Chemie und YouTube – Durra geht ihren eigenen Weg

Die Studentin ermutigt andere junge Frauen, sich für ihre Träume einzusetzen.

Verfahrenstechnik findet Durra besonders interessant, da das Studienfach Elemente aus verschiedenen Fachrichtungen verbindet. © UNHCR / S. Steindl

„An dem Tag, an dem das Studium anfing, dachte ich mir: Wow. Ich habe es wirklich geschafft. Ich bin hier“, erinnert sich die 20-jährige Durra. Doch der Weg bis zur Universität war für sie kein leichter. 2016 musste Durra mit ihrer Familie aus ihrer Heimat in Syrien nach Österreich flüchten. Ein neues Land, eine neue Sprache, ein neues Bildungssystem. Die ersten Monate in Österreich waren für sie eine große Herausforderung. Mittlerweile findet sie sich hingegen gut zurecht und konnte sogar ihr Studium beginnen. Einer ihrer größten Wünsche ist es, nun auch anderen jungen arabischsprachigen Studierenden dabei zu helfen, sich im österreichischen Universitätswesen zu orientieren.

Bereits mit 13 Jahren interessierte sich Durra für Chemie. „Die Farben und die chemischen Reaktionen, wenn man Substanzen mischt … das fand ich toll“, sagt die Studentin.

Als sie älter wurde, recherchierte sie im Internet und stieß auf die Studienrichtung Verfahrenstechnik. Das ist ein Bereich, der Elemente aus verschiedenen Fachrichtungen verbindet und in dem erst wenige Frauen arbeiten. Durra war begeistert und entschied, dieses Fach später einmal zu studieren.

Bis dahin sollte es aber noch eine schwierige Zeit werden. In Syrien brach der Krieg aus und das Leben des jungen Mädchens veränderte sich drastisch. Irgendwann wurde es für die Familie in Syrien zu gefährlich und sie flüchteten nach Österreich. Endlich waren sie in Sicherheit und konnten sich langsam ein neues Leben aufbauen.

Durra war fest entschlossen. Sie wollte die neuen Möglichkeiten, die ihr das Leben in Österreich bot, nutzen. Nach nur neun Monaten absolvierte sie den Vorstudienlehrgang. Dieser Lehrgang bereitet ausländische Studierende auf ein ordentliches Studium an österreichischen Universitäten vor. Dieser dauert normalerweise, abhängig von den jeweiligen Deutschkenntnissen, zwei bis vier Semester. Durra absolvierte zusätzliche private Deutschkurse, um die Sprache so schnell wie möglich zu lernen. Mittlerweile hat sie schon Deutsch auf B2-Niveau gelernt. Auf diesem Niveau kann man bereits komplexere deutsche Texte verstehen und mühelos ein Gespräch führen. Neben dem Deutschunterricht musste sie im Vorstudienlehrgang Prüfungen in Chemie, Physik und Mathematik nachholen. „Ich konnte hier viele neue Sachen lernen, wie organische Chemie zum Beispiel“, erklärt sie begeistert.

Durra und ihr Betreuer Dipl.-Ing. Dr. Laminger besprechen ein Studierendenprojekt, das Kaffee rösten und sieden kann. © UNHCR / S. Steindl

Nachdem sie den Vorstudienlehrgang abschloss und alle Prüfungen bestanden hatte, konnte sie endlich das ordentliche Studium der Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Wien beginnen.

Unterstützung bekam sie von Anfang an von ihren Eltern, im Gegensatz zu anderen Mitgliedern ihrer Familie. „Manche fragten mich: Warum willst du genau das studieren? Das machen doch nur Männer.“ Sie antwortete: „Gerade, weil es so wenige Frauen studieren, möchte ich es machen.“ In ihrem Jahrgang sind von insgesamt 70 Studierenden jedoch bereits 34 Frauen. Durra freut sich über das ausgewogene Verhältnis und hofft auf regen Austausch unter den Studierenden.

Durra möchte auch anderen jungen arabischsprachigen Studierenden dabei helfen, sich im österreichischen Universitätswesen zu orientieren. © UNHCR / S. Steindl

Gleichzeitig mit ihrem Einstieg in das österreichische Bildungssystem begann Durra YouTube-Videos zu produzieren. In den Videos spricht sie über ihre Erfahrungen im Vorstudienlehrgang und an der Universität. Die Videos sind für junge arabischsprachige Menschen, die neu nach Österreich kommen und sich noch nicht so gut zurechtfinden. „Am Anfang kannte ich mich gar nicht aus und hatte auch keine Freunde, die mich hätten unterstützen können. Das war ganz schön frustrierend. Deshalb möchte ich anderen jungen Geflüchteten helfen, denn wir müssen da alle durch.“

Ihr Ratschlag für alle, insbesondere für Mädchen, ist: „Arbeitet hart! Es ist schwierig, aber machbar. Mädchen werden in unserer Gesellschaft oft Steine in den Weg gelegt, wenn sie ihren Träumen nachgehen. Man darf sich nicht unterkriegen lassen!“