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Klimakrise trifft Vertriebene besonders hart

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Klimakrise trifft Vertriebene besonders hart

UNHCR fordert vor Klimakonferenz COP31 mehr Unterstützung
6. November 2026
Auswirkungen der Klimakrise im Südsudan

Eine Frau watet in Jonglei, Südsudan, durch überflutetes Gebiet. 

UNHCR, das UN-Flüchtlingshilfswerk, fordert dringend Maßnahmen zum Schutz von Millionen Flüchtlingen und anderen gewaltsam vertriebenen Menschen, die zunehmend verheerenden Folgen des Klimawandels ausgesetzt sind. Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz (COP31) im türkischen Antalya warnt UNHCR, dass die internationale Klimafinanzierung gerade besonders gefährdete Gemeinschaften nicht erreicht.

Laut einem neuen UNHCR-Bericht leben fast 90 Millionen gewaltsam vertriebene Menschen – und somit drei von vier weltweit –, in Ländern, die in hohem oder extremem Maße klimabedingten Gefahren ausgesetzt sind. Dazu gehören schwere Dürren, tödliche Überschwemmungen und extreme Hitze. Viele von ihnen sind vor Konflikten, Gewalt und Verfolgung geflohen. Nun sind sie mit einer weiteren Krise konfrontiert. An ihren Zufluchtsorten sind Ressourcen und Möglichkeiten zur Anpassung stark begrenzt.

Im Mittelpunkt des Reports stehen Berichte von acht Vertriebenen, deren Gemeinschaften besonders betroffen sind. Sie vermitteln eine eindringliche menschliche Perspektive, zeigen die Widerstandsfähigkeit und Lösungsansätze vertriebener Gemeinschaften auf und machen deutlich, wie wichtig es ist, ihre Stimmen in klimapolitische Entscheidungen einzubeziehen.

„Flüchtlinge erleben eine doppelte Ungerechtigkeit. Sie mussten vor Konflikten fliehen, die sie nicht verursacht haben, und sind nun einer Klimakrise ausgesetzt, zu der sie am wenigsten beigetragen haben“, sagte Antón Leis García, Beigeordneter Hoher Flüchtlingskommissar bei UNHCR. „Für Millionen Menschen ist der Klimawandel keine ferne Bedrohung. Er zerstört Unterkünfte, gefährdet Lebensgrundlagen und bedroht ihre Hoffnung, sich ein neues Leben aufzubauen. Wir dürfen nicht zulassen, dass diejenigen, die bereits so viel verloren haben, bei den weltweiten Klimaschutzmaßnahmen zurückgelassen werden.“

Der Klimawandel bedroht zudem zunehmend die Aussichten auf dauerhafte Lösungen für Vertriebene. Mehr als zwei von drei Flüchtlingen, die in der ersten Hälfte des Jahres 2026 in ihre Heimat zurückkehrten, gingen in Länder zurück, die besonders stark Klimarisiken ausgesetzt sind. Das wirft Fragen hinsichtlich der Dauerhaftigkeit ihrer Rückkehr auf. In Syrien, wo zuletzt fast vier Millionen Vertriebene zurückgekehrt sind, gefährden sinkende Grundwasserspiegel und klimatische Schocks den Wiederaufbau. Überschwemmungen entlang des Euphrat beschädigten im Mai viele Häuser und vertrieben erneut Tausende Menschen.

Extreme Hitze stellt eine weitere wachsende Bedrohung dar. Bis 2050 könnte jede dritte Flüchtlingssiedlung in Subsahara-Afrika an mindestens 100 Tagen im Jahr gefährlicher Hitze ausgesetzt sein. An mehr als der Hälfte aller untersuchten Standorte könnte es jährlich mindestens 50 zusätzliche Tage mit gefährlicher Hitze geben. In einigen Siedlungen in Äthiopien, darunter Helaweyn, könnte gefährliche Hitze an mehr als 200 Tagen im Jahr auftreten. Das birgt wachsende Risiken für die Gesundheit und Lebensgrundlagen Vertriebener und für ihre Möglichkeit, an den Orten zu bleiben, an denen sie Schutz gesucht haben.

Daneben haben wetterbedingte Katastrophen im vergangenen Jahrzehnt weltweit zu mehr als 255 Millionen Fluchtbewegungen innerhalb von Staaten geführt (Mehrfachvertreibungen sind hier mitberechnet). Das entspricht rund 70.000 Vertreibungen pro Tag. Für Ostafrika deuten Prognosen darauf hin, dass schwere Überschwemmungen im Zusammenhang mit einem sehr starken El-Niño-Phänomen bis Ende 2026 bis zu drei Millionen Menschen in Somalia, Kenia, Südsudan und Uganda vertreiben könnten, abhängig vom Ausmaß der Überschwemmungen. Die Region hat bereits verheerende Überschwemmungen erlebt. 2023 wurden dort mehr als zwei Millionen Menschen vertrieben, darunter Familien, die mehrfach fliehen mussten.

Der Klimawandel erhöht auch das Risiko von Staatenlosigkeit. Fast 90 Prozent der weltweit 4,7 Millionen erfassten staatenlosen Menschen leben in Ländern, die in hohem oder extremem Maße Klimagefahren ausgesetzt sind. Ohne rechtliche Anerkennung haben viele von ihnen Schwierigkeiten, Zugang zu humanitärer Hilfe oder Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel zu erhalten. Dies macht sie besonders gefährdet.

Trotz dieser Risiken erreicht die Klimafinanzierung weiterhin nicht ausreichend die Menschen, die sie am dringendsten benötigen. Fragile und von Konflikten betroffene Länder erhalten nur rund zehn Prozent der weltweiten Klimafinanzierung. Dabei beherbergen viele von ihnen große Zahlen von Flüchtlingen und Vertriebenen und sind zugleich schwer von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Daneben sind auch höhere Investitionen in die Anpassung an den Klimawandel wichtig, etwa in Rückkehrgebieten. Sie können die Reintegration unterstützen und Voraussetzungen für eine sichere, freiwillige und dauerhafte Rückkehr schaffen.

„Die Anpassung an den Klimawandel in fragilen und von Vertreibung betroffenen Gebieten ist eine Frage des Überlebens“, sagte Leis García. „Die Klimafinanzierung muss die Gemeinschaften erreichen, in denen der Bedarf am größten ist. Investitionen in Widerstandsfähigkeit, Lebensgrundlagen und nachhaltige Lösungen können heute dazu beitragen, weitere Vertreibung morgen zu verhindern. Flüchtlinge und ihre Aufnahmegemeinschaften müssen Teil dieser Investitionen sein und dürfen nicht erst im Nachhinein berücksichtigt werden.“

Flüchtlinge und Aufnahmegemeinschaften entwickeln bereits innovative Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels. Dazu gehört die Nutzung solarbetriebener Wassersysteme in der Sahelzone, klimaresiliente Landwirtschaft in Uganda oder die Wiederherstellung von Landflächen und Mangroven in Kolumbien. UNHCR arbeitet mit Regierungen, Entwicklungsakteuren und dem Privatsektor zusammen, um solche Initiativen zu unterstützen und auszuweiten. So können sich Gemeinschaften besser an den Klimawandel anpassen und zugleich ihre Eigenständigkeit stärken.

Auf der COP31 wird UNHCR Regierungen und Institutionen der Klimafinanzierung dazu aufrufen, Flüchtlinge und Vertriebene in nationale Klimapläne und Finanzierungsmechanismen einzubeziehen. Zudem müssen mehr langfristige Investitionen in die Klimaanpassung in fragile und von Vertreibung betroffene Gebiete fließen. Über kurzfristige humanitäre Hilfe hinaus braucht es nachhaltigere, lokal getragene Lösungen.

Die Türkei, eines der Länder, die weltweit die meisten Flüchtlinge aufgenommen haben, ist Gastgeberin der COP31. Die Konferenz bietet damit eine wichtige Gelegenheit, Vertreibung und die Bedürfnisse von Aufnahmegemeinschaften fest in den weltweiten Maßnahmen gegen den Klimawandel zu verankern.

Wichtige Zahlen zu Klimawandel und Vertreibung

  • Fast 90 Millionen Menschen: Mitte 2026 lebten drei von vier gewaltsam vertriebenen Menschen weltweit in Ländern, die in hohem oder extremem Maße klimabedingten Gefahren wie Überschwemmungen, Dürren und extremer Hitze ausgesetzt sind.
  • Mehr als zwei von drei Rückkehrern: In der ersten Hälfte des Jahres 2026 kehrten mehr als zwei Drittel der zurückkehrenden Flüchtlinge in Länder zurück, die stark durch Klimagefahren gefährdet sind. Dies kann die Dauerhaftigkeit der Rückkehr infrage stellen.
  • Fast 200 Tage gefährliche Hitze: Bis 2050 werden einige Flüchtlingscamps – etwa in Gambia, Eritrea, Äthiopien, Senegal und Mali – voraussichtlich an etwa 200 Tagen im Jahr gefährlichem Hitzestress ausgesetzt sein. Das ist ungefähr doppelt so viel wie heute.
  • 255 Millionen Fluchtbewegungen: Wetterbedingte Katastrophen haben im vergangenen Jahrzehnt weltweit mehr als 255 Millionen mal dazu geführt, dass Menschen innerhalb ihres Landes fliehen mussten.
  • Bis zu drei Millionen Menschen könnten durch El Niño vertrieben werden: Schwere Überschwemmungen im Zusammenhang mit einem sehr starken El Niño könnten bis Ende 2026 zwischen 770.000 und drei Millionen Menschen in Somalia, Kenia, Südsudan und Uganda vertreiben, abhängig davon, wie sich die Lage entwickelt.
  • Nur zehn Prozent: Fragile und von Konflikten betroffene Länder erhalten nur rund zehn Prozent der weltweiten Klimafinanzierung, obwohl dort viele der Menschen leben, die besonders stark durch den Klimawandel gefährdet sind.