150 weitere Flüchtlinge aus Libyen in Sicherheit gebracht

Bei der zweiten Rettungsaktion von UNHCR konnten wieder gefährdete Flüchtlinge aus einem Anhaltezentrum umgesiedelt werden. 2.700 sind noch in umkämpften Gebieten interniert.

Weitere Flüchtlinge konnten aus einem Auffanglager befreit werden. © UNHCR/Noor Elshin

UNHCR hat heute weitere 150 Flüchtlinge, die im Anhaltezentrum Abu Selim südlich von Tripoli inhaftiert waren, in das Transferzentrum im Kern der libyschen Hauptstadt in Sicherheit bringen können. Abu Selim ist eines von mehreren Anhaltezentren in Libyen, das seit dem Ausbruch von Zusammenstössen in der Hauptstadt vor fast zwei Wochen von Kampfhandlungen betroffen ist. Flüchtlinge sagten UNHCR, dass sie schreckliche Angst hatten und um ihr Leben fürchten mussten. UNHCR-MitarbeiterInnen, die heute bei dem Transfer dabei waren und ihn organisiert haben, berichteten, dass die Zusammenstösse rund zehn Kilometer vom Zentrum entfernt und deutlich hörbar waren.

UNHCR wollte ursprünglich mehr Flüchtlinge in Sicherheit bringen, doch dies war aufgrund der schnellen Eskalation der Kämpfe in dem Gebiet nicht möglich. UNHCR hofft, weitere Flüchtlinge zu retten, sobald die Bedingungen vor Ort es erlauben. „Menschen ausser Gefahr zu bringen, ist ein Wettlauf mit der Zeit. Die Kämpfe und die immer schlechter werdende Sicherheitslage schränken unsere Möglichkeiten stark ein”, sagte Lucie Gagne, stv. UNHCR-Vertreterin in Libyen. „Wir brauchen dringend Lösungen für die in Libyen festgehaltenen Menschen, humanitäre Evakuierungen der Schwächsten miteingeschlossen.”

Bei der aktuellen Rettungsaktion – die zweite innerhalb von wenigen Tagen – wurden die am stärksten gefährdetsten und bedürftigsten Flüchtlinge in Sicherheit gebracht, unter ihnen Frauen und Kinder. Der Transfer konnte mit Unterstützung von UNHCR-Partnern, dem Internationalen Ärztekorps und dem libyschen Innenministerium durchgeführt werden. In der vergangenen Woche hat UNHCR mehr als 150 Flüchtlinge aus dem Auffangzentrum Ain Zara, ebenfalls im Süden Tripolis, in das Transferzentrum gebracht. Insgesamt sind dort nun  400 Flüchtlinge untergebracht.

Seitdem der Konflikt in Libyen eskaliert ist, mussten tausende Menschen fliehen. Nach der heutigen Umsiedlung bleiben mehr als 2.700 Flüchtlinge und MigrantInnen in Gebieten, in denen es weiterhin zu Konflikten kommt. Abgesehen von denjenigen,  die in Abu Selim bleiben, sind weitere Anhaltezentren nahe der Konfliktzone betroffen, so etwa Qasr Bin Ghasheer, Al Sabaa und Tajoura. „Das sind Menschen in äusserst verletzlichen und gefährlichen Lagen. Sie sind vor Konflikten oder Verfolgung in ihren eigenen Ländern geflohen, scheinbar nur um dann wieder vom Konflikt eingeholt zu werden”, sagte UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi vor einigen Tagen. „Die Risiken für die Betroffenen wachsen von Stunde zu Stunde. Sie müssen dringend in Sicherheit gebracht werden. Einfach ausgedrückt: Es geht um Leben und Tod.”

UNHCR fordert die internationale Gemeinschaft auf, sich gemeinsam mit allen Konfliktparteien für die Einhaltung der völkerrechtlichen Verpflichtungen einzusetzen und Massnahmen zur Beendigung der Internierung zu unterstützen. Zudem müssen Lösungen für die in Libyen gefangenen Personen, wie humanitärer Korridore zur Evakuierung der gefährdetsten, gefunden werden. Die aktuelle Situation in Libyen unterstreicht nach wie vor, dass dieses Land ein gefährlicher Ort für Flüchtlinge und MigrantInnen ist und dass diejenigen, die auf See gerettet und abgefangen werden, nicht dorthin zurückgebracht werden sollten. UNHCR hat wiederholt ein Ende der Internierung von Flüchtlingen und MigrantInnen gefordert.