösungsperspektive. Sie sind zwar vor unmittelbarer Gewalt geschützt, aber oft vom Zugang zu nationalen Systemen ausgeschlossen und dann dauerhaft auf Hilfe angewiesen – ein Zustand, der nicht als unvermeidlich gelten darf.

Salih formulierte das strategische Ziel, dass in den kommenden zehn Jahren immer weniger Flüchtlinge in Situationen leben sollen, in denen sie langfristig von humanitärer Hilfe abhängig sind. Dafür seien folgende Schritte nötig:

  • Förderung freiwilliger Rückkehr, lokaler Integration und Resettlement,

  • stärkere Verknüpfung humanitärer Maßnahmen mit Entwicklungs- und Friedensinitiativen,

  • Ausbau von Möglichkeiten zur eigenen Erwerbstätigkeit von Flüchtlingen,

  • und bessere Einbindungen in nationale Systeme.

Zu Beginn seiner Amtszeit besuchte Salih mehrere Regionen, die viele Vertriebene aufgenommen haben. In Kenia sah er, welche Chancen sich auftun, wenn Flüchtlinge arbeiten, lernen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Der Besuch im Tschad – wohin weiterhin Menschen vor dem Konflikt im Sudan fliehen – zeigte hingegen „das Ausmaß der Not und die Grenzen der verfügbaren Mittel“. In der Türkei und in Jordanien lag der Fokus auf der Lage syrischer Flüchtlinge und auf den Voraussetzungen für eine sichere und freiwillige Rückkehr.

Diese Situationen machten, so Salih, die doppelte Aufgabe des UNHCR deutlich: „Leben heute zu retten und zu verhindern, dass Menschen morgen in dauerhafter Vertreibung gefangen bleiben.“


Salih kündigte außerdem eine unabhängige Managementprüfung an, um Effizienz, Rechenschaftspflicht und finanzielle Transparenz von UNHCR zu stärken. Das soll vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen und im Einklang mit den Initiativen UN80 und Humanitarian Reset geschehen.


„Es geht nicht um weniger Engagement“, sagte er. „Es geht darum, unsere Vorhaben und Ressourcen so auszurichten, dass nicht die Menschen, die wir unterstützen, den Preis für Ineffizienz zahlen.“ Der Finanzbedarf von UNHCR für 2026 liegt bei 8,5 Milliarden Dollar; bis jetzt stehen UNHCR davon 1,574 Milliarden Dollar zur Verfügung.


Salih dankte UNHCRs Gebern für ihre Unterstützung im Jahr 2025, wies jedoch darauf hin, dass ein immer größerer Anteil der Gelder zweckgebunden ist. In dem Zusammenhang betonte er die Wichtigkeit flexibler und zuverlässiger Zuwendungen. Zudem kündigte er eine verstärkte Diversifizierung der Finanzierungsquellen an, unter anderem durch die geplante Einrichtung eines „Global CEO Council“.


Abschließend versprach Salih eine lösungsorientierte Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten: „Wenn wir die Organisation stabilisieren, Reformen auf den Schutz ausrichten und internationale Bemühungen auf dauerhafte Lösungen konzentrieren, können wir für Flüchtlinge, aufnehmende Gemeinschaften und Aufnahmeländer gleichermaßen wirksamer arbeiten.“