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Eine Chance für beide Seiten

Wie ein Düsseldorfer Unternehmen auf Menschen mit Fluchterfahrung setzt
17. August 2026
Frau Brocksieper und Frau Kordun gemeinsam im Büro

Nach der Corona-Pandemie hatte das Düsseldorfer Unternehmen Soltrx Transaction Services GmbH (STS) ein Problem: Stellen waren unbesetzt und es meldeten sich keine qualifizierten Bewerberinnen und Bewerber.

„Wir haben gesagt: Da werden wir nicht mehr fündig“, erinnert sich Sirkka Brocksieper, die in der Personalabteilung arbeitet. Also begann das Unternehmen, „über den Tellerrand zu blicken“ und gezielt nach Kandidatinnen und Kandidaten mit Fluchterfahrung zu suchen. Denn entscheidend seien für die meisten Stellen nicht perfekte Deutschkenntnisse. „Wir schauen zuerst auf die Qualifikation und die Eignung für die Stelle“, sagt Brocksieper. „Die Sprachdefizite kriegen wir aufgefangen.“

Unterstützung fand STS dabei unter anderem über Workeer. Die 2015 gegründete Jobplattform verbindet Unternehmen mit internationalen und geflüchteten Talenten und erleichtert Arbeitgebern den Zugang zu Bewerberinnen und Bewerbern, die sie über klassische Recruitingkanäle häufig nur schwer erreichen. Heute zählt Workeer zu den führenden spezialisierten Jobplattformen für Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte in Deutschland.

Zu den Menschen, die auf diesem Weg eine Stelle bei Soltrx gefunden haben, gehört Maryna Kordun. Die Ukrainerin floh vor dem Krieg nach Deutschland. Nach ihrer Ankunft besuchte sie einen Integrationskurs und suchte nach einer Möglichkeit, beruflich an ihre Erfahrungen anzuknüpfen. In der Ukraine hatte sie Informatik studiert.

Heute arbeitet Maryna Kordun im Testmanagement von STS. An ihren Einstieg erinnert sie sich noch gut. „Ich habe sofort gesagt, dass mein Deutsch nicht so gut ist“, erzählt sie. Dennoch erhielt sie die Stelle. Ausschlaggebend waren ihre fachlichen Kenntnisse. Die Sprache entwickelte sich Schritt für Schritt im Arbeitsalltag weiter.

Besonders wichtig sei dabei die Unterstützung ihrer Kolleginnen und Kollegen gewesen. „Sie helfen immer. Sie haben viel Geduld“, erzählt Maryna Kordun. Inzwischen hat sie die B1-Prüfung bestanden. Schwierigkeiten machen ihr noch die sprachlichen Nuancen. „In meiner Muttersprache kenne ich alle Worte“, sagt sie. Und - ziemlich sprachgewandt - erklärt sie weiter: „Im Deutschen ist es dafür nicht immer leicht, Ironie auszudrücken und Sachen durch die Blume zu sagen.“

STS unterstützt die sprachliche Weiterentwicklung seiner Mitarbeitenden gezielt, unter anderem durch bezahlte Sprachkurse. Die Erfahrungen seien positiv. „Da ist sehr viel Eigenantrieb“, sagt Sirkka Brocksieper. Viele wollten sich aktiv weiterentwickeln und neue Aufgaben übernehmen.

Für Menschen, die fliehen mussten, spielt Arbeit oft eine zentrale Rolle beim Ankommen in einem neuen Land. Beschäftigung ermöglicht nicht nur ein eigenes Einkommen, sondern auch soziale Kontakte und eine stärkere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Für Maryna Kordun hat sich seit ihrem ersten Vorstellungsgespräch vieles verändert. Mit ihrem unbefristeten Arbeitsvertrag zog sie aus Köln nach Meerbusch bei Düsseldorf. Die Arbeit gefällt ihr. „Ich möchte immer weiter lernen“, sagt sie.

„Wenn wir Menschen eine Perspektive bieten können, ist uns geholfen, denn sie wollen bleiben. Und ihnen natürlich auch“, erklärt Sirkka Brocksieper.