Flüchtlingscamps in Bangladesch überfüllt: Tausende in provisorischen Unterkünften

Die Situation in Bangladesch spitzt sich zu: aktuellen Schätzungen zufolge sind in den vergangenen zwei Wochen mehr als 270.000 Menschen vor Gewalt in Myanmar nach Bangladesch geflohen.

Flüchtlinge finden kaum mehr Platz im bereits überfüllten Flüchtlingscamp Kutupalong in Bangladesch. © UNHCR/Vivian Tan

GENF, Schweiz – Die Zahl der Flüchtlinge aus dem Staat Rakhine im Norden Myanmars ist nochmals dramatisch angestiegen. UNHCR ruft dringend dazu auf, sich unverzüglich mit den den Ursachen für den dortigen Gewaltanstieg zu befassen, sodass die Menschen nicht länger zur Flucht gezwungen werden und schlussendlich in Sicherheit und Würde in ihre Heimat zurückkehren können.

In den vergangenen zwei Wochen sind geschätzte 270.000 Angehörige der Rohingya nach Bangladesch geflohen. Die begrenzten Aufnahmekapazitäten der dortigen Camps sind bereits erschöpft; Die Flüchtlinge halten sich nun in provisorischen Unterkünften auf, die in großer Zahl entlang von Straßen und auf freien Flächen in den Regionen Ukhiya und Teknaf entstanden sind.

Die Angehörigen der Rohingya sind eine staatenlose muslimische Minderheit in Myanmar, die seit Jahrzehnten mit Diskriminierung und extremer Armut zu kämpfen haben. Grundrechte genießen sie dort nicht: sie haben kein Recht auf Bildung oder Arbeit, sie dürfen sich nicht frei bewegen und auch andere soziale, zivile oder politische Rechte sind ihnen verwehrt. Die Angehörigen der Rohingya, die aus Myanmar fliehen, sind deswegen staatenlose Flüchtlinge, was sie noch gefährdeter macht und die Suche nach Lösungen nur noch schwieriger werden lässt.

Die meisten Flüchtlinge erreichen Bangladesch zu Fuß, in der Regel nach einem mehrtägigen Marsch durch den Dschungel und über die Berge. Tausende riskieren aber auch die lange und schwierige Bootsfahrt über die stürmische See des Golf von Bengalen. Sie warten an der Grenze von Myanmar, bis Fischerboote sie nach Teknaf in Bangladesch bringen. Der überwiegende Großteil von ihnen sind Frauen, Mütter mit neugeborenen Babys und Familien mit Kindern. Wenn sie Bangladesch erreichen, sind sie in einem desolaten Zustand: erschöpft, ausgehungert und auf der Suche nach Obdach. Wir sind weiterhin sehr beunruhigt über Berichte, denen zufolge Zivilisten auf der Flucht zu Tode gekommen sind.

Die beiden Flüchtlingscamps in Cox’s Bazar im Südosten von Bangladesch – sie beherbergten bereits vor den aktuellen Fluchtbewegungen etwa 34.000 Menschen – sind nun hoffnungslos überfüllt. Die Zahl der Bewohner hat sich in zwei Wochen auf mehr als 70.000 Personen mehr als verdoppelt. Weitere Unterkünfte und freie Flächen werden dringend gebraucht.

UNHCR und unsere Partnerorganisationen bemühen sich darum, Schutz und lebenswichtige Hilfen für die in die Camps Kutupalong und Nayapara kommenden Menschen bereitzustellen. Wir arbeiten weiter daran, die am meisten gefährdeten Flüchtlinge zu identifizieren. Dazu gehören unbegleitete Kinder, Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, die dringend eine Unterkunft, Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung benötigen. Wir rufen dazu auf, alle Flüchtlinge bei Ankunft zu registrieren, um ihren Schutz zu gewährleisten und ihnen den Zugang zu den wichtigsten Hilfsleistungen zu ermöglichen.