Griechenland muss angesichts der Situation auf den Inseln handeln

Überbelegung auf den Inseln und die dramatische Situation in den Aufnahmezentren erfordert dringendes Handeln – Unterstützung der EU ist zentral

Zeltreihen vor dem Empfangszentrum von Moria auf der Insel Lesbos, Griechenland. © UNHCR/Gordon Welters

UNHCR fordert Griechenland auf, tausende Asylsuchende dringend aus den gefährlich überfüllten Aufnahmezentren auf den griechischen Ägäis-Inseln herauszuholen. Im September sind 10.258 Menschen über das Meer angekommen – vorrangig afghanische und syrische Familien. Das ist der höchste Stand seit dem Jahr 2016. Dieser Anstieg trägt dazu bei, dass sich die Bedingungen auf den Inseln verschlechtern. Derzeit leben rund 30.000 Asylsuchende auf den griechischen Inseln.

Die Situation auf den Inseln Lesbos, Samos und Kos ist kritisch. Im Aufnahmezentrum Moria auf Lesbos leben mit 12.600 Menschen fünfmal mehr Menschen als die Kapazität des Zentrums zulässt. In einer nahegelegenen informellen Siedlung teilen sich 100 Menschen eine einzige Toilette. Die Spannungen in Moria sind nach wie vor hoch, nachdem am Sonntag eine Frau durch ein Feuer in einem Wohncontainer getötet wurde. Darauffolgende Ausschreitungen von frustrierten Asylsuchenden führten zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Auf Samos sind im Aufnahmezentrum Vathy 5.500 Menschen unterbracht – achtmal mehr als die angedachte Kapazität. Die meisten Menschen schlafen in Zelten. Sie haben kaum die Möglichkeit, ordentliche Latrinen und sauberes Wasser zu nutzen oder medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen. Auch auf Kos haben sich die Bedingungen stark verschlechtert. Dort leben 3.000 Menschen auf einem Raum, der für 700 Menschen ausgelegt ist. Die Menschen auf den Inseln unter diesen unzulänglichen und unsicheren Bedingungen unterzubringen, ist unmenschlich und muss beendet werden.

UNHCR begrüßt die Erklärung der griechischen Regierung, dass die Entlastung der Inseln und der Schutz unbegleiteter Kinder Priorität haben. Wir nehmen auch die auf einer außerordentlichen Kabinettssitzung am Montag angekündigten Maßnahmen der Regierung zur Kenntnis, die darauf abzielen, die Asylverfahren zu beschleunigen und die Ankünfte nach Griechenland zu steuern. UNHCR erhofft sich mehr schriftliche Details, zu denen wir dann Position beziehen können.

Dennoch sind dringende Maßnahmen erforderlich. Wir fordern die griechischen Behörden auf, die Pläne zur Überstellung von über 5.000 Asylsuchenden, die bereits zur Fortsetzung ihres Asylverfahrens auf dem Festland zugelassen sind, zu beschleunigen. Parallel dazu müssen neue Unterkünfte geschaffen werden, um zu verhindern, dass der Druck und die Probleme von den Inseln auf das griechische Festland verlagert werden. Auch auf dem Festland sind die meisten Standorte ausgelastet. UNHCR wird auf Bitte der Regierung im Oktober weiterhin Transfers auf das Festland unterstützen.

Längerfristige Lösungen, einschließlich der Unterstützung von Flüchtlingen, sind ebenfalls erforderlich, damit geflüchtete Menschen unabhängiger werden und sich in Griechenland integrieren können.

Besonders besorgniserregend ist die Notlage unbegleiteter Kinder – insgesamt mehr als 4.400 – von denen nur jedes vierte Kind altersgerecht untergebracht ist.

Etwa 500 Kinder sind mit fremden Erwachsenen in einem großen Zelt in Moria untergebracht. Auf Samos wechseln sich mehr als ein Dutzend unbegleiteter Mädchen ab, um in einem kleinen Container zu schlafen, während andere Kinder gezwungen sind, auf Containerdächern zu übernachten. Angesichts der äußerst riskanten Bedingungen, die potenziell Missbrauch Vorschub leisten, appelliert UNHCR an die europäischen Staaten, Kinder für die Umsiedlung (Relocation) zu priorisieren und die Verfahren jener Kinder mit Anspruch auf Familiennachzug zu beschleunigen.

UNHCR arbeitet weiterhin mit den griechischen Behörden zusammen, um Kapazitäten aufzubauen und um die Herausforderungen zu bewältigen. Im Rahmen des von der EU finanzierten ESTIA-Programms verwaltet UNHCR über 25.000 Plätze in Wohnungen für einige der am stärksten gefährdeten Asylsuchenden und Flüchtlinge. Rund 75.000 Menschen erhalten im Rahmen desselben Programms monatlich Bargeldhilfe. UNHCR ist bereit, mit Unterstützung der EU und anderer Geber sein Bargeldhilfe-Programm für Unterkünfte auszuweiten. Dieses System ermöglicht es Asylsuchenden mit berechtigten Anspruch, die Inseln zu verlassen und sich auf dem Festland niederzulassen.

Griechenland hat in diesem Jahr die meisten Ankünfte im gesamten Mittelmeerraum verzeichnet – rund 45.600 von insgesamt 77.400. Das sind mehr als Spanien, Italien, Malta und Zypern zusammen.