UNHCR, UNICEF und IOM rufen europäische Staaten dazu auf, Bildung für Flüchtlings-und Migrantenkinder zu verstärken

Zentrale Herausforderung sind der Mangel an Schuleinrichtungen, nicht adäquat ausgebildetes Lehrpersonal, Sprachbarrieren und ein limitierter Zugang zu psychosozialer Unterstützung

Kinder, die im Empfangs- und Identifikationszentrum Pyli leben, lernen Griechisch im informellen Bildungszentrum KEDU auf der griechischen Insel Kos. © UNHCR/Socrates Baltagiannis

Brüssel/Genf – Die drei UN-Organisation appellieren an europäische Staaten, Ressourcen und praktische Unterstützung in ihren Schulsystemen zu erhöhen, um sicherzustellen, dass alle geflüchteten, asylsuchenden und migrierenden Kinder Zugang zu hochwertiger Bildung haben.

In einem heute gemeinsam vom UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR, dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF und der UN-Organisation für Migration IOM veröffentlichten Bericht werden die Hürden beim Zugang zu Bildung für Kinder und Jugendliche, die außerhalb Europas geboren wurden, detailliert beschrieben.

Aktuell ist die Quote der SchulabbrecherInnen in dieser Gruppe fast doppelt so hoch wie jene bei europäischen Schulkindern. Zudem erzielen Migrantenkinder geringere Lernerfolge, wenn sie nicht adäquat unterstützt werden.

So erreichen beispielsweise etwa drei von vier europäischen SchülerInnen naturwissenschaftliche, mathematische und sprachliche Kompetenzen, aber nur drei von fünf SchülerInnen mit Migrationshintergrund. Besonders häufig brechen Jugendliche ab 15 Jahre und älter die Schule ab, da sie oft aus dem Rahmen der gesetzlichen Schulpflicht fallen.

Der Bericht hebt folgende zentralen Herausforderungen hervor:

  • Unzureichende finanzielle Ressourcen
  • Nicht genügend Schulplätze oder LehrerInnen, die für die Arbeit mit geflüchteten und Migrantenkindern ausgebildet sind
  • Sprachbarrieren
  • Fehlende psychosoziale Unterstützung und geringe Zahl an Förderklassen. Letztere sind unverzichtbar für Kinder, die über einen längeren Zeitraum keine Schule besucht haben oder aus einem anderen Schulsystem kommen.

Kinder im Vorschulalter (drei bis fünf Jahre) und Jugendliche mit 15 Jahren oder älter sind besonders gefährdet, keine Schule zu besuchen, da sie sich oft außerhalb des jeweiligen gesetzlich vorgesehenen Pflichtschulrahmens befinden.

Um Staaten dabei zu unterstützen, diese Herausforderungen zu bewältigen und Datenlücken in Angriff zu nehmen, stellt der vorliegende Bericht gute und vielversprechende Praktiken im Bildungsbereich in ganz Europa vor und bietet eine Reihe von Handlungsempfehlungen.

„Für Flüchtlingskinder ist Bildung nicht nur für ihre eigene Zukunft, sondern auch für die Gemeinschaften, in denen sie leben, von entscheidender Bedeutung. Eine qualitativ hochwertige Bildung erhöht die Zukunftschancen, erleichtert die Integration und kommt SchülerInnen und der Gesellschaft gleichermaßen zugute. Investitionen in Bildung gehören zu den sinnvollsten, die eine Regierung tätigen kann“, sagte Pascale Moreau, Direktorin des UNHCR-Europabüros.

Der Bericht ruft die Staaten nachdrücklich dazu auf, die Zusammenarbeit zwischen Schulen und anderen relevanten öffentlichen Einrichtungen im Bereich Gesundheit und Kinderschutz zu stärken, um den Schulbesuch von verschiedensten Seiten zu erleichtern.

Es wird auch empfohlen, den Zugang zu frühkindlichen Bildungseinrichtungen zu verbessern sowie junge Menschen dabei zu unterstützen, weiterführende Schulen zu besuchen oder Ausbildungen abzuschließen.

„Mit politischem Willen und zusätzlichen Investitionen können Regierungen in ganz Europa integrative öffentliche Schulsysteme aufbauen und sicherstellen, dass alle Kinder, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, ihr Recht auf Bildung wahrnehmen und gleichzeitig an dem Aufbau einer inklusiven und erfolgreichen Gemeinschaft teilhaben können“, sagte Afshan Khan, UNICEF-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien und Sonderkoordinatorin für die Flüchtlings- und Migrationshilfe in Europa.

Die drei UN-Organisationen rufen die europäischen Staaten weiters dazu auf, ihre Anstrengungen zu verstärken und weitere Investitionen auf nationaler und regionaler Ebene zu tätigen, um qualitativ hochwertige, standardisierte und harmonisierte Daten über Kinder mit Flucht- und Migrationshintergrund in der Bildung zu sammeln. So können informierte Entscheidungen getroffen und Ressourcen entsprechend zugewiesen werden.

„Die Überwindung von Bildungslücken bei Flüchtlings- und Migrantenkindern ist für ihre Entwicklung und ihr Wohlergehen entscheidend und kann sich nur positiv auf die Gesellschaft auswirken. Bildung ermöglicht nicht nur den Kindern, sondern auch ihren Familien, sich in lokale Gemeinschaften zu integrieren. Investitionen in inklusive und qualitativ hochwertige Bildung werden uns helfen, unserer Verantwortung gerecht zu werden, damit keine Generation zurückbleibt“, so Manfred Profazi, IOM Senior Regional Adviser für Europa und Zentralasien.

Den Bildungsbericht finden Sie hier.