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Samuel Fitwi

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Samuel Fitwi

Vom Flüchtlingscamp in die deutsche Leichtathletik-Nationalmannschaft
21. Oktober 2026
Samuel Fitwi

Samuel Fitwi ist ein fester Bestandteil des deutschen Leichtathletik-Nationalteams und ein beeindruckendes Lauftalent. Sein Lebensweg führte ihn von seiner eritreischen Heimat über ein Flüchtlingscamp in Äthiopien bis zu den größten Laufwettbewerben der Welt.

 

Samuel Fitwi ist heute einer der besten Marathonläufer der Welt. Doch anders als die meisten Läufer seiner Klasse begann der 30-Jährige erst als Erwachsener mit dem Leistungssport. Ausgerechnet ein unter Schülerinnen und Schülern berüchtigter Cooper-Test sollte sein Leben verändern.

Vor zwölf Jahren kam Fitwi aus Eritrea nach Deutschland. Heute startet er für seine neue Heimat bei internationalen Wettkämpfen. Seine Geschichte führt von einer Kindheit zwischen Feldarbeit und Schule über eine Flucht durch mehrere Länder bis hin zum Spitzensport.

Zwischen Feldarbeit und Schule

Wenn Fitwi über seine Kindheit spricht, erzählt er zunächst von Arbeit. Er wurde vor 30 Jahren in Eritrea geboren und wuchs mit seiner Familie auf. Sein Vater war Soldat und deshalb nur selten zu Hause. Als ältestes Kind übernahm Fitwi früh Verantwortung für seine Geschwister und unterstützte seine Mutter.

„Ich war als Kind immer viel auf dem Feld“

Vormittags half er bei der Feldarbeit, nachmittags ging er zur Schule.

Es war ein Alltag, der ihm viel abverlangte. „Wenn man morgens aufsteht und frisch ist und dann auf dem Feld arbeitet, ist man als Kind müde“, erinnert er sich.

Aufgrund der Situation im Land entschloss er sich mit 17 Jahren zur Flucht.

Zunächst suchte er im benachbarten Äthiopien Schutz. Zu Fuß überquerte er die Grenze und verbrachte sieben Monate in einem Flüchtlingscamp. „Ich habe meinen 18. Geburtstag da verbracht. Meine Familie konnte also natürlich nicht dabei sein“, sagt er.

Von Äthiopien führte sein Weg weiter über den Sudan und Libyen nach Europa und schließlich nach Deutschland.

Sein neues Zuhause fand Fitwi zunächst in Stadtkyll, einer kleinen Gemeinde in der Vulkaneifel

Heute lebt er nicht weit entfernt. Als er ankam, besuchte er zwei Jahre lang ein Internat, um Deutsch zu lernen. Die Wochenenden verbrachte er bei seiner Gastfamilie – der Familie Linden, die mit 15 Menschen unter einem Dach lebte.

Aus der Gastfamilie wurde ein wichtiger Teil seines neuen Lebens.

„Sie sind wie meine eigene Familie. Ich habe auch ein Patenkind“

, erzählt Fitwi und berichtet vom Sohn seiner damaligen Gastschwester.

In diesem Umfeld begann auch seine Laufkarriere.

Am Ende eines Schuljahres stand der Cooper-Test an

Fitwi, der damals noch keinerlei Erfahrung als Leistungssportler hatte, lief allen Mitschülern davon.

„Da bin ich wahrscheinlich zu viel gelaufen“, resümiert er und lacht.

Als Fitwi am Abend nach Hause kam und seinem Gastvater von seinem Ergebnis erzählte, konnte dieser es zunächst kaum glauben. Doch das Ergebnis war der Beginn einer außergewöhnlichen sportlichen Laufbahn.

Fitwi begann zu trainieren und erhielt von Anfang an Unterstützung aus der Region. So lernte er auch Jörg Ullmann kennen, der ihn inzwischen seit vielen Jahren als Freund und Manager begleitet.

Training_Samuel Fitwi
Beim Höhentraining läuft Samuel Fitwi in Gebieten, in denen die Luft dünner ist. So gewöhnt sich sein Körper daran, Sauerstoff effizienter zu nutzen – und verbessert seine Ausdauer.

Ullmann erinnert sich, dass ihn damals ein Bekannter auf den jungen Mann aus Eritrea aufmerksam machte. Die beiden verstanden sich auf Anhieb.

Vom ersten Marathon zu Olympia

Im Februar 2023 trat Fitwi in Sevilla zu seinem ersten Marathon an. Er hatte sich gut auf den Wettkampf vorbereitet – startete dann aber entgegen den Ratschlägen seiner Trainer zu schnell.

„Das ist in die Hose gegangen. Ich bin nur 2:12 Stunden gelaufen“, sagt der Spitzensportler.

Doch für Ullmann zeigte das Rennen vor allem eines: das enorme Potenzial des jungen Läufers. „Samu ist damals die schnellste Zeit gelaufen, die ein deutscher Neuling jemals in den ersten 30 Kilometern gelaufen ist“, sagt er.

Ein Jahr später folgte einer der Höhepunkte seiner bisherigen Karriere: die Olympischen Spiele in Paris. Fitwi, inzwischen deutscher Staatsbürger, trat für die Nationalmannschaft an und erreichte mit einer Zeit von 2:09:50 Stunden den 15. Platz.

Paris Olympische Spiele

Ein Höhepunkt in Samuel Fitwis bisheriger Karriere: die Olympischen Spiele 2024 in Paris.

Dabei wurde er von einer besonderen Fangemeinde begleitet: Rund 200 Menschen aus der Vulkaneifel waren nach Paris gereist, um ihn anzufeuern.

„Kein anderer Deutscher hatte so viele Fans in Paris wie Samuel“, erinnert sich Jörg Ullmann.

„Ja, es gab wirklich viel Unterstützung“, sagt Fitwi bescheiden. Später zeigt er auf seinem Handy ein Foto der Menschen, die ihn auf seinem Weg begleitet haben.

Samuel Fitwi Fans

Rund 200 Unterstützer aus der Vulkaneifel reisten nach Paris, um Samuel Fitwi anzufeuern.

„Dann will man natürlich auch Medaillen nach Hause bringen“

Die Unterstützung ist für Fitwi bis heute ein Ansporn. „Wenn man Unterstützung bekommt und auch Sponsoren hat, dann will man natürlich auch Medaillen nach Hause bringen“, sagt er.

Für den nächsten Marathon in Frankfurt hat er deshalb ein klares Ziel: das Treppchen.

„Keiner flieht ohne Grund“

Doch Fitwis Geschichte handelt nicht nur vom Sport. Wenn er über seine Flucht spricht, möchte er auch vermitteln, warum Menschen ihre Heimat verlassen. Vor Krieg und Verfolgung.

In Deutschland hat Fitwi nicht nur ein neues Zuhause gefunden, sondern auch den Weg in die internationale Läuferelite geschafft. Heute trägt er bei den bedeutendsten Wettkämpfen der Welt das Trikot der deutschen Nationalmannschaft – etwas, das er sich bei seiner Flucht mit 17 Jahren wohl kaum hätte vorstellen können.