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75 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention

Reden und Stellungnahmen

75 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention

Ein Meilenstein für den Flüchtlingsschutz weltweit
24. Juli 2026
Flüchtlinge, die vor der Gewalt in der äthiopischen Region Tigray fliehen, überqueren im November 2020 den Tekeze-Fluss in Richtung Sudan.

Flüchtlinge, die aus der äthiopischen Region Tigray fliehen, überqueren im November 2020 den Tekeze-Fluss in Richtung Sudan.

Die Genfer Flüchtlingskonvention wurde am 28. Juli 1951 zur Unterzeichnung geöffnet. Bis heute bildet sie die Grundlage des internationalen Flüchtlingsschutzes und gehört zu den wichtigsten völkerrechtlichen Instrumenten.

Die Konvention entstand aus den Lehren des Zweiten Weltkriegs. Sie legt ein einfaches Prinzip fest: Menschen, die vor Verfolgung fliehen müssen, brauchen Sicherheit und Schutz.

Krieg, Krisen oder Aufstände lassen sich nicht vorhersagen und können plötzlich auftreten. Die Konvention basiert auf der Erkenntnis, dass Menschen, die vor Verfolgung fliehen, geschützt werden müssen.

Seit 75 Jahren bietet sie Schutz für Menschen, die vor Konflikten und Verfolgung fliehen – sei es in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg, durch die Befreiungsbewegungen in Afrika, die Indochina‑Kriege und Militärdiktaturen in Lateinamerika bis zu aktuellen Krisen in Afghanistan, Syrien, der Ukraine und Sudan.

149 Staaten sind der Konvention, dem Protokoll von 1967 oder beiden beigetreten. Die Genfer Flüchtlingskonvention definiert, wer Flüchtling ist, welche Rechte Flüchtlinge haben und welche Standards Staaten einhalten müssen. Das Prinzip des Non‑Refoulement (Nichtzurückweisung), also das Verbot, Menschen in Gefahr zurückzuschicken, gilt als Völkergewohnheitsrecht und damit weltweit für jeden Menschen.

Die Genfer Flüchtlingskonvention hat sich als flexibles, anpassbares Instrument bewährt. Sie bleibt relevant, auch bei heutigen Herausforderungen wie geschlechtsspezifischer Verfolgung, Zwangsrekrutierung oder Risiken, die durch Klimafolgen verstärkt werden, wenn diese mit Konflikt oder Verfolgung zusammenfallen.

In einer Zeit der Rekordzahlen an Konflikten, laut dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz gab es im letzten Jahr über 130 bewaffnete Konflikte, gibt es weltweit rund 41,6 Millionen Flüchtlinge. Trotz polarisierten Debatten bleibt die öffentliche Unterstützung für das Recht auf Asyl hoch: Laut einer Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsunternehmen Ipsos unterstützen zwei Drittel der Befragten in 29 Ländern das Recht, vor Krieg oder Verfolgung in einem anderen Land Schutz suchen zu können.

Das globale Asylsystem steht jedoch unter Druck. Fast 70 Prozent der Flüchtlinge weltweit leben in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen. Viele dieser Staaten stehen selbst vor wirtschaftlichen Herausforderungen.

Sieben von zehn Flüchtlingen leben fünf Jahre oder länger im Exil.

Immer wieder wird argumentiert, dass die Genfer Flüchtlingskonvention heutigen Migrations- und Fluchtbewegungen nicht gerecht werde. UNHCR widerspricht dem. Die Genfer Flüchtlingskonvention bietet weiterhin den Rahmen, um zu unterscheiden, wer internationalen Schutz braucht – und wer nicht. Das ist nötig, um sicherzustellen, dass niemand in ein Land zurückgeschickt wird, wo Verfolgung, Folter oder ernsthafte Gefahr drohen.

Faire und effiziente Verfahren stärken den Schutz, und erhalten bei Aufnahmegesellschaften das Vertrauen in das Asylsystem. UNHCR arbeitet mit Staaten daran, Verfahren zu verbessern und Kapazitäten zu stärken. Menschen ohne Schutzbedarf brauchen kein Asyl und können – sofern eine Rückkehr in Sicherheit und Würde stattfindet – zurückgeschickt werden.

Grenzmanagement muss dabei an Schutzstandards ausgerichtet bleiben. UNHCR ist besorgt über Praktiken wie Pushbacks, verweigerten Zugang zum Territorium oder erzwungene Rückführungen. Die Genfer Flüchtlingskonvention bietet einen klaren Rahmen, um Grenzen zu kontrollieren und gleichzeitig Menschen mit Schutzbedarf zu schützen.

Eine weitere Schwierigkeit sind erhebliche Finanzierungslücken. UNHCR hat Stand Ende Juni nur 31 Prozent der nötigen Finanzierung erhalten. Das schränkt wichtige Leistungen für besonders gefährdete Menschen ein.

Zum 75. Jahrestag der Konvention ruft UNHCR zu einer erneuerten Verpflichtung zum Recht auf Asyl, zu stärkerer internationaler Zusammenarbeit und zu mehr Unterstützung für Flüchtlinge und Aufnahmegemeinschaften auf. In Dialogen auf lokaler, regionaler und globaler Ebene sollen 2026 konkrete Wege zur Stärkung des Flüchtlingsschutzes und zur Förderung von nachhaltigen Lösungen erarbeitet werden.

Zum 75. Jubiläum der Genfer Flüchtlingskonvention rufen wir die Staaten dazu auf, weiterhin im Geiste der Konvention solidarisch zu sein und das Recht auf Schutz und Asyl für Schutzbedürftige hochzuhalten.