Dringend mehr Unterstützung für vertriebene Rohingya nötig

Dieser Tage jährt sich die Vertreibung der Rohingya zum ersten Mal.

Tausende von Rohingya leben derzeit in Flüchtlingsunterkünften in Cox’s Bazar, Bangladesch.

Seit August des vergangenen Jahres sind bereits mehr als 720.000 staatenlose Rohingya vor Gewalt und systematischer Diskriminierung im Rakhaing-Staat in Myanmar geflohen und haben Zuflucht in Cox Bazar, Bangladesch, gefunden. Dort befanden sich bereits rund 200.000 Rohingya, die in den Jahren zuvor vertrieben worden waren.

UNHCR wendet sich an die internationale Gemeinschaft und bittet um verstärkte Unterstützung der 900.000 staatenlosen Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch sowie Solidarität mit dem großzügigen Gastgeberland. Die gemeinschaftliche, internationale Verantwortung, jene Flüchtlinge zu schützen und eine Lösung der Krise zu finden, muss für alle Länder in der Region und darüber hinaus Priorität haben.

Zu Beginn der Krise stationierte UNHCR sofort zusätzliche Helfer in Bangladesch und flog mehr als 1.500 Tonnen an Hilfsgütern ein. Weitere Hilfsmittel wurden und werden weiterhin per Schiff oder über den Landweg gebracht. Das vergangene Jahr über haben unsere Teams, unterstützt von lokalen Behörden, rund um die Uhr daran gearbeitet, die Flüchtlinge zu schützen und zu unterstützen. Unsere Arbeit beinhaltet psychosoziale Beratung, Prävention von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, Feststellung der Anzahl an Familien und Identifizierung von sowie Hilfe für unbegleitete Kinder und andere besonders schutzbedürftige Flüchtlinge.

Das weltweit größte und am dichtesten besiedelte Flüchtlingslager Kutupalong in Cox’s Bazar wird derzeit von mehr als 600.000 geflüchteten Menschen bewohnt. Den Menschen Zuflucht, Zugang zu Wasser, sanitären Einrichtungen und Grundversorgung zu bieten, ist Tag für Tag eine Herausforderung. Ebenso herausfordernd ist es, Menschen adäquat zu schützen, wie z.B. die Sicherheit von Frauen und Mädchen zu gewährleisten.

In einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit wurden in den letzten Monaten intensive Vorbereitungen unternommen, um die Flüchtlingsunterkünfte vor den heftigen Monsunregenfällen zu schützen. Es wurden zahlreiche technische Maßnahmen gesetzt, um das Risiko von Erdrutschen und Überflutungen zu reduzieren. Hunderte freiwillige Flüchtlinge wurden mobilisiert und lernten, als Ersthelfer im Falle von Naturkatastrophen zu agieren. Diese Bemühungen haben sich während der noch nie dagewesenen Regenfälle im Juni und Juli als unbezahlbar erwiesen, als das Camp die widrigen Wetterbedingungen größtenteils gut überstand.

UNHCR appelliert erneut an die internationale Staatengemeinschaft, vermehrt Unterstützung für geflüchtete Menschen sowie die Aufnahmegemeinden in Bangladesch zu leisten. Neben den lebensrettenden Maßnahmen bräuchte es beispielsweise auch Mittel, um Kindern Schulbildung zu ermöglichen. Der Einfluss auf die Umwelt, den die Unterbringung der hunderttausend Geflüchteten in und rund um Cox’s Bazar mit sich bringt, muss außerdem verändert werden – etwa durch Aufforstung und die Verwendung von alternativen Brennstoffen beim Kochen und Heizen. Diese Woche haben wir damit begonnen, Flüssiggas an die ersten 7.000 Haushalte geflohener Menschen zu verteilen. UNHCR plant, bis zum Jahresende diesen Brennstoff an weitere 100.000 Haushalte, also an rund 500.000 Flüchtlinge, zu liefern.

UNHCR ist sehr besorgt, dass von den benötigten 950,8 Millionen US-Dollar für die Zeit zwischen März und Dezember 2018 bis Mitte August erst 33 Prozent verfügbar waren. Die rasche und flexible finanzielle Unterstützung ist unabdingbar, um weiterhin lebensrettende Hilfe gewährleisten und die Lebensbedingungen der Flüchtlinge und jene in der Aufnahmeregion in Bangladesch verbessern zu können.

Es ist wichtig vor diesem Hintergrund nicht vergessen, dass die Lösung dieser Krise in Myanmar liegt. Internationale Unterstützung wird gebraucht, um der Regierung Myanmars dabei zu helfen, die Wurzel der Krise zu thematisieren, wie es die Beratungskommission des Rakhine-Staats, bisher unter Leitung des kürzlich verstorbenen Kofi Annan, empfiehlt. Dabei sollte die Bewegungsfreiheit aller Menschen im Rakhine-Staat unabhängig von Ethnie, Religion oder Status der Staatsangehörigkeit gesichert sein, ebenso wie der Weg aus der Staatenlosigkeit zur Staatsbürgerschaft. Die Bereitschaft von Myanmars Behörden, in diesem Prozess die Führung zu übernehmen, ist ausschlaggebend.