Südsudanesischer Chirurg gewinnt UNHCR Nansen Flüchtlingspreis

Der südsudanesische Chirurg Dr. Evan Atar Adaha gewinnt den prestigeträchtigen Preis, der seit 1954 besonderes Engagement für Flüchtlinge auszeichnet.

Dr. Evan Atar Adaha, Gewinner des Nansen-Flüchtlingspreis 2018, mit einem Neugeborenen. © UNHCR/Will Swanson

Der südsudanesische Chirurg Dr. Evan Atar Adaha ist der diesjährige Gewinner des Nansen-Flüchtlingspreis von UNHCR. Dr. Atar wird für sein herausragendes, schon 20 Jahre währendes Engagement in der medizinischen Versorgung von Menschen ausgezeichnet, die vor Konflikten und Verfolgung im Sudan und Südsudan fliehen mussten, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk am Montag mitteilte. Adaha kümmert sich dabei auch um Menschen, die Flüchtlinge aufgenommen haben.

Dr. Atar arbeitet in Bunj, im Nordosten des Südsudans, wo er das einzige funktionierende Krankenhaus leitet, das mehr als 200.000 Menschen versorgt. Darunter sind 144.000 Flüchtlinge aus dem sudanesischen Blue Nile State und die rund 53.000 Einwohner des dortigen Bezirks Maban.

Sein Team im Krankenhaus von Maban führt durchschnittlich 58 Operationen pro Woche unter schwierigsten Bedingungen durch, mit begrenzten Mitteln und Geräten. Eine Vollnarkose ist nicht vorgesehen, das einzige Röntgengerät ist kaputt, der einzige Operationssaal wird von nur einer Lichtquelle beleuchtet und der Strom wird von Generatoren geliefert, die oft ausfallen. Da es das einzige Krankenhaus im Bundesstaat Oberer Nil ist, ist es oft voll mit Patienten und die Stationen müssen manchmal unter freiem Himmel eingerichtet werden.

Der Südsudan, seit 2011 unabhängig und die jüngste Nation der Welt, wird seit vier Jahren von einem Bürgerkrieg erschüttert. Das Ergebnis ist die grösste Flüchtlingskrise Afrikas und die drittgrösste der Welt. Es ist die am schnellsten wachsende Flüchtlingssituation auf dem gesamten Kontinent. Fast 1,9 Millionen Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht und weitere 2,5 Millionen haben in den Nachbarländern Zuflucht gesucht.

„Die Krise im Südsudan hat verheerende Auswirkungen auf Millionen von Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden oder deren Leben durch Konflikte, Gewalt und Nahrungsmangel ins Unglück gestürzt wurde“, sagte Filippo Grandi, der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge. „Doch auch Mitten in dieser Tragödie haben sich Menschen durch Heldentaten und Barmherzigkeit hervorgetan. Dr. Atars Arbeit ist ein leuchtendes Beispiel für tiefe Menschlichkeit und Selbstlosigkeit. Durch seine unermüdlichen Bemühungen wurden Tausende von Menschenleben gerettet.“

Im Jahr 2017 waren 71 Prozent seiner Patienten Flüchtlinge, aber sein Engagement für alle Menschen in Not unabhängig von ihrer Herkunft, brachte ihm den Respekt der Flüchtlinge und der lokalen Bevölkerung ein. „Wir behandeln hier jeden, unabhängig davon, wer er ist – ob Flüchtling, Binnenvertriebener oder aus der lokalen Bevölkerung”, sagt Dr. Atar. „Es macht mich sehr glücklich, wenn ich sehe, dass meine geleistete Arbeit jemanden vor Leid bewahrt oder sogar sein Leben gerettet hat.“

Dr. Atar arbeitet manchmal 48 Stunden ohne Pausen und ist zu jeder Zeit erreichbar. Das persönliche Opfer, das er bringt, ist enorm. Er lebt in einem Zelt in der Nähe des Krankenhauses, seine Familie lebt in Nairobi, Kenia. Er kann sie nur dreimal im Jahr in kurzen Ferienzeiten besuchen, wo er sich von seiner zermürbenden Arbeit erholt.

Im Südsudan leben fast 300.000 Flüchtlinge, 92 Prozent von ihnen sind Sudanesen aus den Regionen Südkordofan und Blauer Nil nahe der südsudanesischen Grenze. UNHCR verfügt derzeit nur über 15 Prozent der für die Bewältigung dieser Notlage veranschlagten Mittel. Dennoch finanziert UNHCR die Arbeit von Dr. Atar über seine Partnerorganisation „Samaritan’s Purse“ (SP).

Der Nansen-Flüchtlingspreis von UNHCR würdigt aussergewöhnliche Verdienste für Menschen, die vor Konflikten, Menschenrechtsverletzungen und Kriegen fliehen. Er ist mit 150 000 Dollar dotiert. Dr. Atar ist der weltweite Gewinner des Nansen-Preises, der seit 1954 vergeben wird. Europäischer Gewinner war in diesem Jahr ein Deutscher: Andreas Hollstein, Bürgermeister der kleinen Stadt Altena im Sauerland.

 

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