UN-Organisationen begrüßen erste Aufnahmen unbegleiteter Kinder aus Griechenland

Die Organisationen rufen andere EU-Mitgliedstaaten dazu auf, sich ebenfalls an Aufnahme-Zusagen zu halten.

Zwei junge unbegleitete Minderjährige am Flughafen Eleftherios Venizelos bevor sie einen Charterflug nach Luxemburg besteigen. © UNHCR/Achilleas Zavallis

IOM, die Internationale Organisation für Migration, UNHCR und UNICEF, das UN-Kinderhilfswerk, begrüßen, dass Luxemburg heute, Mittwoch, zwölf unbegleitete asylsuchende Kinder aus Griechenland aufgenommen hat. Die Kinder, die mehrere Monate in überfüllten Aufnahmezentren auf den Inseln Lesbos, Samos und Chios gelebt hatten, kamen Mittwoch Nachmittag sicher in Luxemburg an. Deutschland ist dabei, die Aufnahme einer weiteren Gruppe unbegleiteter Kinder aus Griechenland vorzubereiten, die dieses Wochenende eintreffen sollen.

Dies sind die ersten von insgesamt 1.600 unbegleiteten Kindern, die im Rahmen einer Initiative der Europäischen Union, an der sich zehn Mitgliedsstaaten beteiligen, umgesiedelt werden.

Für die drei UN-Organisationen ist die Ankunft ein ermutigender Beginn von weiteren Anstrengungen, gefährdete Kinder aus Griechenland in den kommenden Wochen aufzunehmen. Die Fortschritte Griechenlands, Luxemburgs und Deutschlands bei der Aufnahme unbegleiteter Kinder stehen im Einklang mit den Interessen der Kinder, berücksichtigen ihre internationalen Schutzbedürfnisse und tragen außerdem bestehenden familiären Bindungen Rechnung.

Diese Initiativen sind eine menschliche und konkrete Demonstration europäischer Solidarität. Die koordinierende Rolle der Europäischen Kommission hat entscheidend dazu beigetragen, dass EU-weit dauerhafte Lösungen für diese besonders gefährdeten Kinder gefunden werden. Darüber hinaus braucht es zukünftig besser planbare Vorkehrungen zur Aufnahme innerhalb der EU, die über einmalige Bemühungen hinausgehen, um längerfristige und nachhaltige Lösungen zu erzielen.

„Die Bedeutung dieser entscheidenden Initiative wird aufgrund der Herausforderungen, mit denen wir jetzt alle durch COVID-19 konfrontiert sind, noch verstärkt. Die Aufnahme besonders schutzbedürftiger Kinder, insbesondere in einer Zeit erhöhter Not, ist eine starke Botschaft europäischer Solidarität. Wir hoffen, dass sich diese noch weiter verbreitet“, sagte Ola Henrikson, IOM-Regionaldirektor für den EWR, die EU und die NATO.

Die heutige Aufnahme von einem Mädchen und elf Jungen im Alter von 11 bis 15 Jahren, von denen zwei aus Syrien und zehn aus Afghanistan stammen, wurde von den Regierungen Griechenlands und Luxemburgs mit Unterstützung der Europäischen Kommission, UNHCR und IOM durchgeführt.

UNHCR hat zusammen mit dem Europäischen Unterstützungsbüro für Asylfragen (EASO) und den griechischen NGO-Partnern – Metadrasi und Praksis – die griechischen Behörden bei der Identifizierung unbegleiteter Kinder unterstützt und eine Prüfung zur Feststellung des Kindeswohls in enger Abstimmung mit Eirini Agapidaki, der Sondersekretärin für den Schutz unbegleiteter Minderjähriger des Ministeriums für Migration und Asyl, durchgeführt.

Auch für eine Gruppe unbegleiteter Kinder, die heute Morgen von den Inseln nach Athen kam und am Samstag nach Deutschland abreisen wird, wurde die Kindeswohlprüfung abgeschlossen.

„Zwölf Kinder blicken heute auf eine bessere Zukunft in einem neuen Land“, sagte Philippe Leclerc, UNHCR-Vertreter in Griechenland. „UNHCR hat unermüdlich an der Seite Griechenlands, von EASO und der NGOs gearbeitet, um sicherzustellen, dass die Interessen der Kinder umfassend berücksichtigt werden. Die europäischen Länder müssen zusammenarbeiten, um die Verantwortung mit Griechenland zu teilen und sicherzustellen, dass alle unbegleiteten Kinder in Sicherheit sind und versorgt werden.“

Vor ihrer Abreise aus Griechenland wurden die Kinder von den Inseln in eine IOM-Einrichtung in Athen gebracht. IOM übernahm die Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands und führte medizinische Untersuchungen durch. Außerdem wurde jedes Kind auf COVID-19 getestet, wobei alle Testergebnisse negativ ausfielen.

IOM organisierte die Flüge und so genannte „Orientierungskurse“ vor der Abreise für jedes Kind. Die Kinder erhielten Informationen darüber, was sie während ihrer Reise und bei der Ankunft in Luxemburg erwartet. IOM-Begleiter unterstützten die Kinder während des Fluges aus Griechenland und sorgten dafür, dass die Kinder sicher in die Obhut der zuständigen Behörden und Partner in Luxemburg kamen.

Bei ihrer Ankunft muss für die Kinder eine sichere und betreute Unterbringung gewährleistet sein, unter Einbeziehung der Aufnahmegemeinschaft, die bei ihrer sozialen Integration unterstützt, auch während der obligatorischen Quarantäne. Die Kinder sollten nicht in großen Unterkünften oder Zentren untergebracht werden und benötigen schnellen Zugang zu medizinischer Versorgung, psychosozialer Unterstützung, Bildung und anderen wichtigen Angeboten.

„Ich hoffe, dass die heutige erfolgreiche Aufnahme auch weitere EU-Staaten, die sich ebenfalls zur Aufnahme bereiterklärt haben, anspornt, ihre Anstrengungen zu beschleunigen“, sagte Afshan Khan, UNICEF-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien und Sonderkoordinatorin für Flüchtlings- und Migrantenhilfe in Europa. „Diese Aktion ist von entscheidender Bedeutung, da Kinder, die für eine Aufnahme identifiziert werden, die verletzlichsten und schutzbedürftigsten sind. Es ist auch eine konkrete Möglichkeit, um die griechischen Behörden in ihren laufenden Bemühungen zum Schutz der Tausenden Flüchtlings- und Migrantenkinder, die unter ihrer Obhut stehen, zu unterstützen.“

UNICEF, UNHCR und IOM haben eng zusammengearbeitet, um Standards festzulegen, anhand derer Kinder identifiziert und Prioritäten für die Aufnahme gesetzt werden sollen. Das gemeinsame Dokument der Organisationen „Minimum Child Protection Standards for Identification of Unaccompanied and separated Children to be Relocated from Greece to other countries in the European Union“ erklärt, dass diese Standards fest in den internationalen Rechtsrahmen für Kinderrechte verankert sein müssen. Dies schließt auch die UN-Kinderrechtskonvention und die Genfer Flüchtlingskonvention mit ein, wo jene Erwägungen dargelegt sind, unter denen der internationale Schutzbedarf festgelegt wird.

Zusätzlich zum Bedarf nach internationalem Schutz sollten weitere Grundsätze die Priorisierung leiten und die Auswahlkriterien sollten so flexibel und offen wie möglich sein, damit mehrere Kategorien schutzbedürftiger Personen in die Aufnahme einbezogen werden können. In allen Fällen sollte immer eine Kindeswohlprüfung durchgeführt werden, um Lösungen zu finden, die den individuellen Umständen und dem Wohl des Kindes entsprechen.

Anfang April gab es in Griechenland mehr als 5.200 unbegleitete Kinder, die dringend dauerhafte Lösungen benötigen, einschließlich beschleunigter Registrierung, Familienzusammenführung und Aufnahme in anderen EU-Staaten. Mehr als 1.600 von ihnen sind ernsthaften Risiken, einschließlich Ausbeutung und Gewalt, ausgesetzt und in überfüllten Aufnahmezentren auf den Ägäischen Inseln unter prekären Bedingungen untergebracht. Die Unterstützung der EU und der einzelnen Mitgliedstaaten ist entscheidend, um ihren unmittelbaren Schutz in Griechenland sowie ihre längerfristige Gesundheit und ihr Wohlergehen, auch durch die Aufnahme aus Griechenland, zu gewährleisten.