Das Versprechen von Sicherheit und Würde muss erneuert werden
Das Versprechen von Sicherheit und Würde muss erneuert werden
Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge Barham Salih trifft im Januar 2026 sudanesische Flüchtlinge am Grenzübergang Adré im Tschad.
Morgen ist der Weltflüchtlingstag – ein Anlass, um den Mut und die Entschlossenheit von fast 42 Millionen Menschen zu würdigen, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung aus ihren Heimatländern fliehen mussten.
Flüchtlinge leisten jeden Tag einen Beitrag in den Gesellschaften, die sie aufgenommen haben – als Arbeiterinnen, Studierende, Nachbarn, Künstler, Sportlerinnen, Unternehmer und Führungspersönlichkeiten. Wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, bauen sie ihr Leben wieder auf und stärken zugleich die Gemeinschaften um sie herum.
Die Flucht aus der eigenen Heimat auf der Suche nach Sicherheit gehört zu den schwersten Entscheidungen, die ein Mensch treffen kann. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Doch auch wenn jemand zeitweise als Flüchtling bezeichnet wird, sollte das nicht die gesamte Identität eines Menschen bestimmen.
Flüchtlinge wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Nie sollten sie gezwungen sein, auch ihre Hoffnung zu verlieren – auf einen sicheren Ort zum Leben, auf Bildung und auf die Chance auf menschenwürdige Arbeit.
Die inakzeptable Wirklichkeit ist jedoch, dass Millionen Flüchtlinge heute in Abhängigkeit gefangen sind. Für ihr tägliches Überleben sind sie auf zunehmend knappe humanitäre Hilfe angewiesen. Diese Hilfe ist unverzichtbar und lebensrettend, aber sie allein reicht nicht aus. Für viel zu viele Flüchtlinge folgen auf eine Notsituation Jahre – manchmal Jahrzehnte – des Wartens.
Das muss sich ändern. Flüchtlinge brauchen mehr als Schutz vor Gefahr. Sie brauchen Perspektiven, um ihr Leben in Würde wieder aufzubauen. Flucht sollte ein vorübergehender Zustand sein, kein lebenslanges Schicksal.
Deshalb habe ich ein ambitioniertes Ziel angekündigt: Innerhalb von zehn Jahren soll die Zahl der Flüchtlinge, die sich in langanhaltender Vertreibung befinden und auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, um die Hälfte reduziert werden.
Wenn wir dieses Ziel erreichen – mit Fokus auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die den Großteil aller Flüchtlinge aufnehmen – kann das Leben von Millionen Menschen erheblich verbessert werden. Es bedeutet, nicht nur auf Vertreibung zu reagieren, sondern Lösungen zu finden.
Der diesjährige Weltflüchtlingstag erinnert zudem an ein historisches Versprechen: Vor 75 Jahren einigten sich Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg darauf, dass Flüchtlinge Schutz und Sicherheit erhalten sollen. Dieses Versprechen wurde in der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 verankert.
Heute ist die Botschaft klar: Wir müssen an diesem Versprechen festhalten. Denn solange nicht alle Menschen sicher sind, ist niemand wirklich sicher.
Das ist nicht nur ein Ausdruck von Solidarität, sondern ein Aufruf zum Handeln. Denn das Recht Schutz zu suchen, wurde für Zeiten wie diese geschaffen. Es liegt an uns allen, es zu verteidigen.
Für die fast 42 Millionen Flüchtlinge weltweit ist dieses Recht lebenswichtig. Es bedeutet den Unterschied zwischen Angst und Schutz, zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen Leben und Tod.
An diesem Weltflüchtlingstag sollten wir unser Engagement für Flüchtlinge überall erneuern – und für das Versprechen auf Schutz, das vor 75 Jahren für alle Menschen gegeben wurde.
ENDE