UNHCR verstärkt Winterhilfe für die Menschen in der Ostukraine

Die weiter fallenden Temperaturen verschärfen die humanitäre Notlage der Menschen in der Ostukraine, der Konflikt im Land dauert bereits mehr als drei Jahre an.

Sergei ist einer von rund 15.300 Menschen in der Ukraine, die Winterhilfe von UNHCR erhalten. © UNHCR/Hugo Reichenberger

KIEW, Ukraine – trotz Beschuss und eiskalten Wintern: Sergei* und seiner 83-jährigen Mutter blieb immer ihr Rosengarten. Bis zu jenem Tag 2016, an dem Granaten ihn in Schutt und Asche legten. Für Sergei und seine Mutter wie für Millionen andere Menschen in der Ostukraine bedeuten die Wintermonate einen täglichen Kampf ums Überleben.

Während die Temperaturen im ganzen Land sinken, intensiviert UNHCR seine Hilfsleistungen, etwa die Lieferungen von Kleidung, Kohle und Bargeldhilfen für die besonders schutzbedürftigen Menschen.

“Die Kohle macht es für meine Mutter wenigstens ein bisschen einfacher in diesem Winter“, sagt Sergei, der drei Tonnen Kohle von UNHCR erhalten hat, um sein Haus zu heizen und zu kochen. „Wenn UNHCR mir diese Kohle nicht gegeben hätten, hätte ich sie kaufen müssen und hätte weder Geld für die Medikamente für meine Mutter gehabt noch für die Fahrt nach Donetsk oder für Brot und andere Nahrungsmittel.“

Rund 15.300 Menschen in der Ukraine erhalten Winterhilfe von UNHCR. Sie wird hauptsächlich an alleinerziehende Eltern, ältere Menschen, Familien mit Kindern und Menschen mit Behinderung oder chronischen Krankheiten verteilt. Die meisten von ihnen wurden von ihren Häusern in der Ostukraine durch den Konflikt in der Region Donetsk und Luhansk vertrieben, der nun schon über drei Jahre andauert.

Häuser nahe der Kontaktlinie werden regelmäßig durch Granatbeschuss beschädigt. Ganze Dörfer werden durch beschädigte oder zerstörte Infrastruktur vom Rest des Landes angeschnitten. Die beschränkte Bewegungsfreiheit hat zur Folge, dass Menschen nur mit großen Schwierigkeiten staatliche Leistungen, Nahrungsmittel und Medizin erhalten können.

Im Winter ist die Lage noch schwieriger. Die Temperaturen können im Dezember auf bis zu -10° Grad sinken und im Januar sogar bis zu -20° Grad. Viele Menschen leben in schlecht isolierten Häusern oder Gemeinschaftsunterkünften und sind häufig gezwungen sich zu entscheiden, ob sie ihr Geld in Nahrungsmittel, Medizin oder Heizmittel investieren.

In den nicht von der Regierung kontrollierten Gebieten stellt UNHCR 4.000 Tonnen Kohle für 3.000 Haushalte sowie mehr als 7.500 Kleidungsstücke für den Winter zur Verfügung. UNHCR repariert zudem 500 Häuser, um sie winterfest zu machen. In den von der Regierung kontrollierten Gebieten liefert UNHCR Bargeldhilfe ohne Auflagen an 1.000 Haushalte und Winterjacken an mehr als 4.700 Kinder.

Die 78 jährige Katya lebt alleine nahe der Kontaktlinie in Luhansk. Das Dach ihres Hauses wurde im letzten Jahr durch Granaten beschädigt. UNHCR unterstützte die Reparatur des Hauses und stellte Kohle für den kalten Winter bereit. „Mein Mann ist letztes Jahr verstorben und ich habe keine Kinder. Ich bin ganz allein“, sagt sie. „Ich wüsste nicht, wie ich ohne diese Kohle überleben sollte.“

Der Übertritt der Kontaktlinie ist im Winter besonders schwierig. Die Kontrollpunkte sind seltener besetzt und es gibt nur wenige beheizte Wartebereiche. Um die Situation zu verbessern, werden bestehende Wartebereiche von UNHCR ausgebaut oder neu errichtet.

„Unsere Kollegen haben kürzlich die unglaublich schwierige Situation der Menschen in der Ostukraine am Winteranfang beschrieben“, sagt Pablo Mateu, UNHCR-Vertreter in der Ukraine. „Einige der Szenen sind herzzerreißend. Wenn meine Kollegen durch die Dörfer fahren, sehen sie viele besonders schutzbedürftige, ältere Menschen, die um Hilfe bitten.“

„Der Winter ist eine intensive Zeit für unsere humanitäre Arbeit. Die Wetterbedingungen beeinträchtigen die Transportmöglichkeiten zusätzlich. Besonders die Straßen sind ohnehin in einem schlechten Zustand, und gleichzeitig ist die Strom- und Gasversorgung sehr unzuverlässig.“ „In einigen abgelegenen, von dem Konflikt betroffenen Regionen können Menschen zuweilen nicht auf grundlegende Güter zugreifen. Viele ältere Menschen nutzen den größten Teil ihrer Rente, um Kohle zum Heizen zu kaufen und können sich keine Medikamente gegen ihre chronischen Krankheiten leisten.

Es ist oberste Priorität von UNHCR, sicherzustellen, dass die besonders schutzbedürftigen Binnenvertriebene und vom Konflikt betroffene Menschen den harten Winter überstehen.“ Insgesamt hat der Konflikt in der Ostukraine mehr als 1,5 Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben. Mehr als eine Million Menschen sind zu Flüchtlingen geworden. UNHCR benötigt für seinen Hilfsplan 2017 insgesamt 37,6 Millionen US-Dollar. Bisher wurden jedoch nur 35 Prozent der notwendigen Finanzmittel bereitgestellt.

 

*Name aus Schutzgründen geändert