Krise in Syrien geht ins neunte Jahr – Statement von Angelina Jolie

Gewalt und Zerstörung in Syrien verursachen weiterhin Leid für Millionen von Menschen, warnte die UNHCR-Sondergesandte Angelina Jolie anlässlich des achten Jahrestages der Krise in Syrien.

UNHCR-Sondergesandte Angelina Jolie spricht mit syrischen Kindern im Lager Za'atari in Jordanien, Januar 2018. ©UNHCR/ Ivor Prickett

Seit Beginn der Krise im März 2011 ist die Hälfte der syrischen Bevölkerung gewaltsam vertrieben worden. Mehr als 5,6 Millionen Syrer leben als Flüchtlinge in der gesamten Region. Millionen weitere sind zu Binnenvertriebenen geworden.

„Meine Gedanken sind beim syrischen Volk, während ein weiteres Jahr des verheerenden Konflikts anbricht. Ich denke insbesondere an die Millionen von Syrern, die in der Region als Flüchtlinge ums Überleben kämpfen, an all die Familien, die innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben wurden, und an all diejenigen, die Verletzungen, Traumata, Hunger und den Verlust von Familienmitgliedern erlitten haben.

Millionen von Syrern haben keine Rolle im Krieg gespielt, sondern leben mit den schrecklichen Folgen. Es ist kaum möglich, die Widerstandsfähigkeit und Würde der syrischen Familien zu beschreiben, die ich getroffen habe. Jeder syrische Flüchtling, mit dem ich in den letzten acht Jahren Zeit verbracht habe, ob jung oder alt, hat von der Sehnsucht nach Frieden in Syrien gesprochen, damit sie sicher nach Hause zurückkehren können. Einige haben bereits begonnen, zurückzukehren – intern vertriebene Familien und in geringerem Maße auch Flüchtlinge. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Rückkehr der Flüchtlinge von ihnen selbst und auf Grundlage fundierter Erkenntnisse, und nicht von der Politik gesteuert wird. Es ist wichtig, mit Flüchtlingen zu sprechen und ihre Perspektiven und Anliegen in den Mittelpunkt der zukünftigen Rückkehrplanung zu stellen – es geht um ihre Rechte.

Inzwischen wächst die Kluft zwischen dem, was syrische Flüchtlinge und Binnenvertriebene zum Überleben brauchen, und der ihnen zur Verfügung stehenden humanitären Hilfe von Tag zu Tag. Es gibt Syrer im Land, die versuchen, ihr Leben um die Trümmer herum wieder aufzubauen, ohne die notwendige Unterstützung. Millionen von syrischen Flüchtlingsfamilien leben unter der Armutsgrenze und wachen jeden Tag auf, ohne zu wissen, ob sie Nahrung oder Medikamente für ihre Kinder haben werden, und kämpfen mit Schulden, die sich während acht Jahren des Exils angesammelt haben.

Frauen und Mädchen sind mit zusätzlichen Belastungen konfrontiert, einschließlich stark eingeschränkter Arbeitsmöglichkeiten und sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt wie Zwangs- und Kinderehe, sexuellen Missbrauch und Ausbeutung sowie häuslicher Gewalt. Die Aufnahmeländer – Türkei, Libanon, Jordanien, Irak und Ägypten – haben so viel getan, um den Flüchtlingen zu helfen, aber sie brauchen dringend finanzielle Mittel, damit sie weiterhin Millionen von Flüchtlingen unterstützen und ihrer lokalen Bevölkerung helfen können, um den wirtschaftlichen und sozialen Druck zu bewältigen.

Während der Konflikt andauert und bis die Syrer in ihre Heimat zurückkehren können, können wir zumindest versuchen, diese dringenden humanitären Bedürfnisse zu decken: das menschliche Leid so weit wie möglich zu minimieren und zu versuchen, einen Teil der Schäden abzumildern, die durch diese acht verlorenen Jahre sinnlosen Konflikts verursacht wurden. Das ist das absolute Minimum, das wir für ein Volk tun können, das so viel mehr verdient: das Recht, in Frieden und Sicherheit und Würde in seinem Land zu leben.“